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"Ein Sportler lebt von seinen Erfolgen", sagt der erfahrene Coach Frank Ziegler und umreißt damit gleichzeitig die Tristesse der Corona-Zeit. "Denn ohne Erfolge ist es schwer, ausreichend Motivation zu erhalten." Nicht wissen, wann der nächste Wettkampf ist - und gleichzeitig sich punktgenau auf eben diesen Wettkampf vorbereiten: Dieser Spagat ist für die Spitzenathleten derzeit Trainings-Alltag. Wie sieht der aus? Wie wird man im Pandemie-Winter fit für den Olympia-Sommer? Beeindruckendes Beispiel: Katharina Albers.

Kraftraum am Heinrich-Heine-Elitegymnasium  Kaiserslautern: ein Trainer und eine Athletin. Die Corona-Bedingungen sind also sichergestellt. Das Pensum: hart. Erstes Fragezeichen: Warum trainiert eine Rad-Sprinterin hauptsächlich ohne Rad?

"Im Winter zu 90 Prozent im Kraftraum"

"Bahnsprint ist eine kraftspezifische Sportart", erklärt Katharina Albers zwischen zwei Einheiten: "Deshalb trainiere ich im Winter zu 90 Prozent im Kraftraum." Speziell auf Sprinter ausgerichtet: Sprünge aus dem beidfüßigen Stand, möglichst hoch auf gestapelte Boxen. So wird die Schnellkraft ausgebildet für den Antritt in der Startmaschine beim Teamsprint. "Die Wirkung und Aussagekraft dieser Übung ist groß", sagt Stützpunkt-Trainer Frank Ziegler: "Denn es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Aufsprunghöhe hier und der später gefahrenen Zeit. Wer am höchsten springt, der fährt auch am schnellsten."

Und es zahlt sich aus. Katharina Albers, die Deutsche Meisterin im Teamsprint der Junioren, schafft mittlerweile die Höhe von 1,20 Metern. Wohlgemerkt: aus dem Stand.

Im Winter wird die Grundlage für den Sommer gelegt

Die 19-Jährige, die zur Zeit ihr Abitur baut am Heinrich-Heine-Sportgymnasium, geht anschließend an die Beinpresse. Dicke Scheiben werden aufgelegt. Maximalkraft ist gefragt. Bei Albers liegen grad 210 Kilo auf. "Hier bauen wir im Winter die Muskulatur für den Sommer auf", sagt sie - und pustet erstmal durch. "Das ist schon sehr anstrengend."

Doch die Entwicklung gibt ihr recht: im ersten harten Kraftraum-Winter hat die Nachwuchssprinterin gleich mal sechs Kilo an Muskelmasse zugelegt. Kein Problem für sie als junge Frau, meint Katharina Albers und lacht: "Denn man sieht, dass es zum Erfolg führt. Und der Gedanke, dass eine Kleidergröße weniger vielleicht ganz schön wäre, spielt nur eine Nebenrolle."

In den Spuren von Welte und Ackermann

Nächste Station: der klassische Klimmzug. "Denn die Armmuskulatur ist beim Sprinter genauso wichtig wie die Beinmuskulatur", betont Frank Ziegler. Die Kraftübertragung kann nur funktionieren, wenn der Athlet am Lenker genauso stark ist wie auf den Pedalen. Ziegler benutzt dafür einen Fachbegriff: "Muskelschlinge". Diese "Muskelschlinge" beginnt an den Händen, geht über die Arme, den Schultergürtel und den Rumpf bis eben zu den Beinen. Und nur wenn das alles ordentlich ausgebildet ist und zusammenpasst, dann kann die komplette Einheit richtig in Schwung gebracht werden.“ Ziegler muss es wissen: Er führte auch Profi-Star Pascal Ackermann und Olympia-Siegerin Miriam Welte zu Erfolgen.

Die "komplette Einheit" wird dann auf dem Ergometer zum Feinschliff gebracht: Sprint ohne Widerstand in ultra-kurzen Einheiten. Katharina Albers schafft zwischen drei und vier Umdrehungen: pro Sekunde! Die Anstrengung ist auch hier enorm, der Puls rast genauso wie die Füße. Macht das Spaß? "Ja", antwortet sie wie aus der Startmaschine geschossen – und lacht aufs Neue. "Denn es macht Spaß, die Schnelligkeitsentwicklung zu sehen."

"Die Lage ist sehr schwer derzeit"

Ihr Ziel: erst das Abitur, dann die Meisterschaften. Doch Corona trübt die Freude. "Die Lage ist sehr schwer derzeit", sinniert die 19-Jährige. Doch für sie selbst hat die Zwangspause auch eine positive Seite: Sie kann nach einer Knie-OP ohne Wettkampf-Druck regenerieren. Die HHG-Schülerin weiß dennoch um das latente Infektions-Risiko derzeit. Es reiche schon, wenn es an der Schule Positiv-Fälle gäbe. "Dann müsste man in Quarantäne. Aber zwei Wochen Quarantäne bedeuten gleich wieder, dass Muskelmasse abgebaut wird."

"Für viele ist es ein verlorenes Jahr"

Ihr Coach weiß, wie schwer die Zeit für seine Kader-Athleten ist. "Aus dem Erfolg nimmt der Sportler die Motivation fürs tägliche Training. Doch der letzte große Wettkampf war im März", schildert Frank Ziegler die Problematik. Und bestätigt auf die entsprechende Frage von SWR Sport: "Ja, für viele ist es ein verlorenes Jahr."

Umso wichtiger sind andere Motivationshilfen. Wie das Deutsche-Meister-Trikot zum Beispiel. Katharina Albers klopft zum Abschluss der anstrengenden Trainings-Einheit auf die schwarz-rot-goldenen Brustringe und strahlt: "Das ist die Trophäe für harte Arbeit."

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