Volker Finke bei Sport im Dritten (Foto: SWR)

Sport im Dritten | Gespräch Volker Finke rät dem VfB Stuttgart zur mutigen Aufarbeitung des Abstiegs

16 Jahre war Volker Finke Trainer des SC Freiburg. In dieser Zeit machte er einige sportliche Auf- und Abstiege mit. In der SWR-Sendung Sport im Dritten gewährte Finke nun Einblicke in seine Erfahrungen.

Die Situation des VfB Stuttgart kann Finke gut nachvollziehen. In seinen 16 Jahren in Freiburg hat er drei Abstiege mitmachen müssen. Dem VfB rät er nach dem jüngsten Bundesliga-Abstieg zu einer gründlichen Aufarbeitung.

"Man muss darauf achten, dass man die richtigen Spieler behält und auch den Mut hat, Spieler wegzuschicken und ihnen zu vermitteln, dass man mit ihnen nicht mehr plant. Das wichtigste ist, eine gute interne Analyse zu haben: Was hat die Mannschaft vergiftet, innerhalb der Gruppe? Denn bei so viel Misserfolg gibt es Verletzungen, auch innerhalb der Gruppe. Die Spieler tun sich gegenseitig weh, weil es auch eine Konkurrenz innerhalb der Mannschaft gibt", sagte Finke im Gespräch mit Moderator Lennert Brinkhoff.

Auch radikale Veränderungen können nach einem Abstieg nötig sein, so der Kult-Coach: "Wir haben mal nach einem Abstieg nur fünf Spieler aus dem ganzen Kader behalten und 15 neue geholt. Denn es kann passieren, dass man durch so eine schwierige Saison in ein schlechtes Klima gerät und eine positive Entwicklung schwierig wird."

Die Zweite Liga als Sprungbrett für die Jungen?

Der Abstieg des VfB kann auch eine Chance bergen - besonders für Talente aus der eigenen Jugend. Auch Finke gilt als Förderer junger Spieler und setzte beim SC Freiburg auf die Entwicklung der eigenen Talente für die Profimannschaft. Er sieht jedoch unterschiedliche Voraussetzungen zwischen dem VfB aktuell und dem SC unter seiner Ägide: "Als wir damals die Fußballschule in Freiburg als Pilot-Projekt gebaut haben, war unsere Grundidee: Wir können in der Ausbildung besser sein, als die großen Klubs - die können einkaufen gehen und wir müssen ausbilden. Stuttgart ist nicht per se ein Ausbildungsverein, weil der Standort selber so viel Wirtschaftskraft hat, dass sie Qualität kaufen können. Aber in dieser Situation, die jetzt für den VfB entstanden ist, finde ich es sehr sympathisch, wenn sich Sportvorstand Thomas Hitzlsperger darum kümmert und auf die eigene Jugend schaut."

97 Prozent schaffen es nicht in den Profibereich

Volker Finke bei Sport im Dritten

Die Jugendarbeit romantisiert Finke jedoch nicht, sondern wägt die Chancen und Risiken für die Nachwuchsspieler nüchtern ab: "Von den Spielern, die in den Nachwuchsleistungszentren sind, schaffen es drei Prozent in den Profibereich - und 97 Prozent schaffen es nicht. Diese Zahl hat sich in den letzten Jahren nicht verändert. Das muss auch manchmal gesagt werden, damit man den jungen Spielern besser vermitteln kann, dass andere Dinge neben dem Fußball nicht vernachlässigt werden. Die Schule muss im dualen System durch den Verein mitorganisiert werden."

Kritisch beobachtet der Jugendförderer Finke allerdings das gestiegene Interesse von Vereinen, möglichst junge Spieler zu verpflichten: "In den letzten Jahren hat sich vieles verändert. Die jungen Spieler werden zwischen den Nachwuchsleistungszentren transferiert. Da wird viel Geld bezahlt, dafür dass man die Top-Jugendspieler ab dem elften oder zwölften Lebensjahr schon scoutet. Das ist gefährlich – besonders auch für Entwicklung der jungen Spieler. Man kann bei Elf-, Zwölf-, oder Dreizehnjährigen überhaupt noch nicht entscheiden, ob das jemals ein Profi wird oder nicht."

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