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Ringen | KSV Aalen Aalen steigt vom Olymp in die Bezirksklasse

Der KSV Aalen war 46 Jahre lang erstklassig. Doch ab kommender Saison wird der Traditionsverein von der Ost-Alb er in der untersten Klasse ringen - auf eigenen Wunsch.

Die Ringer des KSV Aalen steigen zum ersten Mal ab - seit 46 Jahren. Aber nicht in die 2. Liga, sondern direkt nach ganz unten in die Bezirksklasse. Vom Olymp in die Amateurklasse. Denn vor kurzem gab es Streit im Verband, um die Bundesliga, um Richtlinien und Budgets. Die Querelen mit dem Deutschen Ringerbund fanden ihren Höhepunkt, als die Verbandsführung Anfang des Jahres kurzerhand einen von drei Finalkämpfen absagte. Im Deutschen Ringerbund kirscht es schon länger.

Der KSV steigt ab, um den Querelen zu entkommen

Bereits vergangenen Sommer hatten sechs Top-Vereine beschlossen, eine eigene Ringer-Liga gründen - Aalen war auch dabei Der Deutsche Ringerbund drohte mit Sperren und Geldstrafen. Der ganze Hickhack wurde dem KSV zu viel, er sagte Tschüss und ließ die Meldefrist für die kommende Bundesliga-Saison einfach verstreichen. Aalens sportliche Leiterin Martina Göhringer trauert der Bundesliga nicht nach, zu viele Unsicherheiten - auch was das Finanzielle betrifft. Die Sponsorensuche brauchte viel Kraft und Zeit. Kraft und Zeit, die der KSV lieber ins Vereinsleben investieren möchte.


Die Profis verlassen den Verein

Der KSV gewinnt also ein Stück neue Work-Life-Balance im Vereinsleben – und verliert dafür seinen Spitzensport und damit die ausländischen Profis, die extra für die Bundesliga nach Aalen kamen. Schon der Abstieg in die Oberliga wäre für die meisten Profis nicht attraktiv, aber gleich in der untersten Klasse zu ringen, lockt die Kämpfer weder finanziell noch sportlich. Die erste Mannschaft ist gerade in Auflösung begriffen.


Noch bis Ende Mai haben die "Oberhaus-Söldner" Zeit, sich zu entscheiden, ob sie Aalen treu bleiben oder zu einem Verein wechseln, der auch kommende Saison in der Bundesliga ringt. Doch es ist äußerst unwahrscheinlich, dass ein ausländischer Spitzen-Athlet, der nach Deutschland kam, um hier Geld und Titel zu verdienen, mit Aalen in die Bezirksklasse geht.

Auch der deutsche Meister geht - so halb

Sogar der in Aalen aufgewachsene und tief im Verein verwurzelte Benjamin Sezgin will undbedingt weiter in der Bundesliga ringen und wird ab nächster Saison für Wacker Burghausen auf der Matte stehen.


Immerhin wird er dem KSV noch im Training und für die Teilnahme an Einzel-Wettbewerben erhalten bleiben.


Aalen wird Breitensport-Verein

Beim KSV Aalen heißt es also: "Alles auf Anfang". Aus dem FC Bayern München des Ringens wird ein einfacher Breitensport-Verein ohne Profi-Geschäft-Ambitionen. Sorgen machen sich die KSV-Verantwortlichen deswegen nicht. Im Gegenteil: Das Profi-Geschäft war zuletzt doch eher zum Ballast für die Vereinsführung geworden - Sponsorensuche, Akquise, die Streitereien mit Verband und Liga, das alles zerrte an den Nerven. Dieser Druck wird in der Bezirksklasse nicht mehr auf dem Verein lasten.


Nachwuchsarbeit jetzt im Fokus

Langfristig wieder ins Profi-Geschäft finden, das ginge dann nur noch mit Aufbau-Arbeit. Die zweite Mannschaft wurde zur ersten erhoben, doch keiner der Sportler dort hat die sportliche Qualität, um ganz oben mitzuringen. Von unten anfangen, Nachwuchs fördern, langfristig denken - der KSV entdeckt die Nachhaltigkeit. Ein Weg, den Anton Nuding, Landestrainer von Baden-Württemberg und gleichzeitig Jugendtrainer in Aalen, gerne schon ein paar Jahre früher gegangen wäre.


Der KSV setzt fortan also auf Jugend und Vereinsarbeit. Doch das ist aus Aalener Sicht zu ertragen, immerhin haben schon einige Sponsoren ihre Unterstützung für die unterste Klasse zugesagt.


Der KSV lässt sich Zeit

Es scheint, als atme der KSV Aalen auf. Der Verein freut sich, sich endlich wieder auf sich selbst und die Sportler in der Region konzentrieren zu können. Aber Aufbauarbeit braucht seine Zeit, und die will man sich in Aalen auch nehmen; fünf bis zehn Jahre werde es dauern, bis der Verein wieder genug Sportler auf Oberliga-Niveau in die Kämpfe schicken kann. So die vorsichtige Schätzung von Sport-Chefin Martina Göhringer.