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Regionalliga | Chinas U20 gegen Schott Mainz Proteste bei Chinas U20-Premiere

Eigentlich sollten "die jungen Spieler die deutsche Fußballkultur kennenlernen." Doch die sportlichen Aspekte der Premiere der chinesischen U20 wurde gleich durch Proteste mit tibetischen Flaggen in den Hintergrund gerückt.

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Im umstrittenen Freundschafts-Regionalligaspiel gegen die chinesische U20-Auswahl beim TSV Schott Mainz kam es zu einem Zwischenfall. Eine kleine Gruppe Zuschauer hat einen politischen Protest gegen die Chinesen gestartet. Sechs Männer und Frauen, nach eigenen Angaben Vertreter der "Tibet Initiative Deutschland" und tibetische Flüchtlinge, haben mehrere Tibet-Flaggen enthüllt, um damit auf die Menschenrechtslage in dem von China annektierten Tibet aufmerksam zu machen.

Nach ihrer Auffassung präsentiere sich China mit einem falschen Gesicht im Sport - als weltoffene Nation, während es in Wirklich ein menschenverachtendes Regime sei.
Daraufhin weigerte sich die chinesische Nationalmannschaft, weiterzuspielen. Erst als die sechs ihre Fahnen wieder wegpackten, konnte das Spiel nach einer etwa 15 minütigen Pause fortgesetzt werden.

Klaus Schlappner war außer sich

Für Klaus Schlappner war die Aktion ein Ärgernis. Erst lief der der frühere Trainer der chinesischen Nationalmannschaft zeternd über die Bezirkssportanlage im Mainzer Stadtteil Mombach, dann platzte ihm der Kragen. "Ich bin hergekommen, um ein Fußballspiel zu sehen - und nicht, um darüber zu diskutieren, ob wir ein Flüchtlingsproblem haben", wetterte der 77-Jährige.

Sowohl die DFB-Vertreter, die als Beobachter vor Ort sind, als auch die Gastgeber TSV Schott Mainz verwiesen darauf, dass tibetische Flaggen in Deutschland nicht verboten seien und sahen damit keinen Grund zum Einschreiten. DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann sagte nach dem Spiel: "Wir werden das Gespräch mit der chinesischen Delegation suchen. Wir leben in Deutschland, da gelten bestimmte Gesetze, und dazu gehört die Meinungsfreiheit."

Schott Mainz gewann mit 3:0


China will von deutscher Talentförderung lernen

Das ursprüngliche Ziel war jedoch ein anderes: "Als der deutsche Fußball am Boden war, hat der DFB die Talentförderung entwickelt", sagte Jiyai Shao, Teammanager der chinesischen U20-Auswahl, die am Samstag in einem Freundschaftsspiel gegen den TSV Schott Mainz antritt. Danach folgte der Weg an die Weltspitze, der im WM-Titel 2014 gipfelte. Nun sollen junge chinesische Fußballer sich mit deutschen Vereinen messen, "damit der chinesische Fußball eines Tages auch an der Spitze steht". Ambitionierte Ziele, für eine Nation die im Weltfußball bisher eine eher unbedeutende Position einnahm.


Um dieses Ziel erfüllen zu können, hat der chinesische Verband ein Projekt ins Leben gerufen: Chinas U20-Nationalmannschaft tritt in einer Serie von Freundschaftsspielen gegen 16 Klubs der Regionalliga Südwest an, jeweils an deren spielfreien Wochenenden. Für Schott-Manager Till Pleuger war "der finanzielle Anreiz ausschlaggebend gewesen", um bei der Aktion mitzumachen – jeder teilnehmende Verein bekommt eine 15.000-Euro-Prämie. Andere Vereine begrüßen die Gelegenheit, durch das Spiel gegen die Chinesen auch an spielfreien Wochenenden im Spiel-Rhythmus zu bleiben.

Protest insbesondere von Traditionsklubs

Allerdings stößt das Modell mitunter auch auf Ablehnung und wird von Waldhof Mannheim, den Stuttgarter Kickers und der TuS Koblenz boykottiert. Insbesondere Fans dieser Traditionsvereine protestierten gegen diese - aus ihrer Sicht - Art der Kommerzialisierung. Eine Kommerzialisierung des Sports sei unumgänglich, wenn der deutsche Fußball international konkurrenzfähig bleiben soll - diese These vertritt zumindest Ronny Zimmermann. Der DFB-Vizepräsident sieht in dem gemeinsamen Projekt die Chance, langfristig auch kulturelle oder politische Differenzen zu überbrücken. Zumindest im ersten Spiel ist dieser Ansatz gescheitert.