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Zwei Tischtennisschläger auf einem Tisch

Prozess | Tischtennis Trainer gesteht sexuellen Missbrauch

Ein 62-jähriger ehemaliger Tischtennis-Trainer des TSV Höfingen hat gestanden, über viele Jahre Kinder sexuell missbraucht zu haben. Vor dem Landgericht Stuttgart legte der Mann am zweiten Verhandlungstag ein voll umfängliches Geständnis ab.

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Sie waren schockiert, fassungslos und den Tränen nahe. Die Eltern der minderjährigen Opfer des Tischtennis-Trainers lauschten sprachlos den Worten der Staatsanwältin, die die Anklagepunkte gegen den 62-Jährigen im Gerichtssaal verlas. Auch die anwesenden Freunde des Angeklagten konnten kaum glauben, was ihnen da zu Gehör kam. Robert Nikolussi ist einer von ihnen. Er kennt den Angeklagten seit 35 Jahren. "Ich bin entsetzt und völlig verunsichert", sagte er dem SWR. "Ich kann mir nicht erklären, wie ein Mensch in der Lage ist, so etwas mit Kindern zu tun, das Vertrauen dieser Kinder und auch von deren Eltern auszunutzen. Ich bin restlos fertig."

Umfassendes Geständnis

Zwischen 1997 und 2016 soll sich der Übungsleiter des TSV Höfingen mehrfach an den Kindern vergangen haben. Er soll sie u.a. zu sexuellen Handlungen genötigt und sie in sexuell eindeutigen Situationen fotografiert haben.

Nach einer kurzen Beratungspause des Angeklagten mit seinem Anwalt wurde im Namen des 62-Jährigen von seinem Rechtsbeistand eine Erklärung vorgetragen. Diese enthielt ein voll umfängliches Geständnis. Der Trainer ließ alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe gelten und bat seine Opfer um Verzeihung. Fritz Philipp Dörninger, Rechtsvertreter des Angeklagten, sagte nach der Verhandlung: "Er hat ganz sicher das Unrecht seines Tuns eingesehen."

Taktisches Geständnis?

Sandra L. Ebert, Vertreterin der Nebenklage, beurteilte das Geständnis des Angeklagten skeptisch. "Ich halte das Geständnis für ein taktisches Geständnis. Ich bin aber froh, dass den Geschädigten dadurch die Aussage erspart bleibt."

Zu Beginn der Verhandlung hatte das Gericht einen Antrag auf eine nicht öffentliche Verlesung der Anklage abgelehnt. Begründung: das öffentliche Interesse am möglichen Vergehen eines Vereinstrainers an Kindern stehe über den Interessen der Opfer. Der nächste Verhandlungstermin ist auf den 29. September angesetzt.

Was geschah in der Berghütte?

Dem 62-jährigen Angeklagten war im Wesentlichen vorgeworfen worden, zwischen 1997 und 2016 insbesondere in seiner Berghütte in Österreich in mehreren Fällen sexuelle Handlungen an verschiedenen Kindern im Alter von 7 bis 11 Jahren vorgenommen zu haben. Zudem soll er bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Leonberg bzw. seiner Berghütte in Österreich im März 2017 kinder- und jugendpornografisches Bildmaterial besessen haben.

Eine engagierte Mutter eines Elfjährigen hatte den Stein ins Rollen gebracht, weil sie sich mit ihrem Verdacht an die Polizei gewandt hatte. Die Polizei hatte daraufhin eine elfköpfige Arbeitsgruppe mit dem Namen "Topspin" gebildet und ihre Ermittlungen aufgenommen. Im August erhob dann die Staatsanwaltschaft Stuttgart Anklage. Sie lautete auf sexuellen Missbrauch von Kindern, Nötigung, sexuelle Belästigung und den Besitz kinderpornografischer Schriften.

Verein geht in Offensive

Das Entsetzen war groß in dem 6500-Einwohner-Stadtteil Leonbergs, als die Vorwürfe im März 2017 bekannt wurden. Vor allem beim TSV Höfingen war man zunächst fassungslos. Der Verein aber reagierte prompt und bemühte sich, mit dem Fall offen und konstruktiv umzugehen. Zwei Elternabende und eine Informationsveranstaltung mit einer Beratungsstelle wurden organisiert, das Vier-Augen-Prinzip wurde verpflichtend eingeführt. Fast alle Eltern ließen ihre Kinder trotz der Vorfälle in der Tischtennis-Abteilung. Eine Mutter verbot ihren beiden Kindern jedoch, weiterhin Tischtennis zu spielen. Sie wechselten in die Fußballabteilung, die Mutter trat aus dem Verein aus.

Der Angeklagte sitzt seit März in Untersuchungshaft. Wegen sexuellen Missbrauchs droht ihm eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.