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Nationalmannschaft | WM-Quali Rudy und Wagner ebnen den Weg nach Russland

Die deutsche Nationalmannschaft hat das Ticket zur WM 2018 in Russland vorzeitig gelöst. Die DFB-Auswahl feierte in Nordirland einen 3:1 (2:0)-Sieg. Torschützen waren der frühere Hoffenheimer Sebastian Rudy, der aktuelle 1899-Angreifer Sandro Wagner und der beim VfB Stuttgart ausgebildete Joshua Kimmich.


Drei Südwestkicker - ab aktuell oder ehemalig - waren also die Protagonisten beim neunten deutschen Erfolg im neunten WM-Qualifikationsspiel. Somit steht Deutschland als Teilnehmer der Weltmeisterschaft in Russland im kommenden Jahr fest. Platz eins in der Gruppe C ist der Mannschaft von Trainer Joachim Löw ebenfalls nicht mehr zu nehmen.

Traumtor von Rudy

Rudy (2. Minute) knackte das berüchtigte nordirische Bollwerk bereits kurz nach Anpfiff mit einem Traumtor in den rechten Winkel. Wagner (21.) legte mit seinem vierten Tor im vierten Länderspiel nach, der überragende Joshua Kimmich (86.) machte den Deckel drauf. Am Sonntag steht gegen Aserbaidschan in Kaiserslautern das zehnte und letzte Quali-Spiel für das DFB-Team an.

Doch, trotz allen Glanzes: Bei der Auslosung am 1. Dezember im Moskauer Kreml droht eine schwierige Gruppe mit einem früheren Weltmeister wie Frankreich, Spanien oder Italien. Anders als Deutschland wäre dieses Trio wie auch Chile, England oder Uruguay nach aktuellem Stand nicht als Gruppenkopf gesetzt. Löw bezeichnet die historische Titelverteidigung auch deshalb als "das Allerschwerste überhaupt".

Die eiserne Wand der Nordiren zu durchbrechen, die zuvor in acht Spielen nur zwei Gegentore kassiert hatten (beide gegen Deutschland), oblag in erster Linie Wagner. Den Hoffenheimer bot Löw in Abwesenheit von Timo Werner und Mario Gomez als Stoßstürmer auf. Thomas Müller startete als zweite, eher hängende Spitze - und als Kapitän, da Torhüter Manuel Neuer wie ein Dutzend anderer Startelf-Kandidaten fehlte.

"We're not Brazil, we're Northern Ireland"

"We're not Brazil, we're Northern Ireland", sang Nordirlands Green and White Army vor dem Anpfiff im kühlen, verregneten Windsor Park in einem Arbeiterviertel von Belfast. Löw erwartete ein knallhartes Spiel "mit Brisanz", zugleich "so etwas wie ein Finale". Der perfekte Start durch Rudys wunderbaren 25-Meter-Schuss nach 80 Sekunden erleichterte vieles. Es war das erste Länderspieltor des Bayern-Profis.

Dem weitestgehend in der Luft hängenden Angriff der Gastgeber stellte der Bundestrainer die Weltmeister-Innenverteidigung Mats Hummels/Jerome Boateng entgegen, Boateng spielte erstmals seit dem Hinspiel (2:0) vor einem Jahr. Links verteidigte Marvin Plattenhardt von Hertha BSC solide für den verletzten Kölner Jonas Hector.

Wagner trifft von der Strafraumkante

Doch meist war nur die Abwehr der Nordiren in höchster Not: Wagner hätte nach einer Flanke des bärenstarken Kimmich von rechts beinahe mit der Brust zum 0:2 getroffen (4.), nach 16 Minuten köpfte er ebenfalls nach Vorlage Kimmichs an den Pfosten. Schließlich traf Wagner doch: mit einem präzisen 16-Meter-Schuss vorbei am verzweifelt herangrätschenden Gareth McAuley.

Generell rückten die deutschen Außenverteidiger weit auf, dadurch drängte der Weltmeister Nordirland energisch in die Defensive - der Ball zirkulierte wie am Schnürchen, der Gegner lief oft ratlos hinterher. Als erstmals Unruhe im deutschen Strafraum aufkam, war Torhüter Marc-Andre ter Stegen gegen Corry Evans hellwach (40.).

Auch nach der Halbzeitpause richteten sich die Nordiren gezwungenermaßen an kleinen Erfolgen auf. Jeder gewonnene Zweikampf, jeder Einwurf wurde von den 18.104 Zuschauern euphorisch bejubelt. Die Chancen jedoch hatte Deutschland: Einen Müller-Kopfball drehte Torhüter Michael McGovern in maximaler Streckung sehenswert um den Pfosten (51.).

Die Weltmeister konnten es sich sogar erlauben, das Spiel für einige Minuten dahinplätschern zu lassen. Löw, der im schwarzen Trenchcoat auf der Bank saß, wurde etwas unruhig, weil die Nordiren das Risiko erhöhten und deutlich früher angriffen.

Gefahr entstand dadurch allerdings nur einmal, als Conor Washington die Latte traf (77.). Dann traf Kimmich. Der Weg nach Russland ist somit frei. Nordirland hingegen wird wohl in die Play-offs einziehen.

Nordirland - Deutschland 1:3 (0:2)

Nordirland: McGovern/Norwich City (33 Jahre/25 Länderspiele) - McLaughlin/FC Millwall (26/29), Jonny Evans/West Bromwich Albion (29/64), McAuley/West Bromwich Albion (37/73), Hodson/Glasgow Rangers (26/22) ab 46. Dallas/ Leeds United (26/25), Brunt/West Bromwich Albion (32/62) - Norwood/FC Fulham (26/48), Davis/FC Southampton (32/98), Corry Evans/Blackburn Rovers (27/42) ab 80. Minute Saville/FC Millwall (24/1) - Josh Magennis/Charlton Athletic (27/32), Lafferty/Heart of Midlothian (30/66) ab 69. Washington/Queens Park Rangers (25/13). - Trainer: O'Neill

Deutschland: ter Stegen/FC Barcelona (25 Jahre/17 Länderspiele) - Kimmich/Bayern München (22/23), Boateng/Bayern München (29/68), Hummels/Bayern München (28/60), Plattenhardt/Hertha BSC (25/4) - Kroos/Real Madrid (27/79), Rudy/Bayern München (27/22) - Goretzka/Schalke 04 (22/11) ab 66. Can/FC Liverpool (23/17), Draxler/Paris St. Germain (24/38) ab 72. Sane/Manchester City (21/7)- Müller/Bayern München (28/88) ab 83. Stindl/Borussia Mönchengladbach (29/8), Wagner/1899 Hoffenheim (29/4). - Trainer: Löw

Schiedsrichter: Danny Makkelie (Niederlande)

Tore: 0:1 Rudy (2.), 0:2 Wagner (21.), 0:3 Kimmich (86.), 1:3 Magennis (90.+3)

Zuschauer: 18.104