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Nationalmannschaft | WM-Quali Löw: "Nordirland wird unser Finale"

Acht Spiele, acht Siege, beeindruckende 35:2 Tore - eine tolle Bilanz. Doch ein Schritt fehlt der deutschen Nationalmannschaft noch zur Qualifikation für die WM 2018 - und den will sie in Nordirland gehen. Am Donnerstag (20.45 Uhr) im Windsor Park von Belfast reicht der DFB-Auswahl schon ein Punkt fürs WM-Ticket.


Die Deutsche Mannschaft will allerdings nicht auf Remis spielen, sondern gewinnen, auch wenn der Respekt vor den nordirischen Abwehrspezialisten groß ist. "Es ist definitiv so etwas wie ein Finale für uns. Der Erste spielt gegen den Zweiten", blickte Bundestrainer Joachim Löw voraus. Der 57-Jährige erwartet eine schwierige Partie, in der die Nordiren mit ihren Fans im Rücken "möglicherweise sogar alles oder nichts spielen" werden, um vielleicht doch noch im Endspurt Gruppensieger zu werden.

Auch Abwehrspieler Mats Hummels vom FC Bayern erwartet "eine knackige Aufgabe", die aber unbedingt erfolgreich gelöst werden soll. "Für uns geht es um die endgültige Qualifikation für die WM. Die wollen wir hier klarmachen, nicht erst Sonntag", sagte er mit Blick auf den Qualifikations-Abschluss in Kaiserslautern gegen Aserbaidschan.


Hummels beruhigte auch, was die Verfassung der sechs Bayern-Spieler im DFB-Kader angeht. Alle seien "in einem ganz normalen mentalen und physischen Zustand", so der Weltmeister von 2014.

Boateng vor der Rückkehr

Das wird auch Löw gerne hören. Der DFB-Coach will trotz der Krise des deutschen Rekordmeisters auf einen Münchner Block setzen. Denn auch Jérôme Boateng soll nach einem Jahr Länderspielpause auf Anhieb ins Abwehrzentrum zurückkehren. "Jérôme hat mir in einem Gespräch signalisiert, dass er sich gut fühlt. Meine Idee ist, dass er von Anfang an spielt", sagte Löw: "Ich habe bei den Bayern-Spielern keine Nervosität oder Anspannung bemerkt."

Bereits der Empfang in Belfast war für die DFB-Auswahl "very british". Graue Wolken, Regenschauer, böiger Wind und gerade mal zwölf Grad stimmten Löw und seine 22 Spieler auf einen ungemütlichen Fußballabend ein. Leidenschaftliche Fans und ein hochmotivierter Gegner erwarten den Weltmeister. Und die Nationalelf ist nach der jüngsten Totalpleite der deutschen Vereine im Europapokal auch mal wieder gefordert, den Ruf des deutschen Fußball aufzupolieren. "Die Nationalmannschaft agiert auf Weltniveau", betonte Hummels.

Acht Siege in acht Quali-Spielen haben das unterstrichen. Und dass soll auch in Nordirland so bleiben. "Die Mission ist, dass wir alle Spiele gewinnen", kündigte Löws Co-Trainer Thomas Schneider an. Diese Aufgabe geht Deutschland ohne die verletzten Torjäger Timo Werner und Mario Gomez an. Thomas Müller und Lars Stindl sollen das Toreschießen übernehmen. Nordirlands Abwehrbollwerk zu knacken, wird die zentrale Aufgabe des DFB-Teams sein.

Nordirisches Abwehrbollwerk

"Sie haben sieben Mal zu Null gespielt. Sie haben wie wir in der gesamten Qualifikation nur zwei Gegentore bekommen - von uns", hob Löw hervor. Beim zähen 2:0 vor einem Jahr in Hannover trafen Julian Draxler und der diesmal fehlende Sami Khedira. Bei der EM 2016 quälte sich das DFB-Team auch nur zu einem 1:0.

Zwei Trainingseinheiten müssen Löw reichen, um die Mannschaft in kürzester Zeit auf den unangenehmen Gegner einzustellen. "Wir haben immer einen Stamm dabei gehabt, der weiß, wo es langgeht. Daher bin ich mir sicher, dass die Einheiten reichen", sagte Draxler. Die Weltmeister Hummels, Boateng, Kroos, Müller und Draxler bilden das Gerüst. Draxler glaubt, die Erfolgsformel zu kennen: "Wir müssen schnell spielen und unsere Chancen nutzen. Wenn wir frühzeitig auf das 1:0 gehen, werden wir die nötigen Punkte einsammeln."

Das WM-Ticket würde ihm und seinen Kollegen einen schönen Zahltag bescheren. 20.000 Euro zahlt der DFB pro Spiel und Spieler im Kader bei einer erfolgreichen Qualifikation. Die Torhüter ter Stegen und Bernd Leno sowie Dauerbrenner Joshua Kimmich würden die Maximalsumme von 200.000 Euro kassieren. Insgesamt müsste der DFB vier Millionen Euro an 36 Akteure ausschütten. Löws Assistent Schneider ist fest davon überzeugt, dass es so kommen wird: "Es ist eine schwierige, interessante Aufgabe gegen die Nordiren, die wir aber lösen werden."