Sven Hannawald mit Jacke im Schnee (Foto: IMAGO, Newspix)

Wintersport | Skispringen

Vom Schwarzwald in den Skisprung-Olymp: Sven Hannawald hofft auf Nachfolger

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Sven Hannawald hat als einziger Deutscher alle vier Springen bei der Vierschanzentournee gewonnen. 20 Jahre nach seinem Erfolg hofft der Hinterzartener auf einen Nachfolger und erinnert sich an seinen spektakulären Triumph.

6. Januar 2002 - in den Wohnzimmern Deutschlands rieseln die letzten Nadeln von den Weihnachtsbäumen, es gibt noch Reste vom Silvester-Raclette und die Skisprung-Fans fiebern dem letzten Springen der Vierschanzentournee entgegen. Eigentlich wie jedes Jahr, aber 2002 ist anders, denn Hannawald, der bereits die ersten drei Springen gewonnen hat, kann an diesem Tag Geschichte schreiben. "Flieg den Sieg nach Hause, Sven Hannawald", dröhnt um kurz vor 16 Uhr aus dem Fernseher.

Und dann heißt es Daumen drücken für Hannawald - nicht nur im Schwarzwald, wo er vom Hoffnungsträger zu einem der erfolgreichsten deutschen Skispringer heranwuchs. "Er hat es geschafft, der Mythos der Vierschanzentournee ist besiegt", ruft ARD-Kommentator Tom Bartels. Hannawald reckt die Arme in die Luft - nicht einmal zwei Meter Vorsprung hat er als Sieger dieses letzten Springens der Tournee am Ende. Als erster Athlet gewinnt Hannawald nacheinander alle vier Springen bei der bedeutenden Vierschanzentournee.

Endlich ein Nachfolger?

Das haben nach ihm zwar auch noch Kamil Stoch und Ryoyu Kobayashi geschafft, einem Springer aus dem deutschen Team aber ist der Grand Slam seitdem nicht mehr gelungen. "Ich freue mich seit Jahren darauf, endlich einen Nachfolger zu kriegen. Denn ich weiß als Deutscher, wie besonders es ist, bei so einer prestigeträchtigen Tournee ganz oben stehen zu dürfen", sagte Hannawald im Gespräch mit SWR3. "Leider hat es noch nicht geklappt. Irgendwas kam immer dazwischen."

Vielleicht auch deshalb ist der Hype um Hannawald selbst noch immer groß. Inzwischen ARD-Experte wollen die Fans noch immer ein Bild mit ihm, warten geduldig - auch als er vor dem Start der 70. Vierschanzentournee, die am 29. Dezember beginnt, noch einmal die Schanzen seiner Erfolge abfährt.

Das "Flirren" bei der Tournee

Es sei "irgendwie entspannter", sagt Hannawald . "Man kann es viel, viel mehr genießen. Damals war es Station für Station natürlich harte Arbeit. Aber jetzt einfach mal wieder zurückzukommen, gerade zum Jubiläum, ist immer ein schöner Moment." Die Vorfreude beim Hinterzartener ist riesig, auch wenn wegen der Corona-Pandemie keine Fans bei den Springen dabei sein dürfen. "Es ist ein Wettkampf, der in Ruhe stattfindet, aber jeder Springer wird die Aufregung, die Zuschauer mitbringen, herbei zaubern wollen", glaubt er.

Dem "Flirren", wie Hannawald die besondere Atmosphäre während der Tournee beschreibt, wäre er damals gern entkommen und rettete sich verbal in Interviews nur allzu oft mit "Ich mache mein Zeug". Der Druck war trotz oder gerade wegen der Erfolge enorm. Nach dem historischen Vierfachsieg, dem Team-Olympiasieg und Einzel-Silber in Salt Lake City wirkte Hannawald am Höhepunkt seines Sportlerlebens. Kollege Martin Schmitt erinnert sich an  Fans, die in der Kälte Windeln trugen und die beiden Schanzenstars feierten wie sonst nur Boygroups.

Schwarzwälder Schmitt: "Das war eine verrückte Zeit"

"Natürlich kenne ich die Geschichten, ich war ja dabei. Das war eine ganz verrückte Zeit. Da war so viel los an den Schanzen, vor unserem Hotel, überall an den Wettkampfstätten. Da war eine riesige Begeisterung um uns", erinnert sich der Schwarzwälder. Hannawald aber erlebte nicht nur Begeisterung "Ich habe für den Jugendtraum des kleinen Sven alles gegeben, über viele Jahre, teilweise Jahrzehnte. Das hat am Ende gekostet. Aber mir ist wichtiger, dass ich den Traum erfüllen konnte und zwar, die Tournee zu gewinnen», sagt er.

Nach einem Burnout 2005 beendete er seine Karriere. Die Liebe zum Skispringen aber ist geblieben - wenn auch nicht mehr auf, sondern am Mikro an der Schanze. "Ich freu mich unglaublich, dass es endlich losgeht", so Hannawald. Und vielleicht tritt in diesem Jahr ja ein Deutscher seine Nachfolge an, Karl Geiger etwa. "Ich hoffe es", verrät der Hinterzartener. "Beim 20-jährigen Jubiläum. Das wäre auch für die Medien schön zu schreiben und ich würde mich unheimlich freuen. Und dann wäre der Jubel in den Wohnzimmer sicher wieder so groß wie einst bei Sven Hannawald.

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SWR

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