Skispringerin Carina Vogt vom SC Degenfeld.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Olympische Winterspiele in Peking

Carina Vogt - eine Olympiasiegerin als Zwangszuschauerin

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Inken Pallas

Skispringerin Carina Vogt wird 30. Ihren Geburtstag hätte sie gerne bei den Olympischen Spielen gefeiert, Verletzungen haben das verhindert. Doch die Pause war auch ein Segen.

Ihren runden Geburtstag (Sa., 5.2.) wollte sie endlich mal richtig feiern, wenn mitten in der Skisprung-Saison kein sportlicher Einsatz ist. Aber erstens sind Corona-Zeiten und zweitens will Carina Vogt doch noch vor dem Fernseher sitzen und sich das Olympische Skispringen der Kolleginnen und Konkurrentinnen in Peking angucken. Zugucken allerdings, nicht dabei zu sein, das tut schon ein bisschen weh, gibt Vogt zu.

Verletzungspech: Olympia ohne die Sotschi-Siegerin Vogt

Es war ihr großes Ziel, wieder bei Olympia dabei zu sein. Nach Sotschi 2014 und Pyeongchang 2018 wäre es das dritte Mal gewesen. Doch es war relativ schnell klar, dass es schwierig würde. Die Skispringerin vom SC Degenfeld riss sich 2019 das Kreuzband, fiel die gesamte Saison aus. Nach ihrer Rückkehr warfen sie ein Außenbandriss im Sprunggelenk und eine geplatzte Zyste im Knie zweimal zurück. Sie hat es deshalb nicht geschafft, sich für Peking zu qualifizieren - und während ihrer Verletzungspausen hatte sie reichlich Zeit, sich mit dem Gedanken abzufinden, die Spiele zu verpassen.

Vogts historisches Gold bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014

Am 11. Februar 2014 schrieb Carina Vogt im russischen Sotschi Skisprung-Geschichte: Sie gewann als erste Skispringerin Gold bei Olympischen Winterspielen. Eine Außenseiterin aus Schwäbisch Gmünd, die noch nie einen Weltcup gewinnen konnte, überraschte Experten, Zuschauer und sich selbst. Sprachlos, tränenüberströmt, glücklich, aber auch ein bisschen überfordert, nicht nur an diesem Abend, auch bei den Empfängen und Terminen in den Wochen danach.

"Damals war ich 22 Jahre und relativ schüchtern, hab so einen großen Trubel noch nie erlebt. Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen."

"Ich hab mich tatsächlich relativ schwer getan, das zu genießen. Im Nachhinein hab ich mir gewünscht, dass ich so langsam hineingewachsen wäre, also erst ein Weltcup-Sieg, dann ein WM-Erfolg und als Krönung den Olympiasieg. Bei mir war es genau andersrum, aber das ist halt auch meine Geschichte. Und hergeben möchte ich den Olympiasieg trotzdem nicht."

Carina Vogt hat die Liebe zum Sport wiedergefunden

Seit drei Jahren wohnt sie am Chiemsee. Bei Spaziergängen mit Hund Thyson entspannt sie sich. Carina Vogt lacht, macht Scherze über damals und über heute. Dass ihr derzeitiges Skispringerinnenleben ganz schön schwierig ist, dass es nach den langen Verletzungspausen mühsam ist, an alte Leistungen anzuknüpfen, damit wird sie fertig. Aufhören kommt auch mit 30 Jahren nicht in Frage. Sie hat ein Ziel - und das hat nichts mit Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen oder Podestplätzen im Weltcup zu tun: Carina Vogt will einfach wieder "cool springen", dass es sich wieder gut anfühlt zu fliegen, dass sie die Sprünge wieder genießen kann. Deshalb arbeitet sie fleißig und motiviert weiter. Körper und Kopf sind gefordert - und da ergeben selbst die schwierigen Zeiten einen Sinn.

"Es war irgendwie auch ein Segen, dass ich die Liebe zum Sport wiedergefunden habe."

Durch die Verletzungen, durch die Pausen, habe sie die Liebe zu diesem Sport wiedergefunden. Deshalb freue sie sich über jeden Tag, an dem sie Skispringen darf.

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