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Der 11. Februar 2014 ging in die Geschichtsbücher des Sports ein. Carina Vogt aus Degenfeld gewann an einem denkwürdigen Abend als erste Skispringerin Gold bei Olympischen Winterspielen.

Carina Vogt kauerte eine gefühlte Ewigkeit im Auslauf der kleinen RusSki-Gorki-Schanze. Bang blickte sie auf die Videoleinwand, sie wusste, den zweiten Sprung hatte sie nicht perfekt erwischt. "Die Sekunden waren schrecklich. Ich habe gehofft, dass es noch für eine Medaille reicht, aber nie damit gerechnet. Als dann die Eins aufleuchte, konnte ich es nicht fassen", sagte Vogt, die an jenem 11. Februar 2014 in Sotschi Sportgeschichte geschrieben hatte.

Als erste Skispringerin wurde die 22 Jahre alte Polizeiobermeisterin aus Degenfeld (Ortsteil von Schwäbisch Gmünd) Olympiasiegerin. Es wird eine der größten deutschen Überraschungen bei Winterspielen bleiben. "Auf eine Medaille hatte ich gehofft. Aber Gold? Ich habe bisher noch keinen Weltcup und nichts gewonnen", sagte Vogt an jenem denkwürdigen Abend.

Ein Sieg gegen das Vorurteil

Dass Vogt überhaupt auf olympischer Bühne antreten konnte, war keine Selbstverständlichkeit. Funktionsträger im Weltverband hatten sich dem Frauen-Skispringen lange in finster-patriarchalischem Duktus verwehrt. Gian-Franco Kasper, FIS-Präsident und IOC-Mitglied, zeigte sich besorgt, dass es Skispringerinnen "bei der Landung die Gebärmutter zerfetzen" könnte. Alexander Arefijew, Trainer der russischen Skispringer, schwadronierte, dass Frauen "einen anderen Zweck" hätten: "Kinder bekommen, Hausarbeit und sich um die Familie kümmern."

Gut, dass dies die Pionierinnen des Springens wiederum wenig kümmerte. Die Österreicherin Daniela Iraschko-Stolz beispielsweise, in Sotschi hauchdünn hinter Vogt Silbermedaillengewinnerin, oder auch Ulrike Gräßler, die erste deutsche Weltklassespringerin, hatten für den Stellenwert der jungen Sparte gekämpft. Kanadische Athletinnen waren gar vor ein Zivilgericht gezogen, um die Aufnahme des Frauen-Skispringens ins Olympia-Programm 2010 zu erreichen. Vergeblich.

Vogt dankt ihren Vorkämpferinnen

Vogt aber wusste, als sie vier Jahre später die Früchte dieses Kampfes um Gleichberechtigung erntete, was sie den Vorkämpferinnen zu verdanken hatte. "Sie können stolz darauf sein, was sie erreicht haben", sagte sie in Sotschi. Was Vogt selbst erreicht hatte, formulierte Andreas Bauer, damals wie heute der deutsche Bundestrainer, als sich Vogt ("Da müssen mich noch 50 bis 100 Leute kneifen") am Abend nach dem Triumph noch in einem schönen Traum wähnte. "Das war ein historischer Sieg", sagte Bauer: "Das wird immer in den Geschichtsbüchern geschrieben stehen: Die erste Olympiasiegerin im Skispringen heißt Carina Vogt."

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