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Anna Rupprecht kann sich das Lächeln kaum verkneifen. Nach ihrem überraschenden WM-Gold im Mixed-Team verrät die Skispringerin vom SC Degenfeld, wie sie sich nach vielen Rückschlägen den größten Erfolg ihrer Karriere sichern konnte.

Selbstbewusst und vom Sensationsgold mit einem Lächeln gezeichnet, fühlt sich Anna Rupprecht sichtlich wohl, während sie SWR Sport von ihrem Durchbruch in die Weltspitze berichtet. Dass am nächsten Tag in Oberstdorf bereits das Einzelspringen von der Großschanze auf sie wartet, ist der sympathischen 24-Jährigen kaum anzumerken.

Goldmedaille größter Erfolg in Rupprechts Karriere

Mittendrin im DSV-Team um Katharina Althaus, Markus Eisenbichler und Karl Geiger hatte sich Anna Rupprecht aus Schwäbisch Gmünd am Sonntag die Goldmedaille ersprungen. Mit einem starken zweiten Durchgang (98,5 Meter) trug Rupprecht entscheidend zum Titelgewinn des Mixed-Teams bei und feierte mit diesem Erfolg das beste Ergebnis ihrer Karriere. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mit einer Medaille nach Hause fahre", so Rupprecht nach dem grandiosen Erfolg im Gespräch mit SWR Sport. Mit der richtigen mentalen Balance aus Konzentration und Lockerheit konnte Rupprecht im Wettkampf die taktischen Anweisungen des Trainers umsetzen. Sie wusste nach dem ersten Durchgang genau, was sie zu tun habe, und dachte sich: "Dann mache ich das jetzt doch mal".

Harter Kampf durch lange Verletzungsmisere

Was so locker und entspannt klingt, sind die Früchte monatelanger harter Arbeit und vieler Rückschläge. Denn der Erfolg ist umso höher einzuschätzen, wenn man bedenkt, dass Rupprecht in der Saison 2019/2020 an einer schweren Knieverletzung (Meniskusriss und Knorpelschaden) laborierte. Über zehn Monate dauerte die Reha und fast nochmal ein Jahr, bis Anna Rupprecht wieder in Top-Form kam. Die Zweifel wurden größer, "wofür man die ganze Schufterei überhaupt noch macht". Der Kader-Status wackelte, die Leistungen im Sommer 2020 waren - Zitat Rupprecht - "grottenschlecht" und der Weg zurück von Rückschlägen gezeichnet.

Trotzdem hat sich Anna Rupprecht nicht aufgegeben, die Zeit genutzt, um ihre Karriere bei der Bundespolizei voranzutreiben, und sich immer klar gemacht, "dass der Sport nicht alles ist" und sie auch im Berufsleben ein "erfüllendes Standbein" hat. Ein gutes Körpergefühl und viele schweißtreibende Trainingseinheiten brachten Rupprecht wieder in die Ski-Spur. Die Goldmedaille also Balsam für die geschundene Sportlerseele. So sieht man das bei ihrem Heimatverein, dem SC Degenfeld: "Dieser Sieg ist hart erkämpft und vollkommen verdient", so der aktuelle Stützpunkttrainer Markus Rohde.

Die Talentschmiede SC Degenfeld

Wirft man einen Blick auf Anna Rupprechts Heimatverein, den SC Degenfeld, so denkt man sofort an die Olympiasiegerin Carina Vogt. Sie hat den Verein und das Frauen-Skispringen mit dem ersten Olympiagold, das in dieser Disziplin 2014 in Sotschi überhaupt vergeben wurde, bekannt gemacht. Trotz einer intensiven Nachwuchsarbeit des SC Degenfeld bietet die Gegend um Schwäbisch Gmünd alles andere als ideale Wintersport-Bedingungen. Selten liegt dort ausreichend Schnee und die beiden Mattenschanzen am Rande der Ostalb bieten keine ausreichenden Höhen für die Profi-Springer. Ein klares Erfolgsgeheimnis kann Trainer Rohde nicht ausmachen: "Wer oben ankommt, das ist immer auch eine individuelle Sache." Trotzdem hat der SC schon viele gute Skispringer und Springerinnen hervorgebracht.

"Was unseren Verein auszeichnet, ist ein freundschaftliches und lockeres Verhältnis zu unseren Sportlern"

Markus Rohde (Stützpunkttrainer SC Degenfeld)

Über den skibegeisterten Vater und die Mattenschanzen beim SC Degenfeld fand Anna Rupprecht den Einstieg ins Skispringen. "Es ist einfach ein unvergleichbares Gefühl" von der Schanze zu fliegen und sich dabei technisch und körperlich an seine Grenzen zu bringen, erzählt die neue Weltmeisterin. Schnell ging es für Rupprecht steil bergauf: Über den Heimatclub Degenfeld (bei ihrem ersten Trainer Thomas Aubele) wechselte sie nach dem Realschulabschluss ins Internat an den Bundesstützpunkt nach Oberstdorf. Nach bestandenem Abitur ist sie seit 2016 bei der Bundespolizei in Bad Endorf, die ihr dort eine duale Karriere ermöglicht.

Vorsichtiger Blick Richtung Olympia

Anna Rupprecht ist mit 24 Jahren noch lange nicht am Ende ihrer Karriere und möchte weiter hart an ihrer Form arbeiten. Das wichtigste sei es, verletzungsfrei zu bleiben. Auch wenn ein kleiner Blick bereits Richtung Olympia geht, möchte sie sich zuerst auf die aktuelle Saison konzentrieren und "den Sommer gut beenden".

"In mir liegt noch so viel Potenzial. Ich muss nur weiter hart arbeiten und gewieft sein, was die Technik angeht."

Anna Rupprecht (Skispringerin SC Degenfeld)

Darüber hinaus hat Anna Rupprecht noch einige Ideen, wie sie ihre Technik weiter verbessern und noch größere Weiten ins Auge fassen kann. Dann wird das Team-Gold womöglich nur ein Vorbote für weitere Höhenflüge der schlagfertigen Skispringerin aus dem Ostalbkreis sein.

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