Karl Geiger kniet mit seiner Silbermedaille um den Hals bei der Siegerehrung.  (Foto: Imago, imago images / Beautiful Sports)

Mein Sportmoment 2019 Karl Geigers Jubel für Eisenbichler

AUTOR/IN

Das Sportjahr 2019 hatte viele großartige Momente. Beispielsweise den Weltmeistertitel von Malaika Mihambo oder die Turn-WM in Stuttgart. Doch für mich sticht ein Moment heraus, in dem der Protagonist gerade eine Goldmedaille verloren hatte.

In Erinnerung bleibt die nordische Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld wohl hauptsächlich wegen des Dopingskandals um mehrere Langläufer. Doch abseits dieses dominierenden Themas war es eine sportlich erfolgreiche WM. Südwest-Athleten wie Fabian Rießle (Gold im Teamsprint, Silber mit dem Team), Carina Vogt (Gold im Team- und Mixed-Team) oder Stephan Leyhe (Gold im Teamspringen) holten Medaillen und trugen zur positiven deutschen Bilanz bei.

Mein Moment der WM war jedoch ein anderer. Kein Südwest-Moment und auch nicht die Sekunden, in denen ein Sieg errungen wurde.

Vor dem zweiten Durchgang

Bei der Weltmeisterschaft wurde das Skispringen der Männer von der Großschanze am traditionsreichen Bergisel in Innsbruck ausgetragen. Die deutschen Athleten, allen voran Karl Geiger und Markus Eisenbichler, hatten sich bereits im Training und in der Qualifikation in sehr guter Form gezeigt.

Am Wettkampftag lag der Schweizer Kilian Peier nach dem ersten Durchgang in Führung. Die Plätze zwei und drei belegten Markus Eisenbichler und Ryoyu Kobayashi. Karl Geiger war mit nur 0,1 Punkten Rückstand auf den Japaner Vierter - eine gute Ausgangslage für den zweiten Durchgang.

Der entscheidende Sprung

In diesem bestätigte Geiger seine Klasse. Mit 130,5 Metern ging er deutlich in Führung. Kobayashi verlor vier Meter auf Geiger. Damit war eine Medaille für Geiger sicher, es hätte sogar Gold werden können.

Dann folgte mein Sport-Highlight des Jahres: Geigers Teamkamerad Markus Eisenbichler saß oben auf dem Balken, fuhr an, sprang ab und landete erst nach 135,5 Metern. Damit hatte er Geigers Führung übertroffen. Aber Karl Geiger war in diesem Moment nicht enttäuscht. Er riss nach Eisenbichlers Landung jubelnd die Arme hoch und brüllte seine Freude über Eisenbichlers herausragenden Sprung heraus. Dabei hatte Geiger gerade eine mögliche Goldmedaille verloren - doch das war ihm allen Anschein nach, zumindest in diesem Moment, völlig egal.

Dauer

Am Ende siegte tatsächlich Eisenbichler. Karl Geiger gewann Silber und Kilian Peier landete auf dem Bronzerang. Im Interview war Geiger immer noch überwältigt: "Ich glaube, ich habe mir die Seele aus dem Leib geschrien, als der Eisei runter gesprungen ist. Einfach nur genial."

Dauer

Ein Zeichen von Teamgeist

Karl Geigers Jubel bleibt mein sportliches Highlight, weil es der klassischen Dynamik im Profisport widerspricht. Natürlich sind Einzelsportler nicht immer Egoisten, sondern freuen sich auch mal für andere. Aber um zu den Besten in einer Sportart zu gehören, muss man ehrgeizig sein. Man muss gewinnen wollen. Sich dann bei einer WM, ohne groß darüber nachzudenken, ehrlich für einen Teamkollegen mitzufreuen, zeugt meiner Meinung nach nicht nur von gutem Teamgeist, sondern auch von einem gutem Charakter.

Happy End für Karl Geiger

Für Geiger blieb es eine erfolgreiche Weltmeisterschaft. Er gewann noch zweimal Gold: im Teamspringen und mit dem Mixed-Team. Trotzdem ist dieser Moment ehrlicher Freude mein Sport-Highlight 2019.

AUTOR/IN
STAND