Wintersport | Freestyle

Sophie und Hanna Weese: Auf dem Sprung zu den Olympischen Spielen

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AUTOR/IN
Falk Böckheler

Die Freestylerinnen Sophie und Hanna Weese (Wiesloch) kämpfen um ein Ticket für die Olympischen Winterspiele in Peking. In den kommenden vier Weltcup-Rennen wollen sie die Qualifikation schaffen.

Jetzt ist Perfektion gefordert. Ein letzter Check, ob alles sitzt, der Mundschutz wird eingesetzt. Zwei Stampfer in den Boden und zwei Klopfer auf die Oberschenkel. Die Blutzirkulation der Muskeln muss schnell in Gang gebracht werden. Maximale Konzentration. Was nun kommt, kann über das Ticket für die Olympischen Spiele entscheiden.

"Wir müssen auf den Punkt funktionieren."

Der Start bei diesem Freestyle Mogul Worldcup-Rennen ist wie viele andere auch. Alle Abläufe sind einstudiert. Hanna (20) und Sophie (22) Weese wissen genau: "Wir haben diese eine Fahrt, und wenn wir da einen Fehler machen, lassen die Kampfrichter uns das direkt spüren", sagt Sophie. Drei Abschnitte einer Buckelpiste, nur unterteilt durch zwei riesige Schanzen, liegen vor den Schwestern aus Heidelberg.

Wie wird bewertet?

Die Zeit ist nicht unbedingt der entscheidende Faktor bei der Wertung. Sie zählt - ebenso wie die Ausführung der Sprünge - nur jeweils ein Fünftel für die Wertung. Die Sprünge werden von zwei Kampfrichtern bewertet. Viel wichtiger aber ist die Technik in den Hügeln. Sie fließt mit 60 Prozent als größter Faktor in die entscheidende Punktezahl ein. Fünf der insgesamt sieben Kampfrichter achten nur auf die technische Ausführung. Der Rhythmus muss stimmen, Bremsschwünge sind unerwünscht. Deshalb haben die Schwestern in den Tagen vor dem Rennen den Kurs genauestens inspiziert - im Rutschen.

Früh übt sich...

So rutschend, wie sie bereits mit drei Jahren gemeinsam mit ihren beiden Eltern unterwegs waren. Klaus und Gebriele Weese waren schon vor der Geburt ihrer Kinder bei Olympischen Spielen dabei - ebenfalls im Freestyle. Klar, dass die Kinder in ihre Fußstapfen treten würden. "Die Eltern haben schon früher Mannschaften im Skiclub Wiesloch trainiert. Mit denen waren wir dann immer unterwegs", erinnert sich Hanna an die Anfänge ihrer Karriere.

Mit zehn schnupperten die Schwestern ihre erste Wettkampfluft. "Die Grundlage für eine solche Karriere bekommt man in die Wiege gelegt", sagt Trainerin Anja Bolbjerk. Deswegen sei es nicht ungewöhnlich, Geschwister auf diesem sportlichen Niveau anzutreffen. Auch Nicolas, der Jüngste, fährt im Europacup Freestyle.

Verletzungen gehören dazu

Nach dem ersten Teil der Buckelpiste kommt dann der erste Sprung. Hier ist es wichtig, den Trick in der Luft sauber zu zeigen. Vor allem kommt es auf eine perfekte Landung an. Stimmt diese nicht, können die ersten Schwünge in den Hügeln nicht wie geplant platziert werden. Rhythmusverlust bedeutet Punktverlust. Im unebenen Abschnitt, der nun folgt, müssen die Athletinnen enorm fokussiert bleiben.

Sophie erinnert sich an ihre Verletzung vor fast zwei Jahren. Eine kleine Unachtsamkeit in den Hügeln setzte sie in Japan kurz vor dem Start des Rennens außer Gefecht. Die bittere Diagnose: Kreuzbandriss - ausgerechnet am Wettkampftag. Doch sie kämpfte sich innerhalb eines Jahres zurück. Im vergangenem Jahr konnten die Schwestern dann jeweils eine Goldmedaille im Europacup gewinnen. Angst vor Verletzungen hat Hanna nicht: "Das Stürzen lernt man auch irgendwo."

"Wir wollen nicht wissen, wie es bei der anderen gelaufen ist. Man weiß nie, was passiert.“

Zwischen den Rennen trainieren die Schwestern am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar. Im Sommer üben sie an einer Schanze am Wasser. Permanent im Schnee trainieren - dazu ist der finanzielle und zeitliche Aufwand zu groß. Außerdem nimmt Hannas Architekturstudium in München und Sophies Lehramtsstudium (Sport und Biologie) in Tübingen viel Zeit in Anspruch.

Die intensive Zeit vor dem Wettkampf

Das Trainingspensum ist hart. Zwei Einheiten am Tag mit jeweils fünf bis sechs Fahrten. Dazu dehnen, auslaufen und regenerieren im eiskalten Flusswasser, um die Muskeln für den nächsten Tag wieder fit zu machen. Abschließend noch eine Videoanalyse, sie erschöpft ins Bett fallen. "Da schläft man gut", lacht Sophie. Diese Erholung ist wichtig. "Das ist ein sehr komplexer Sport", berichtet Trainerin Bolbjerg. "Alles muss am Limit sein. Sonst bist du nicht unter den Top Ten".

Die Chance auf Olympia

Über seine eigenen Grenzen herauswachsen ist für eine Teilnahme an Olympia notwendig. Bolbjerg ist guter Dinge. "Sie müssen den perfekten Lauf fahren", sagt sie und fügt schmunzelnd hinzu: "Glücklicherweise machen sie das manchmal." Für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking fehlen den Schwestern noch zwei Platzierungen unter den Top 15 oder ein Rang unter den Top 8. Beide müssen sich noch steigern, um ihr Ticket nach Peking zu lösen.

In vier Rennen haben die Schwestern noch die Möglichkeit, um die benötigten Punkte einzufahren. "Das ist definitiv unser Ziel", sagt Sophie. "Das schaffen wir!" ergänzt Hanna, "und wenn nicht in diesem Jahr, dann halt in vier Jahren."

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Falk Böckheler

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