Zieleinlauf Fabian Rießle (Foto: Imago, imago/Sammy Minkoff)

Wintersport | Nordische Kombination Fabian Rießle und das etwas andere erste Mal

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Eigentlich ist er ja Nordischer Kombinierer. Aber an diesem Wochenende gibt Fabian Rießle sein Debüt im Langlauf-Weltcup. Eine Ehre ja, aber kein Zukunftsprojekt.

Stell Dir vor, du gehst fremd und deine Freundin ist dabei. So ungefähr sieht das Schneewochenende für Team-Olympiasieger Fabian Rießle aus. Der Nordische Kombinierer startet beim Langlauf-Weltcup in Davos (15./16.12). Und natürlich ist Freundin Sandra Ringwald dabei, denn sie ist die Langlauf-Spezialistin.

Mehr Spaß als Pflicht

"Das ist zwar cool, dass wir hier zusammen sind, aber ich habe ihr schon gesagt, dass sie mit freiem Kopf an den Start gehen soll und nicht nach ihrem Kombi-Freund schauen muss", sagt Rießle und lacht entspannt. Denn für ihn ist dieser Ausflug in den Langlauf-Weltcup mehr Spaß als Pflicht. Bei den Nordischen Kombinierern ist wettkampffrei. Gleichzeitig hat Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder verletzungsbedingt zwei Plätze frei.

"Eine Ehre dabei zu sein!"

Langlauf-Bundestrainer Schlickenrieder soll schon im Sommer mit Kombinations-Bundestrainer Hermann Weinbuch über einen disziplinübergreifenden Austausch gesprochen haben. Im Auge hatte er dabei auch Fabian Rießle. "Das kann natürlich nicht jeder Kombinierer von sich behaupten, schon mal beim Langlauf-Weltcup dabei gewesen zu sein. Das ist für mich schon ein Privileg", sagt Rießle nicht ganz ohne Stolz.

Gemeinsam mit Rießle macht Kombinations-Kollege Johannes Rydzek den Ausflug zu den Langläufern. Aber die beiden sind nicht die ersten "Überläufer". Die Biathleten Arnd Peiffer und Erik Lesser gingen sogar bei Olympia 2014 über 50 Kilomter an den Start. Rießle sitzt normalerweise erst einmal oben auf der Sprungschanze. Legt dort die Basis für eine gutes Ergebnis, bevor er in der Loipe den Wettkampf komplett macht. Wind und Wetter können beim Springen schon mal für Chaos sorgen. Oder die Nerven? "Angst, dass man mit dem Springen den Wettkampf vergeigt, hat man eh nicht", sagt Rießle, also sei ein reiner Langlauf-Weltcup jetzt auch nicht entspannter oder anders als ein normaler Wettkampf.

Ehrgeiz ja - Überlaufen nein

Fabian Rießle gilt als guter Langläufer unter den Kombinierern. Trotzdem ist ein Wettkampf mit Spezialisten eine besondere Herausforderung. Womit wir wieder bei Freundin Sandra Ringwald sind. Sie hatte sich am vergangenen Wochenende in Lillehammer als erste Deutsche Athletin für die WM im Februar qualifiziert. Sie ist die Spezialistin. Und Rießles persönliche Beraterin für dieses Wochendende: "Ich habe sie schon ein bisschen augequetscht, wie so ein Sprint abläuft", denn diese schnellen Starts mit der Zeitmessung "kennen wir in der Nordischen Kombination nicht."

Im Sprint muss Fabian Rießle erst einmal in einem Qualifikationslauf über 1,6 Kilometer unter die 30 zeitschnellsten kommen. Nur dann läuft er in der nächsten Runde weiter mit. "Ich habe mir da schon den ein oder anderen Tipp geholt", sagt Rießle. Wie gut er zugehört hat, das wird der Wettkampf in Davos zeigen. Sorgen machen, dass ein Erfolg dort ihn zum dauerhaften Überläufer macht, muss man sich aber trotzdem nicht: "Ich mach die Kombination, weil es so zwei unterschiedliche Sportarten sind. Ich bleibe auf jeden Fall der Kombination treu, das steht ganz klar fest!"

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