Mann steht vor einem Holzregal, dort hängen alte Trikotnummern. (Foto: picture alliance / dpa / Patrick Seeger)

Geburtstag

Georg Thoma: Der "schnellste Briefträger der Welt" wurde 85

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Der "Hirtenbub" Georg Thoma wurde 1960 zur Legende, als er Olympia-Gold in der Nordischen Kombination gewann. Am Samstag feierte "Jörgle" im Skimuseum seinen 85. Geburtstag.

Seinen Ehrentag verbrachte Georg Thoma ganz stilecht im Schwarzwälder Skimuseum in Hinterzarten, wo auch sonst? Als Geburtstagsgeschenk hat der Förderkreis eine neue Ausstellung unter dem Motto "Georg Thomas Fotoalbum" konzipiert. Zu sehen sind bislang nicht gezeigte Fotos und Gegenstände aus der prall gefüllten Schatzkammer des Jubilars.

Der Radiobeitrag über Georg Thomas Geburtstagsfeier:

"Diese Lobhudelei habe ich noch nie gemocht."

Gekommen waren neben Georg Thoma auch die Trachtenkapelle Hinterzarten - und natürlich Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch. "Der Name Georg Thoma hat den Schwarzwald erst richtig bekanntgemacht und den Tourismus ins Laufen gebracht", sagte Tatsch. Der Jubilar hatte auf lange Reden aber eigentlich gar keine Lust. "Diese Lobhudelei habe ich noch nie gemocht", sagt Thoma gerne und klingt dabei noch immer wie der "Jörgle" aus dem Schwarzwald, der er einmal war.

Georg Thoma feierte seinen 85. Geburtstag im Schwarzwälder Skimuseum in Hinterzarten (Foto: SWR, Sebastian Bargon)
Georg Thoma und Gundolf Fleischer (re.), Präsident des Badischen Sportbunds, der ebenfalls zur Geburtstagsfeier erschienen ist Sebastian Bargon

Thoma wird Olympiasieger 1960

Dann kam der 22. Februar 1960, an dem das Leben des Postboten aus Hinterzarten im fernen Kalifornien auf den Kopf gestellt wurde. "Ich war doch nur ein Hirtenbub. Und plötzlich wollte jeder ein Foto mit dem Mann aus dem Black Forest", sagte Thoma einmal.

Der Rummel war verständlich: Seit 1924 hatten Skandinavier bei Olympia stets Gold und Silber in der Kombination gewonnen. Nun siegte in Squaw Valley ein 22-Jähriger, den niemand auf der Rechnung hatte. Auch nicht nach der Führung beim Springen, denn auf der Schanze war Georg Thoma Spezialist - wie später sein Neffe Dieter. Doch dann läuft "Jörgle" das "Rennen meines Lebens".

Georg Thoma feierte seinen 85. Geburtstag im Schwarzwälder Skimuseum in Hinterzarten (Foto: SWR, Sebastian Bargon)
Georg Thomas Pokale sind alle im Schwarzwälder Skimuseum in Hinterzarten ausgestellt Sebastian Bargon

Sportler des Jahres 1960: Georg Thoma setzt sich gegen Armin Hary durch

Damals gelten die Kombinierer noch als die Könige des Wintersports. Deshalb wird Georg Thoma auch 1960 Deutschlands Sportler des Jahres, nicht etwa Armin Hary, der Olympiasieger und Weltrekordler über 100 Meter. In Hinterzarten wächst der Rummel um Thoma, Fans und Touristen wollen plötzlich ein Foto mit dem "schnellsten Briefträger der Welt".

Vorausgegangen waren harte Jahre. "Schwarzwald-Kenianer" wird Thoma manchmal genannt, weil er wie afrikanische Leichtathleten seine Ausdauer auf dem Schulweg erlangte. Als Zehnjähriger muss er auf dem abgelegenen Wunderlehof als Hirtenjunge arbeiten, sein Vater kann nicht alle sieben Kinder durchfüttern. Zwölf Kilometer absolviert der kleine Schorsch jeden Tag nach der Stallarbeit - im Sommer barfuß, im Winter auf Ski.

Weltmeister, Fahnenträger, Tennislehrer

Die vielen Erfolge sind die Belohnung: Vier Jahre nach dem Olympiasieg trägt Thoma in Innsbruck die deutsche Fahne und wird Dritter, 1966 in Oslo Weltmeister. Nach seiner Karriere quittiert Thoma 1971 den Postdienst, ist 20 Jahre Tennislehrer und lebt glücklich mit seiner Annemarie in Hinterzarten. Trauzeuge war Fußball-Idol Fritz Walter, Spielführer der deutschen Weltmeister-Elf von 1954.

Georg Thoma feierte seinen 85. Geburtstag im Schwarzwälder Skimuseum in Hinterzarten (Foto: SWR, Sebastian Bargon)
Im Schwarzwälder Skimuseum feierte Thoma seinen 82. Geburtstag Sebastian Bargon

Im Skimuseum Hinterzarten ist dem berühmten Sohn ein eigener Raum gewidmet, die Georg-Thoma-Stube. Dort hängen seine ersten Holzlatten, aber auch die von der Oma gestrickten Handschuhe, die er beim Sieg in Squaw Valley trug. Besonders stolz ist Thoma auf "den Königspokal vom König aus Norwegen, den habe ich dreimal gewonnen. Dann habe ich einmal den Schwarzwälder hundert Kilometer Rucksacklauf gewonnen. Ich habe heute noch den Rekord. Und das sind für mich so tolle Erlebnisse", sagt Georg Thoma. Ein passenderer Ort wäre für einen 85. Geburtstag kaum vorstellbar.

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