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Ex-Biathlon-Star Simone Hye-Soon Hauswald aus Gosheim ist Tochter einer Südkoreanerin und eines Deutschen. Südkorea gilt in diesen Tagen (neben Taiwan) als Vorbild für den Umgang mit der Coronakrise.

Auf den ersten Blick wirkt die Zahl dramatisch: 8.413 Corona-Fälle hatte Südkorea bis Mittwoch Vormittag bei 51 Millionen Einwohnern registriert. Damit zählt das Land zu den weltweiten Spitzenreitern. Betrachtet man die Daten genauer, beinhalten sie aber auch eine Botschaft, die unter den gegeben Umständen Hoffnung macht: Es hat dort gut 65 Tage gedauert, bis sich die Zahl verdoppelt hat. Zum Vergleich: In Deutschland oder in den USA verdoppeln sich die Zahlen der Fälle innerhalb von 3,5 Tagen.

Südkorea reagierte enorm schnell auf das Virus, nutzte effizient das verfügbare Datenmaterial und versorgte die Bevölkerung, etwa durch regelmäßige Pressekonferenzen, transparent mit viel Informationen.

Disziplinierte Bevölkerung

"Bei meiner Familie in Südkorea ist alles in Ordnung", zeigt sich Simone Hauswald im Gespräch mit SWR Sport erleichtert: "Meine Tante befindet sich in einer Tagespflege-Einrichtung. Wenn die Menschen dort ein- und ausgehen, wird immer Temperatur gemessen, die Hygienemaßnahmen sind erhöht worden. Mein Onkel geht als leidenschaftlicher Golfspieler immer noch auf den Golfplatz." Alle Sportveranstaltungen im Land sind abgesagt. 

Die Südkoreaner tragen alle - ohne Ausnahme - Mundschutzmasken und wechseln diese regelmäßig. "Jeder hält sich an die Vorsichtsmaßnahmen: Hände waschen, desinfizieren, Mundschutz tragen", so Hauswald.

Wettbewerbsgedanke trotz Krise

In Südkorea bleibt das öffentliche Leben zu weiten Teilen aufrecht. "Die Menschen meiden allerdings die öffentlichen Verkehrsmittel, steigen auf Autos um", erzählt Hauswald: "Essen gibt es genug. Bei meiner Cousine in der südöstlichen Provinz Joenju gibt es auch keinerlei Anzeichen von Hamsterkäufen."

Sorgen bereitet der 40-Jährigen, die 2010 bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver zwei Bronzemedaillen gewann, die extreme Leistungsorientiertheit in Südkorea. Diese macht auch vor dem Corona-Virus nicht Halt. Während die Kindergärten und Schulen für mehrere Wochen geschlossen sind, schicken viele Eltern ihre Kinder nachmittags auf private Schulförderinstitute. Diese Institute, die trotz Corona noch offen sind, werden weiterhin gut besucht. Hauswald ist fassungslos: "Man könnte sagen, dass die Angst der Eltern, ihre Kinder könnten sonst in der Schule nicht mehr mitkommen, größer ist als die Angst vor Corona."

Die Südkoreaner sind schnell und stolz

Im Heimatland ihrer Mutter gibt es ausreichend Kapazitäten, um Tests auf das Corona-Virus durchzuführen. "Am Anfang fuhr ein Auto durch die Gegend, um die Leute zu testen. Nun haben sie vor den Krankenhäusern eine umgebaute Telefonzelle, in die ein Inkubator - ähnlich einem Brutkasten - adaptiert ist, wo die Krankenschwestern die Menschen testen können und keinen Kontakt zu den Testpersonen haben. Die Testmethoden sind sehr schnell, und die Menschen werden per SMS über den Testausgang informiert." Die Südkoreaner sind schnell. Es geht wenig Zeit verloren, die Verbreitung des Virus wird eingebremst. "Ich glaube, dass die Südkoreaner sehr beruhigt und stolz darauf sind, dass es in ihrem Land so wenig Fälle gibt", so Hauswald.

Bewusster leben

Trotz aller Ängste und Sorgen in dieser Krisenzeit: Simone Hauswald, Mutter von achtjährigen Zwillingen, kann der derzeitigen Situation auch eine positive Seite abgewinnen. "Die Kinder verbringen wieder mehr Zeit mit ihren Eltern, Familien wachsen wieder mehr zusammen. Der Fokus richtet sich endlich wieder auf das Wesentliche im Leben", sagt sie: "Das Leben geht weiter. Etwas langsamer und hoffentlich bewusster."

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