Emma Weiß (Foto: privat/Emma Weiß)

Wintersport | Ski-Freestyle

Ski-Freestylerin Emma Weiß: Mit Spaghetti in die Weltspitze

STAND
AUTOR/IN

Emma Weiß aus Albstadt ist professionelle Ski-Freestylerin. Beim Weltcup-Auftakt im finnischen Ruka ist sie direkt aufs Podium gesprungen. Wer ist die 20-Jährige mit dem Hang zur Schwerelosigkeit?

Die Welt der Kunstspringer ist eine spezielle: Von Saltos, Drehungen und "Aerials" ist die Rede - und Emma Weiß ist mittendrin. Die 20-Jährige ist buchstäblich aus dem Stand in die Weltspitze gesprungen. Im vergangenen Winter noch mit komplizierter Oberarmfraktur außer Gefecht, greift die Ski-Freestylerin aus Albstadt in diesem Winter richtig an.

Beim Comeback in Finnland auf dem Podest - als erste Deutsche seit 20 Jahren

Die erste Station im Corona-Winter 2020: das finnische Ruka. Beim ersten Wettkampf wurde sie hinter der australischen Überfliegerin Laura Peel gleich Zweite - ein sensationelles Ergebnis. Seit 20 Jahren ist die junge Freestylerin aus Albstadt damit die erste Deutsche, der das bei den "Freestyle-Aerials" gelang. Gleichzeitig war es Weiß' bestes Karriereergebnis.

Beim "Aerials" wird Athleten und Zuschauern der Kopf verdreht

Doch was ist eigentlich Freestyle-Aerials? Bei dieser Disziplin fahren die Athleten auf bis zu 15 Meter hohe, furchterregend steile Schneeschanzen zu. Die Besten der Zunft schaffen in schwindelerregender Höhe bis zu drei Saltos mit fünf Schrauben. Die Kür: Die sichere Landung im steilen Aufsprunghügel. In Ruka beeindruckte Emma Weiß mit ihrem neuen Sprung: zwei Saltos mit zwei Schrauben, ein sogenannter "Full-Full". Ihre Geschwindigkeit dabei: rund 55 km/h.

Freestyle in den Genen - und integriert im Team Schweiz

Angefangen hat Emma auf der Buckelpiste im Team ihres Vaters Armin, der selbst Ski-Freestyler war - allerdings in der Disziplin Akrobatik (Acro). Passend, dass er heute in Albstadt eine Ballettschule hat. Vater und Tochter übten früher immer im schweizerischen Mettmennstetten (Kanton Zürich) auf der Wasserschanze. Dort trainieren auch die Ski-Akrobaten. Als Emma 15 war, kam der Schweizer Bundestrainer auf sie zu, weil er ihr Potenzial erkannte. Die Albstädterin wechselte daraufhin ins Schweizer Team, mit dem sie seitdem immer unterwegs ist. "Ich kann mir kein besseres Team vorstellen", sagt Emma Weiß heute.

Emma's Anfänge: In jungen Jahren noch ganz bodenständig. (Foto: privat/Emma Weiß)
Emma's Anfänge: In jungen Jahren noch ganz bodenständig. privat/Emma Weiß

Zum Frühstück um 13:30 Uhr Spaghetti Bolognese

Dass der Beruf der Freestyle-Athletin manchmal auch etwas andere Tagesabläufe mitbringt, erlebt Weiß aktuell in Finnland, wo sie noch bis zum 19. Dezember trainiert. Da das Training erst von 16 bis 19 Uhr stattfindet, wird der Tages-Nacht-Rhythmus entsprechend angepasst. Die erste Mahlzeit gibt's erst um 13:30 Uhr. Nudeln mit Bolognese mag sie zum "Frühstück" besonders gerne.

Freestyle-Skier packen bei der Arbeit vor dem eigentlichen Job im Übrigen noch höchst selbst mit an: beim sogenannten "Choppen". Dabei wird der Landehang aufgestochen, um den Schnee aufzulockern und am Ende weicher landen zu können. Nach dem Training steht dann spät nachts, oft nach 0 Uhr, noch die "finnische Landesdisziplin" auf dem Programm: Saunieren zur Entspannung von Muskeln und Seele.

Emma Weiß und ihre Flugshow

Über Weihnachten in der Heimat - dann Richtung Russland

Über Weihnachten kehrt Emma Weiß nach Hause in die Heimat Albstadt. Direkt nach Weihnachten geht es dann weiter nach Airolo (Schweiz) zum Training und Mitte Januar nach Russland für weitere Weltcups. "Ich bin sehr dankbar, dass ich das, was ich am meisten liebe, jeden Tag ausüben darf", sagt die 20-Jährige.

Und was bedeutet der Sport mit den "Aerials" für eine Freestyle-Artistin selbst? "Freiheit! Für einen kurzen Moment gibt's nur noch mich, wie ich durch die Luft fliege und alles um mich herum verblasst."

Freiheit ist in diesen Tagen ja bekanntlich ein hohes Gut.

Mehr zum Thema:

Albstadt

Ski | Freestyle Deutsche Überraschung im Freestyle-Weltcup: Emma Weiß Zweite im Sprung

Ski-Freestylerin Emma Weiß (Zollernalb) ist beim Weltcup-Auftakt in Ruka/Finnland direkt auf das Podium gesprungen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN