Der Skispringer Kamil Stoch (Foto: Imago, Rok Rakun)

Wintersport | Skispringen Skisprung-Technik aus Pirmasens

Skispringen in Pirmasens – gibt es nicht? Von wegen – zumindest an der Hochschule ist Skispringen gerade ein ganz heißes Thema.

Doktorand Johannes Lutz und Professor Jens Schuster, arbeiten seit 2014 daran, wie man die Anlaufgeschwindigkeit der Skispringer auf der Schanze erhöhen kann. Denn als Faustregel gilt: jeder zusätzliche Stundenkilometer beim Anlauf bringt etwa zehn Meter an Weite.

Geheime Mixturen

Entscheidend für die Geschwindigkeit ist die Reibung zwischen Eisfläche und der Lauffläche der Sprungskier. Damit die Skier in der Anlaufspur möglichst gut flutschen, bringen die Serviceleute Wachs auf. Dafür gibt es die unterschiedlichsten Techniken und Mixturen, die das jeweils wohlgehütete Geheimnis der Serviceleute sind. Denn beim Skisprungweltcup geht es nicht nur um Punkte, sondern auch um viel Geld.

Neue Maschine

Doktorand Johannes Lutz hat eine Maschine entwickelt, mit der er ganz unterschiedliche Beschichtungen von Sprungskiern testen kann, ein sogenanntes Eistribometer. Dort läuft der Skibelag auf Walzen über eine Eisfläche, die so fest angedrückt wird, dass der Druck einem Skispringer von etwa 55 Kilogramm Körpergewicht entspricht. Außerdem wird der Belag in etwa fünf Sekunden auf 100 Stundenkilometer beschleunigt.

Weg vom Wachs

Ziel ist es, sagt Johannes Lutz, vom Wachs wegzukommen. Denn wenn der Servicemann hier nicht ganz genau arbeitet oder wenn ihm gar ein Fehler unterläuft, dann ist es aus mit einer guten Platzierung: klassisch verwachst. „Es wäre ideal, wenn man eine spezielle Beschichtung auf die Skier aufbringen könnte, die für eine immer gleiche Leistungsentfaltung sorgt“, so Lutz. Doch das sei nicht so einfach, weil die Eisoberfläche auf den Sprungschanzen immer unterschiedlich ist. „Die sieht schon krass aus, an einigen Stellen ist sie gerissen, an anderen Stellen sind ganze Brocken rausgebrochen. Dann spielt auch das Wetter eine Rolle und natürlich, dass an einem Tag über hundert Springer über den Bakken gehen.

Versuche in Kühlkammer

Begonnen hat Johannes Lutz mit den ersten Versuchen bei Zimmertemperatur. Da sei das Eis aber zu schnell geschmolzen und die Versuchsreihen seien nur kurz gewesen. Im vergangenen Jahr dann haben Lutz und Schuster eine Kühlkammer angeschafft. In der herrscht konstant eine Temperatur von minus acht Grad. Dort steht jetzt das Eistribometer und die Forscher können Ihre Versuche unter realistischeren Bedingungen machen als zuvor.

Dauer

Im Moment arbeiten die beiden noch an der Feinjustierung der Maschine, ehe die ersten richtigen Testreihen beginnen.

In den ganzen Versuchsaufbau inklusive Messtechnick, Eistribometer und die eigens angeschaffte Kühlkammer haben Johannes Lutz und Jens Schuster etwa 25.000 Euro investiert. Finanziert wird das Ganze über unterschiedliche Projekte, an denen die beiden Wissenschaftler arbeiten.

Besuch vom Deutschen Skiverband

Höhere Anlaufgeschwindigkeit bedeutet gleich einen weiteren Sprung. Genau das müsste den deutschen Skispringern gefallen, die ja gerade erst wieder Anschluss an die Weltspitze gefunden haben. Der Deutsche Skiverband ist schon auf das Projekt von Lutz und Schuster aufmerksam geworden. Vertreter des DSV wollen in gut einem Monat die Wissenschaftler in Pirmasens besuchen und sich dort über den Stand der Forschung informieren. Denn die Konkurrenz schläft nicht – und nicht nur die Skispringer wollen weiter springen als die Konkurrenten. Im Kampf um Punkte und Medaillen versuchen auch Langläufer und Alpinskifahrer jede Hundertstelsekunde rauszuholen. Und vielleicht helfen ihnen dabei schon bald die Pirmasenser Forscher Schuster und Lutz.

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