Ricard Funk gewinnt Gold in Tokio (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Kirsty Wigglesworth)

Kanu | WM

Zwischen Corona und Dürre: Kanutin Funk und die komplizierte Heim-WM

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Für Olympiasiegerin Ricarda Funk aus Bad Breisig könnten die Vorzeichen vor der Heim-WM in Augsburg kaum komplizierter sein. Corona-Nachwehen und Niedrigwasser bereiten Probleme.

Die Augen von Ricarda Funk leuchten, als sie sich an die bislang letzte Heim-Weltmeisterschaft in Augsburg erinnert. Damals, im Jahr 2003, habe sie noch als "kleines Mädchen Flyer verteilt und Unterschriften von den Stars gesammelt", erzählt die Olympiasiegerin im Interview mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Dass sie dies nun selbst "als Sportler miterleben darf, ist extrem cool. Das wird ein unvergessliches Erlebnis."

Corona und Niedrigwasser machen WM kompliziert

Doch die Vorzeichen könnten schwieriger kaum sein. Erst warf eine Corona-Infektion die Slalomkanutin zurück, dann stand wegen Niedrigwasser im Lech, aus dem der Kanal in Augsburg gespeist wird, gar die WM-Austragung auf der Kippe. "Aber im Plan B ausführen bin ich mittlerweile geübt", sagt sie und lächelt. Zumindest die Bedingungen spielen nach einem zwischenzeitlichem Trainingsstopp wegen der Dürre wieder mit. "Aus unserer Sicht ist ein Haken an der Sache", sagte WM-Projektleiter Johannes Heiß: "Wir sind für die Wettkämpfe sehr, sehr, sehr zuversichtlich."

Zuvor hatte Weltverbandspräsident Thomas Konietzko bereits von der ersten Sportveranstaltung gesprochen, "die wegen der Klimakrise auf der Kippe steht". Doch kurzfristig angebrachte Betonpfeiler und Holzbalken sowie die angekündigten Regenfälle sorgen für Entspannung. Blieben noch die Fragezeichen hinter der Form von Funk, die sich Mitte Juni mit Corona infiziert hatte und deshalb zwei von drei Weltcups verpasste.

Funk erwartet starke Konkurrenz

"Mir geht es wieder gut", sagt die Wahl-Augsburgerin. Sie sei seit drei Wochen wieder "voll im Training". Und doch stapelt sie nach Olympia- und WM-Gold im Vorjahr tief. "Man möchte natürlich an frühere Erfolge anknüpfen. Aber die Konkurrenz ist bockstark", betont die 30-Jährige. Sie denke deshalb nur "Step by Step". Heißt: Teamwettkampf am Mittwoch, Vorläufe am Donnerstag und Halbfinale sowie Finale am Wochenende.

"Und wenn man im Finale steht, hat man natürlich nur noch ein Ziel im Kopf", erzählt sie. Die Olympia-Strecke von 1972 sei längst ihr "Happy Place" geworden. "Eine Heim-WM allein ist schon etwas ganz Besonderes. Und jetzt ist es sogar der Ort, an dem ich jahrelang trainiert habe", sagt Funk. Familie und Freunde werden vor Ort sein. Gerade ihr als einem so heimatverbundenen Menschen bedeutet das enorm viel.

Einige deutsche Medaillen-Chancen

Nach ihrem Olympia-Gold in Tokio weinte die Kajak-Spezialistin aus Bad Neuenahr bittere Tränen um die Opfer der Hochwasserkatastrophe in ihrer Heimat - und eine ganze Nation weinte mit. 2021 war ihr Jahr, neben großer sportlicher Klasse zeigte Funk die im Sport oft vermisste Menschlichkeit in ihrer ganzen Bandbreite.

Die WM 2022 (27. bis 31. Juli) geht sie nun recht gelassen an. "Der Druck ist immer da, egal, welchen Wettbewerb ich fahre, oder ob ich als Titelverteidigerin am Start stehe", sagt Funk. Neben ihr gehen auch die weiteren Tokio-Medaillengewinner Sideris Tasiadis, Andrea Herzog sowie Hannes Aigner und Weltmeisterin Elena Lilik in den Eiskanal. Die deutschen Podestchancen sind also bestens - zumindest, wenn genug Wasser vorhanden ist.

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