Kleinkind schwimmt mit Schwimmgürtel im Hallenbad. Schwimmkurse in RLP und BW sind rar. (Foto: IMAGO, Joker)

Alarmierende Entwicklung

Kinder können nicht schwimmen: Diese Maßnahmen sollen helfen

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Die DLRG schlägt Alarm: unsere Kinder können nicht richtig schwimmen. Mit Corona hat sich der Trend stark verschärft. Freie Plätze in Schwimmkursen? Mangelware. Genauso geeignete Schwimmstätten. Aber: es gibt auch Hoffnung.

Schon vor Corona war ein Platz im Schwimmkurs ein echter Glücksfall. Die Pandemie und die vorübergehende Schließung vieler Schwimmbäder haben die Situation nochmals verschärft. Viele Anfänger-Schwimmkurse und Kurse an Schulen sind ausgefallen - auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Präsidentin der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ute Vogt, schlägt deshalb Alarm. "Wir gehen davon aus, dass wir quasi zwei Schuljahrgänge haben, die nicht schwimmen können." Auch Eleonore Wagner, die Geschäftsführerin des württembergischen Landesverbandes, bestätigt, "dass wir Corona sehr gemerkt haben. Die Wartezeiten für Kurse lagen davor schon bei bis zu zwei Jahren. Jetzt haben sie sich sogar noch einmal verlängert."

Personalmangel und geeigneten Schwimmhallen fehlen: kein Schwimmunterricht

Auch der Mangel an Personal macht Schwimmunterricht vielerorts fast unmöglich. Dazu fehlen weiterhin geeignete Schwimmbäder, mahnt der rheinland-pfälzische DLRG-Präsident Andreas Back. Zu viele Hallenbäder seien marode oder wurden bereits geschlossen. "Die zur Verfügung stehenden Bahnenzeiten sind immer weniger geworden. Somit werden die Strecken weiter, die zu einem Schwimmbad zurückgelegt werden müssen. Das sorgt natürlich dafür, dass der Schwimmunterricht immer weniger wird."

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Maßnahmen und Eigeninitiativen: Wie lernen Kinder schwimmen?

Der pfälzische Landkreis Germersheim versucht diesem Trend entgegenzuwirken. Möglich macht das ein Projekt, das der Kreis im Frühjahr ins Leben gerufen hat. Einige Schulen im Kreis können jetzt erstmals regelmäßig Schwimmunterricht anbieten. Im Laufe der kommenden Monate soll jedes Kind im Landkreis die Möglichkeit bekommen, schwimmen zu lernen. Die Uni Landau hatte untersucht, dass 40 Prozent aller Grundschüler im Landkreis nach der vierten Klasse noch nicht schwimmen können. Darauf wurde reagiert.

Keine Angst vor Wasser - Schwimmen kann Leben retten

"Wir sind ein sehr gewässerreicher Landkreis. Wir haben zahlreiche Badeseen. Und Schwimmen ist eine lebensrettende Fähigkeit", sagt Landrat Fritz Brechtel. Zwei Schwimmkoordinatoren der DLRG wurden ernannt, sie sollen die Schulen unterstützen, den Unterricht zu organisieren. Zurzeit sind es 120 Schüler, die an vier Tagen wöchentlich betreut werden. Die Kosten von 500.000 Euro musste sich der Kreis von der zuständigen Aufsichtsbehörde (ADD) in Trier für seinen Haushaltsentwurf genehmigen lassen. Auch die Schwimmstätten werden von diesem Geld gefördert.

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Mehr Schwimmkurse: Projekt auch in Baden-Württemberg

Seit dem 1. April startete das Land Baden-Württemberg das neue Pilotprojekt "SchwimmFidel – ab ins Wasser!" zur Verbesserung der Schwimmfähigkeit bei Vorschulkindern. Dafür stellte das Land 600.000 Euro aus Landesmitteln bereit. Vorerst ist das Projekt bis zum 31. August geplant und soll vor allem Kooperationen zwischen Kindertageseinrichtungen, Schwimmvereinen sowie DLRG-Ortsgruppen auf den Weg bringen. Für Kleinkinder soll damit der erste Schritt erfolgen, um sich an Wasser gewöhnen zu können. "Wir wollen, dass die Kinder keine Angst vor Wasser haben, wenn sie in die Schule kommen", erklärt Eleonore Wagner. Dazu wolle man auch die Eltern sensibilisieren, welche Gefahren im Wasser herrschen.

Bereits im vergangenen Juni wurde vom Kultusministerium Baden-Württemberg, den beiden Schwimmverbänden im Land und den DLRG-Landesverbänden ein "Corona-bedingtes Sofortprogramm zur Verbesserung der Schwimmfähigkeit" ins Leben gerufen. 900.000 Euro wurden zunächst bereitgestellt, Anfang Juli wurde die Summe um 1,1 Millionen Euro erhöht. Das Projekt "SchwimmFidel" knüpft nun daran an.

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