Fabian Schwingenschlögl schwimmt deutschen Rekord. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

Schwimmen | Olympia

Deutscher Rekordhalter Fabian Schwingenschlögl - Duale Karriere als Erfolgsrezept

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Fabian Schwingenschlögl hat Oberwasser. Der 29-Jährige Schwimmer aus Neckarsulm sicherte sich die Olympiaqualifikation und den deutschen Rekord über 100 Meter Brust. Im SWR Sport Interview spricht der neue Rekordhalter über seinen Traum vom Olympiafinale und verrät, wie er Beruf und Sport unter eine Badekappe bekommt.

Fabian Schwingenschlögl wirkt glücklich und zufrieden. Erfrischend gelassen berichtet der Neckarsulmer von seinem Qualifikationsmeeting in Heidelberg. Dort schwamm er zum deutschen Rekord und sicherte sich sein Ticket für Olympia. Ein Paukenschlag, denn mit 58,95 Sekunden durchbrach er als erster Deutscher die 59-Sekunden-Schallmauer und steht damit auf Platz sechs in der Weltrangliste. Darüber hinaus gelang es ihm, den alten deutschen Rekord zu schlagen, der im Jahr 2009 von Hendrik Feldwehr noch mit einem Hightechanzug geschwommen wurde. Für Schwingenschlögl kein Hindernis: "Rekorde sind da, um gebrochen zu werden."

"Ich wollte den Sack direkt zu machen"

Lange war Schwingenschlögl nur den Insidern in der Szene ein Begriff. Für das Schwimm-Ass, der für die Neckarsulmer Sport-Union startet, kommt diese Leistungssteigerung jedoch nicht überraschend. "Ich wusste im Vorfeld, dass ich gut drauf bin. Innerlich waren für mich die Zeichen bereits klar, dass es eine gute Zeit wird. Ich wollten den Sack direkt zu machen." Sogar mit der 59-Sekunden Barriere habe er bereits geliebäugelt. Dass er dann das Rennen seines Lebens abliefern würde, war für Schwingenschlögl überwältigend.

"Dass es mit dem Deutschen Rekord geklappt hat, war für mich die Kirsche oben auf dem Sahnehäubchen."

Glaube nie verloren

Fabian Schwingenschlögl ist ein Kurzstreckenschwimmer. Für den großen Coup musste der 1,90 Meter große Wassersportler jedoch seine Ausdauer unter Beweis stellen. Die Spiele in Tokio werden seine ersten sein. Der Weg dorthin ging nicht steil nach oben. Schwingenschlögl war kein Überflieger, er entwickelte sich langsamer als seine Konkurrenten. Seine bisherige Bestzeit hatte bereits seit drei Jahren Bestand. Ein neuer Leistungssprung ließ lange auf sich warten.

Das Selbstbewusstsein hat Schwingenschlögl dabei nie verloren: "Wenn du den Glauben an dich verlierst, dann kannst du es gleich lassen." Der Wettkampf in Heidelberg war für Schwingenschlögl ein Befreiungsschlag: "Es war ein emotionaler Knoten, der da platzen musste." Wenn es sportlich mal nicht gut lief und Zweifel aufkamen, habe ihn die berufliche Ablenkung immer wieder gerettet.

Duale Karriere als Ausgleich

Schwingenschlögl hat in seiner Laufbahn nie nur auf die Karte Sport gesetzt. Nach seinem Studium in den USA folgte eine Teilzeitstelle als Fertigungsplaner bei KACO (Hersteller von Zubehör für Photovoltaikanlagen) in Neckarsulm. Für Schwingenschlögl sind Sport und Beruf keine Gegner, sondern gleichen sich aus, sorgen für emotionale Balance. Diese Gelassenheit sei zugleich der Antrieb für gute Wettkampfergebnisse. "Man fällt nicht direkt in ein Loch, nur weil es sportlich mal nicht gut läuft."

"Die Arbeit gibt mir die Kraft meine Gedanken schweifen zu lassen und nicht nur versteift an das Training zu denken."

Gutes Zeitmanagement

Das A und O für Schwingenschlögls Alltag ist ein gutes Zeitmanagement und das richtige Umfeld. Ohne diese beiden Komponenten sei es kaum möglich, Beruf, Leistungssport und Beziehung unter einen Hut zu bekommen. Durch vorausschauende Planung und die Unterstützung seiner Arbeitskollegen schafft es Schwingeschlögel trotz eines vollen Terminkalenders nicht unterzugehen. Dabei ist es keine Seltenheit, dass er morgens zwei Stunden im Becken und eine Stunde im Kraftraum abarbeitet, bevor es direkt ins Büro geht.

Wertvolle Erfahrungen in den USA

Bevor Schwingenschlögl 2018 für die Neckarsulmer Sport-Union an den Start ging, studierte und trainierte er fünf Jahre lang in den USA. Obwohl es für ihn zunächst ein Sprung ins kalte Wasser war, ist er in den Staaten keinesfalls abgetaucht. 2016 gewann er den NCAA (National Collegiate Athletic Association) Titel für die University of Missouri. Wertvolle Erfahrungen und Eindrücke, die er nicht missen möchte.

Die Aufmerksamkeit und Wertschätzung für seine Sportart sei im amerikanischen College-System deutlich größer als in Deutschland. Sogar die Professoren an der Uni hätten ein Auge auf die Wettkämpfe gehabt. Schwingenschlögl macht aber auch klar, dass er mitdenkt. Er ist keiner, der einfach nur mit dem Strom schwimmt: "Ich muss mich als Sportler weiterentwickeln und neue Reize setzen. Ich nehme mir die Elemente die passen und baue mir damit meinen eigenen Weg."

Traum vom Olympiafinale

Ein Weg, der ihn zum deutschen Rekord und zum Olympiaticket geführt hat. Für Schwingenschlögl aber kein Grund die Bodenhaftung zu verlieren: "Ich werde weiter meine 20 Stunden pro Woche arbeiten gehen und genauso weitermachen wie bisher." Mit seiner Leistung gehört er zu den besten Schwimmern der Welt und möchte auch in Tokio möglichst viele Konkurrenten nass machen: "Vielleicht ist sogar das Finale drin."

Man darf gespannt sein, wie der Weg nach Tokio weitergehen wird. Denn eins macht Schwingenschlögl, der bald seinen dreißigsten Geburstag feiert, unmissverständlich klar: "Ich bin noch dabei, ich gehöre noch nicht zum alten Eisen."

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