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Dort, wo die meisten Menschen nur staunend davorstehen und die Naturgewalt bewundern, stürzt sich der Heidelberger Adrian Mattern mit dem Kajak herunter. Der 25-Jährige ist Deutschlands bester Wasserfalljäger.

Adrian Mattern ist in Heidelberg geboren, und der Neckar ist dem Abiturienten schon sehr bald viel zu langweilig. Durch seinen Vater kommt Adrian Mattern schon als Kind mit dem Kajaksport in Kontakt. Talent und Mut bringen den jungen Paddler schnell in den Leistungssport. Doch feste Vereinsstrukturen oder geregelte Wettkämpfe sind nicht seine Sache, deshalb wird es auch nichts mit einer Karriere als Olympionike im Kanuslalom.

Sein Rekord liegt bei 45 Meter

Also macht sich der junge Mann nach dem Abitur auf, um die Welt zu bereisen. In Chile lernt er Kajakprofis kennen und merkt schnell, dass diese in ihrem Können gar nicht so weit von ihm weg sind. Ehrgeiz, Disziplin und Mut führen Adrian Mattern nur kurze Zeit später in die Weltspitze der "Whitewater"-Kajakfahrer. Das sind solche Kajakfahrer, denen kein Strudel zu wild, kein Wasserfall zu hoch ist. Im Dezember 2017 befährt der Heidelberger den "Big Banana" in Mexiko. Das ist ein etwa 45 Meter hoher Wasserfall, der aus einer relativ engen Öffnung herausschießt und auf den ersten Blick fast harmlos wirkt.

Wasserfälle ziehen ihn magisch an

Es sind teilweise gigantische Wasserfälle, die er auf seiner To-do-Liste schon abgehakt hat. Dazu gehören 30 oder 40 Meter hohe Wasserfälle in Afrika oder Kanada. Matterns letztes Abenteuer ist erst eine gute Woche her. Der Saut du Doubs, ein etwa 27 Meter hoher Wasserfall, der auf der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz verläuft. Das Besondere: Dieser Wasserfall ist nur wenige Tage im Jahr befahrbar. Bislang hatte es Adrian Mattern nie geschafft, zu dieser Jahreszeit im Juragebirge zu sein. Aber wegen der Corona-Pandemie musste er kurz nach Weihnachten aus Afrika abreisen, so dass sich ihm die Chance bot, sich diesen lang gehegten Wunsch zu erfüllen. Eigentlich ging alles gut. Bis auf die Tatsache, dass er bei der Landung mit dem Gesicht auf seinem Boot aufschlug und sich dabei die Nase brach. Doch Kajakfahrer sind hart im Nehmen, deshalb hat er seine Nase mit einem gekonnten Griff schnell mal selbst gerichtet. Das komme öfter vor, sagt Adrian Mattern und grinst.  

Adrian Mattern: "Ich bin kein Selbstmörder"

Wo die physikalischen Grenzen liegen, ist unbekannt. Doch es geht auch gar nicht nur um höher, schneller, weiter. Es ist nicht der Wettbewerb, auch nicht die Jagd nach dem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde, die Adrian Mattern antreiben, sondern die Lust an Neuem. Die Lust auf Abenteuer in zum Teil unberührter Natur. Er ist kein Draufgänger oder Selbstmörder, wie er sagt. Er sei früher noch nicht einmal besonders mutig gewesen. Trotzdem stürzt er Wasserfälle herunter, die einem schon vom Zuschauen die Hände feucht werden lassen. An die großen Höhen habe er sich langsam herangetastet, sagt Adrian Mattern. Aus einem Meter wurden zwei, dann fünf und später zehn und mehr. Er ist quasi reingewachsen.

"Man fährt an, nähert sich dem Wasserfall. Das sieht für einen selbst erst mal so aus, als wenn es das Ende der Welt wäre."

Kajakprofi Adrian Mattern

Auch wenn er das ganze Jahr um die Welt reist, viel fliegt und mit Mietwägen samt seinen Kajaks auf dem Dach Einstiegsstellen am Fluss sucht, liegt Adrian Mattern der Schutz der Natur am Herzen. In seinen wenigen Jahren als Kajakprofi hat er schon viele Einflüsse durch die klimatischen Veränderungen feststellen können. Er weiß, dass er mit seiner Reiserei kein Engel in Sachen Klimaschutz ist. Deshalb beschloss er im vergangenen Jahr, etwas an die Natur zurückgeben. Er bereiste die Alpenflüsse mit dem Fahrrad. Das Kajak hatte er auf einem Anhänger hinten drauf. "Eine tolle, aber auch extrem anstrengende Erfahrung", sagt er augenzwinkernd.

Corona erschwert die Planung

Es gibt noch viele Projekte, die der 25-jährige Kajakprofi angehen will. Doch die weltweite Pandemie macht Planungen derzeit extrem schwierig. Projekte werden von Adrian Mattern stets äußerst gewissenhaft und voller Akribie angegangen und sind deshalb ohnehin schon sehr zeitintensiv. Doch jetzt kommen erschwerte Ein- und Ausreisebedingungen in den einzelnen Ländern noch hinzu. Die unterschiedlichen Quarantänebestimmungen in den einzelnen Ländern machen große Projekte hinsichtlich ihrer Planbarkeit schwierig.

Derzeit ist Mattern in seiner Heimatstadt Heidelberg, doch bald soll es wieder losgehen. Die österreichischen Alpen locken zu einer kleinen Ausfahrt. Wann genau der Start erfolgt, weiß er noch nicht. Aber es wird sicherlich nicht mehr lange dauern, denn ohne Wildwasser, Strudel und hohe Wasserfälle fühlt sich Adrian Mattern wie ein Fisch auf dem Trockenen.

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