Max Lemke vom Wassersportverein Mannheim-Sandhofen  (Foto: Imago, Eibner)

Wassersport | Kanu Kanuten müssen für Dopingtests auf Geld verzichten

Die Kosten für Doping-Tests sind gestiegen. Deshalb will der Deutsche Kanu-Verband (DKV) diese Mehrkosten von seinen Aktiven mitfinanzieren lassen - und löst damit kontroverse Diskussionen aus.

Der DKV informierte seine Athleten während des laufenden WM-Vorbereitungslehrgangs in Kienbaum darüber, dass die Sportler künftig anteilig an den fast verdoppelten Kosten für Dopingkontrollen beteiligt werden sollen.

"Das ist ja fast schon erbärmlich"

"Wir haben das aus der Zeitung erfahren und haben beschlossen uns nicht weiter dazu zu äußern",  sagte Martina Amrein von den Rheinbrüdern in Karlsruhe. Max Lemke vom Wassersportverein Mannheim-Sandhofen macht aus seiner Empörung indes keinen Hehl. "Das wir alle für einen sauberen Sport stehen, ist ja klar. Aber das ausgerechnet wir, die wir ja sowieso nicht finanziell auf Rosen gebettet sind auch noch für unsere Kontrollen bezahlen sollen, also das ist fast schon erbärmlich."

Sebastian Brendel dreimaliger Canadier-Olympiasieger ist schlicht und ergreifend einfach nur sauer: "Das geht gar nicht. Es ist eine Farce. Das ist schon ein bisschen komisch, dass wir selbst dafür bezahlen müssen um zu beweisen, dass wir sauber sind", so der 30-Jährige Potsdamer, als er von den Plänen des DKV erfuhr.

300 Euro weniger im Geldbeutel

Rund 120 Kanuten bekommen 300 Euro weniger in diesem Jahr aus dem Sponsorentopf. Grund: die Kosten für Dopingtests sind gestiegen. "300 Euro, das klingt erst einmal nach nicht viel. Aber hier geht es ums Prinzip. Ich bekomme ja noch meinen Sold von der Bundeswehr aber was ist mit den Nachwuchsathleten, die keinen Sponsor haben oder noch studieren?", gibt Max Lemke zu bedenken. Bei den Junioren soll die Reduzierung übrigens geringer ausfallen.

Allerdings war der Ärger vorprogrammiert. "Ich kann Sebastian verstehen. Der Job eines Präsidenten ist nicht immer vergnügungssteuerpflichtig", beteuerte DKV-Präsident Thomas Konietzko, der die Athleten über die Maßnahme informiert hatte. Konietzko betonte aber auch: "Das war unsere letzte Möglichkeit, die wir sehr offen mit unseren Sportlern abgestimmt haben, und der sie auch zähneknirschend zugestimmt haben."

Konietzko sieht die Vorgehensweise aufgrund der vor wenigen Wochen erhöhten Jahresumlage für die Nationale Anti Doping Agentur (NADA), die besonders für Trainingskontrollen verwendet wird, als alternativlos an. "Wir müssen 43.000 Euro aufbringen. Mit dieser hohen Summe haben wir so nicht gerechnet". Das Geld wird nun aus den Sponsoreneinnahmen abgezwackt, die sonst – für einen deutschen Sportverband eher unüblich - komplett an die Athleten weitergegeben werden. "

Qualität bitte vor Quantität

Das sich Kosten für Dopingkontrollen in dieser Saison fast verdoppelt ist auch der Erhöhung ihrer Anzahl geschuldet. Zum Beispiel bei Olympiasieger Max Hoff aus Essen: "Ich bin vor den Europameisterschaften sechsmal innerhalb von zweieinhalb Wochen kontrolliert worden. Jede Kontrolle kostet unfassbar viel Geld. Das gehört für mich erst einmal besser organisiert."

Und Team-Welt- und Europameisterin Jasmin Schornberg aus Augsburg ergänzt: "Wir leisten schon Eigenbeteiligungen für Weltcups und andere Wettbewerbe. Man hat das Gefühl bei immer mehr Kosten, wird immer mehr verlangt. Es wird immer schwieriger im Spitzensport zu bestehen."

Jasmin Schornberg (Foto: Imago, imago/Oryk HAIST)
Jasmin Schornberg Imago imago/Oryk HAIST

Für das nächste Jahr sollen andere Lösungen gefunden werden. "Mit mehr Vorlauf sollte uns das gelingen", hofft DKV-Präsident Konietzko. Bis dahin müssen die Kanuten das Defizit ausgleichen.

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