Schwimmerin Kornelia Ender steigt in das Schwimmbecken (Foto: Imago, imago images / Norbert Schmidt)

Schwimmen | Historie Kornelia Grummt-Enders missglückte Flucht

Schon mit 13 Jahren schwamm sie mit den Besten der Welt um die Wette: Kornelia Ender. In fast allen Schwimmdisziplinen holte sie Medaillen für die ehemalige DDR. Doch auch wenn sie als Vorzeigeschwimmerin galt, wagte sie einen Fluchtversuch in den Westen.

Kornelia Grummt-Ender erzählt ihre Lebensgeschichte. Im Gespräch mit SWR Sport geht es um den Sport, die DDR und den dramatisch gescheiterten Fluchtversuch. Mit zehn Jahren begann das Ausnahmetalent Kornelia Ender mit dem Schwimmsport. Eigentlich nur, um eine Hüftgelenksverschiebung zu behandeln. Die Therapie wirkte und die junge Frau schwamm von Sieg zu Sieg. Bereits mit 13 Jahren trat die Schwimmerin bei den Olympischen Spielen in München an und schwamm zu drei Silbermedaillen.

Von Erfolg zu Erfolg

Die gebürtige Sächsin nahm an Welt- und Europameisterschaften teil und feierte mit mehreren ersten und zweiten Plätzen Erfolge. Auch ihre nächste Olympiateilnahme veredelte sie mit Medaillen. 1976 trat Ender in Montreal an und gewann gleich in vier Disziplinen die Goldmedaille. Mit der Staffel holte sie im 100 Meter Freistil noch Silber. Da eine Schwimmerin während des Wettkampfs erkrankte, sprang Ender für sie vom Startblock und nahm so innerhalb von nur 25 Minuten an zwei Finalläufen teil.

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Missglückter Fluchtversuch

Nach diesen Erfolgen beendete die Olympiasiegerin ihre Karriere. Sie habe nun alles erreicht und wolle sich anderen Lebensbereichen widmen, wie etwa ihrem Medizinstudium. Dort lernte sie auch ihren ersten Mann Roland Matthes kennen. Die beiden entwickelten sich zum Vorzeigepaar des DDR-Sports.

Vor laufender Kamera hatte sich die Ausnahmeschwimmerin nicht kritisch über die DDR geäußert. Dennoch unternahm sie 1989 einen Fluchtversuch. Zusammen mit ihrem zweiten Mann Steffen Grummt und den zwei gemeinsamen Kindern wollte sie die Mauer überwinden. Die Flucht misslang. Ender wurde vorübergehend im Gefängnis eingesperrt und verhört. Die Wende brachte die erhoffte Freiheit und verhinderte weitere Repressionen gegen die Familie.

Dopingvorwürfe und das Leben nach dem Schwimmen

Nach der Wende kamen Dopingvorwürfe gegen viele DDR-Sportler auf. Auch die ehemalige Schwimmerin blieb davon nicht unberührt, beteuerte aber, nicht bewusst leistungssteigernde Mittel genommen zu haben.

Heute lebt die ehemalige Schwimmerin im rheinhessischen Schornsheim, wo sie schon bald ein neues Leben mit ihrer Familie begann. Dort eröffnete die Olympiasiegerin eine Praxis für Physiotherapie. Sie hilft dort Menschen so, wie das Schwimmen ihr geholfen hat.

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