Schorndorfer Badmintonspieler beim Doppel. (Foto: imago images, IMAGO / Pressefoto Baumann)

Sportvereine im Novemberblues

Schwieriges Spiel: Corona-Warnstufe im Breitensport

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Eben hatten sich die Sportvereine von den Corona-Einschränkungen erholt, schon kommt die Warnstufe. SC, TSV & Co fürchten um Mitglieder und die Vereinsatmosphäre.

"Wir hatten einen sensationellen Herbst", schwärmt Benjamin Wahl, Vorstand der SG Schorndorf. "Die Leute wollen wieder Sport machen. Unsere Mitgliederverwaltung kam kaum hinterher, die neuen Anträge zu bearbeiten." Doch seine Hochstimmung ist einem Novemberblues gewichen.

Denn seit Mittwoch gilt in Baden-Württemberg die Warnstufe und für Sportvereine wie die SG Schorndorf wieder strengere Auflagen. Um ein Spiel zu besuchen oder selbst zu trainieren, wird für Ungeimpfte ein Schnelltest für den Außenbereich und ein PCR-Test in der Halle verpflichtend. Die Tests, die bis zu 100 Euro kosten, müssen sie selbst bezahlen. "Machen wir uns nichts vor: Niemand zahlt einen PCR-Test, um Sport zu machen oder ein Badmintonspiel zu sehen", meint Benjamin Wahl.

3G spaltet den Verein

Er schätzt, dass von den 4.000 Schorndorfer*innen, die in den 20 Abteilungen der SG Sport treiben, ungefähr 400 nicht geimpft sind. Durch die neue Regel wird das für den Verein zur Zerreisprobe. "Der Streit ums Impfen wird jetzt in unsere Gremien und Mannschaften getragen. Darunter leidet das Vereinsklima", sagt Wahl. "Ich will mir nicht ausmalen, was es mit der Atmosphäre in einer Mannschaft macht, wenn sie nicht zum Spiel antreten kann, weil ungeimpfte Spieler fehlen." Deshalb sucht Wahl mit ungeimpften Mitgliedern das Gespräch und legt allen eine Impfung nahe.

Testpflicht auch in erster Liga

Einige SG-Teams, zum Beispiel die Badminton-Mannschaft, spielen in hochklassigen Ligen ihrer Disziplin. Trotzdem haben alle Spieler*innen Amateurstatus. Anders als ungeimpfte Profis, die wegen des Arbeitsrechts von 3G ausgenommen sind, gilt für sie die PCR-Testpflicht für Sport in Innenräumen. "Was sollen wir da am Spieltag und beim Training tun? Den PCR-Test zahlen wir nicht, denn wir wollen fürs Impfen werben. Aber wir können den Spielern doch nicht sagen: Wir brauchen dich nicht", meint Wahl.

5.000 Euro könnten fehlen

Neben den sportlichen und zwischenmenschlichen Problemen, gefährdet die Warnstufe die finanzielle Planung, wie Wahl am Beispiel des Fitnesszentrums zeigt, das der Verein betreibt: "Wir hatten dort vor Corona 1.100 Mitglieder. Jetzt – nach einem erfolgreichen Tag der offenen Tür – sind es immerhin wieder 900. Wenn wir annehmen, dass ungefähr 10% davon nicht geimpft sind, macht das 90 Ungeimpfte. Seit die Warnstufe eingetreten ist, haben sich schon zehn Leute gemeldet, die ihre Mitgliedschaft ruhen lassen wollen. Wenn alle Ungeimpften kündigen fehlen über 5.000 Euro im Monat", überschlägt Wahl. "Und das zusätzlich zu den Mitgliedern und deren Beiträge, die wir während Corona verloren haben."

Hoffen auf Unterstützung der Politik

Trotz den Herausforderungen, vor die die Warnstufe Wahls SG Schorndorf stellt, habe er Verständnis für die Maßnahmen der Landesregierung. "Im Gegenzug wünsche ich mir, dass die Politik nach der Pandemie verstärkt dafür wirbt, wie wichtig Sport, Bewegung und ein Engagement im Sportverein ist, damit die Leute wieder den Weg zurück in die Vereine finden", sagt Wahl.

So bleibt die Hoffnung, dass auf den sensationellen Herbst und einen schwierigen Winter ein sensationeller Frühling folgt.

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