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Zu fast 80 Prozent hängen die Klubs der Volleyball-Bundesliga von ihren Sponsoren ab. Beste Beispiele dafür sind der VfB Friedrichshafen und der TV Rottenburg. Während der Rekordmeister dank starker Sponsoren überlebt, hat sich der TV Rottenburg für den Gang in die 3. Liga entschieden. Ein Besuch bei den Klubs.

Im Volleyball wird momentan sozusagen "Das Netz eingerollt". Denn nach dem TV Rottenburg gehen in der Coronakrise zwei weitere Volleyball-Bundesligisten in die Knie: Die AlpenVolleys melden nicht für die nächste Saison, die Volleys Eltmann bekommen keine Lizenz. Auf der anderen Seite gibt es im Land aber auch den VfB Friedrichshafen. Den trifft die Krise nicht so schwer.

In Friedrichshafen ist der Frühling erwacht, doch der Riese schläft. Die Halle des VfB Friedrichshafen ist gesperrt, die Spieler sind in Kurzarbeit. Der Verein ist laut eigener Aussage finanziell im oberen Drittel der Liga angesiedelt, oft ist die Sprache von einem Etat über zwei Millionen Euro. Geschäftsführer Guido Heerstraße sagt: "Über Zahlen redet man in der Bundesliga nicht so gerne." Was er hingegen sagt: "Der finanzielle Schaden bewegt sich durch Corona im sechsstelligen Bereich."

Doch die potenten Sponsoren geben dem Rekordmeister Planungssicherheit. "Die wirtschaftliche Stabilität kommt ganz klar von unseren Hauptsponsoren ZF und Zeppelin. Da sind wir auch sehr glücklich, dass wir in so einer Zeit davon zehren können. Das wird uns natürlich auch für die nächsten Jahre weitertragen", so Guido Heerstraß, Geschäftsführer VfB Friedrichshafen im Gespräch mit SWR Sport. Der VfB Friedrichshafen wird die Corona-Krise überleben.

Rottenburgs Rückzug trotz zweitbestem Zuschauerschnitt

Der TV Rottenburg nicht. Seit 2008 ununterbrochen im Volleyball-Oberhaus. In der abgebrochenen Saison gar mit dem zweithöchsten Zuschauerschnitt der Liga – doch von den 100 kleineren Sponsoren sind zu viele abgesprungen. Der Rückzug für Manager Philipp Vollmer unvermeidbar. "Bei wirklich engem Budget hat uns dann die Corona-Krise wirklich ganz hart getroffen und innerhalb kürzester Zeit hat sich eine Lücke von 250.000 Euro angesammelt. Das ist rund ein Drittel meines Etats und damit ist die Perspektive auch völlig verloren gegangen", so Vollmer.

Rottenburgs selbstbestimmter Gang in die 3. Liga kam bei der Volleyball-Bundesliga, die sich selbst als "Home of Respect" bezeichnet, nicht gut an. Die Entscheidung sei "verfrüht", "überhastet" – und"ohne Vorankündigung" geschehen. Der TV Rottenburg hält dagegen. "Jetzt werden Kosten produziert im April, werden Verträge abgeschlossen und wir haben gesagt: Wir machen das jetzt vorher, wir können unseren Arbeitnehmern noch eine Perspektive geben und können jetzt aber auch Kosten stoppen, wenn wir auch schon wissen, dass wir im Sommer diese Lücke nicht gefüllt kriegen", sagt Philipp Vollmer SWR Sport. Kritik übt Vollmer auch am sogenannten Masterplan der Liga, der Sport und Vereine professioneller aufstellen sollte.

Der „Masterplan“ – ein bisschen Segen und viel Fluch

Der 2014 vorgestellte 90-seitige Masterplan sollte die Volleyball-Bundesliga auf ein neues Level hieven. Der Sport sollte ein Produkt werden, die Spiele zu Events. Die Vereine sollten sich professioneller aufstellen, größere mediale Präsenz erzeugen und mehr Sponsorengelder akquirieren. Zudem mussten Geschäftsstellen aufgestockt werden, einfarbige Spielfelder samt LED-Bandensystem anschaffen. Alles nicht günstig und kein Schnäppchen gerade für kleinere Teams wie Rottenburg, deren Etat bei rund 650.000 Euro liegt. Der Druck war immens, einige Klubs in einer Liga, die nur 14 Millionen Euro Gesamtumsatz hat, für eine Krise wie Corona nicht geschaffen.

Dr. Marcel Fahrner ist akademischer Oberrat am Institut für Sportwissenschaft der Uni Tübingen und beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Ligensystem. Für ihn brachte der Plan den Volleyball zwar in gewisser Weise voran, gerade für kleine Vereine aber auch immense finanzielle Zwänge. "Durch die Corona-Pandemie zeigt sich, dass die Geschäftsmodelle der Klubs und das Geschäftsmodell der Liga insgesamt zu eng auf Kante genäht ist und dass vor allem die Erlösseite nicht mit den Kosten Schritt gehalten hat", so Dr. Marcel Fahrner.

Zudem hat die Volleyball-Bundesliga damals versprochen starke Partner und einen starken Liga-Sponsor zu finden "und die Liga auf 14 oder 16 Teams aufzustocken", wie Rottenburgs Manager Philipp Vollmer sagt. Diesem Versprechen kam sie bis heute nicht nach. Für den TV Rottenburg, der in der 3. Liga jetzt Nachwuchstalente aus der Region fördern will, trägt auch die Liga eine Mitschuld am Rückzug mancher Klubs und dem Schrumpfen der Liga. Der Volleyball steckt in einer handfesten Krise – und es zeigt sich: Corona ist für kleine Vereine im finanziell auf Kante genähten Sport einfach zu stark.  

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