Vital Heynen (Foto: Imago, imago/Conny Kurth)

Volleyball | VfB Friedrichshafen Vital Heynen - der weltbeste Volleyball-Coach hasst Durchschnitt

Vital Heynen (49) ist einer der besten Volleyball-Trainer der Welt. Der Belgier coachte Polen zum Weltmeistertitel und trainiert gleichzeitig Bundesligist VfB Friedrichshafen. Am Sonntag will er mit seinem Team deutscher Pokalsieger werden.

Breitbeinig steht Vital Heynen in der Halle. "Six-five", ruft er seinen Spielern zu, die grad am Netz an ihrer Blockarbeit feilen. Bei diesem internationalen Spieler-Mix machen Anweisungen in englischer Sprache am meisten Sinn. Die Halle ist der Lieblingsplatz des belgischen Trainers. Vital Heynen liebt seinen Job. Sein Lebensmotto lautet: Spaß haben und nicht die Leichtigkeit verlieren.

"Als Kind lernst du spielen. Wenn wir erwachsen werden, machen wir den Fehler, dass wir aufhören zu spielen. Demjenigen, dem es gelingt, im Leben weiter zu spielen, der hat Spaß", sagt der 49-Jährige im SWR-Gespräch. Der Spaß an seiner Arbeit steht für Heynen im Vordergrund: "Du kannst nicht etwas machen für Geld. Das ist Quatsch. Geld ist eine Folge. Du musst etwas machen, weil du es gerne machst."

Ritterschlag: WM-Titel

Mit Spaß zum Erfolg. Als Nationaltrainer gewann Heynen 2014 WM-Bronze mit Deutschland, mit dem VfB Friedrichshafen wurde er bisher zwei Mal Pokalsieger und drei Mal Supercupsieger, und zuletzt folgte der Ritterschlag: Weltmeistertitel mit Polen 2018. Dieser Triumph brachte ihm auch die Auszeichnung "Volleyball-Trainer des Jahres 2018" durch den Europäischen Volleyball-Verband. Bei der Gala in Budapest zeigte Heynen seinen Humor und verteilte großzügig Mitbringsel aus seiner Heimat.

Bundesliga-Trainer und Nationalmannschafts-Coach - Vital Heynen hat zwei Jobs. Also verbringt er viel Zeit im Auto. Jährlich fährt Heynen bis zu 90.000 Kilometer, pendelt zwischen Bodensee, Polen und Belgien, wo seine Familie lebt. Egal, wo er sich grad aufhält: Der Mann lebt im Hier und Jetzt und ist immer fokussiert auf den Moment. Wie an diesem Vormittag auf das Training in Friedrichshafen. Heynen ist ein akribischer Lehrer.

"Ich will nicht Durchschnitt sein"

David Sossenheimer, 22-jähriger Außenangreifer beim Bodensee-Klub, weiß das zu schätzen. "Er sieht grad im technischen Sinne sehr viel Kleinigkeiten und arbeitet mit jemandem so lange, bis er es besser macht", erzählt er. "Das kann wirklich nerven, wenn man sich im Training hundert Mal anhören darf, was man falsch macht. Aber es macht einen besser."

Vital Heynen ist ein spezieller Typ mit speziellen Trainingsmethoden. Eins will er aber auf keinen Fall sein: normal. "Ich habe meinen Spielern immer am ersten Tag gesagt 'Sag nicht, dass ich Durchschnitt bin. Sag, dass ich schlecht bin oder gut. Das ist für mich unwichtig. Aber nicht Durchschnitt.'"

Heynen ist es ein Anliegen, seine Spieler möglichst gut kennen zu lernen. Nicht nur während des Trainings- oder Spielbetriebs. Der Belgier baut bewusst eine persönliche Bindung zu den langen Kerls seiner Mannschaft auf. Er betont allerdings auch, dass er als Trainer "niemals der Freund der Spieler" sein könne. "Aber ich habe eine Beziehung zu ihnen. Das ist etwas anderes. Ich weiß alles über sie. Ich kenne ihre Freundinnen, ich weiß die Namen ihrer Kinder, die Geburtstage. Alles. Also, fast alles."

Kochen für die Spielerfrauen

In Belgien hat er mal alle Frauen der Nationalmannschafts-Spieler einen Tag zu sich nach Hause eingeladen. "Meine Kinder haben gekocht und wir haben alle zusammen gegessen. Und dann verstehst du automatisch die Spieler besser." Wenn er mit einer Nationalmannschaft teilweise mehrere Wochen unterwegs ist, dürfen die Frauen der Spieler immer dabei sein. Heynen weiß: "Die Frauen sehen Sachen, die ich nicht sehe. Wenn ich mit der Frau eines Spielers spreche, erzählt sie mir manchmal Sachen, die ich nicht sehen würde." In seinem Trainer- und Betreuerstab legt Heynen großen Wert darauf, dass immer Frauen im Team dabei sind. "Frauen haben Qualitäten, die wir Männer nicht haben. Das versuchen wir, in Balance zu bringen."

Was fehlt? "Eine olympische Medaille"

In wenigen Monaten feiert der vitale Heynen seinen 50. Geburtstag. Da stellt sich die Frage nach den Zielen, die er als Trainer noch erreichen möchte. "Ich möchte mit Polen in 2020 eine olympische Medaille gewinnen. Die fehlt mir noch", sagt er. Und danach? "Ich weiß es nicht", gesteht er ehrlich. "Da ist ein großes Fragezeichen. Ich weiß nicht, was noch kommt. Ich bin gespannt."

Aber jetzt will er erst einmal mit dem VfB Friedrichshafen am Sonntag seinen dritten Pokaltriumph in Folge feiern.

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