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Die 17-jährige Marie Hänle hat den Spagat zwischen Schule und Leistungssport gemeistert. Ihrem Abitur mit der Note 1,5 folgt jetzt der erste Vertrag bei einem Volleyball-Bundesligisten.

Ein Spagat ist nicht unbedingt die Spezialität von Volleyballerinnen. Marie Hänle hat ihn trotzdem hinbekommen: Die Vereinbarkeit von Schule und Spitzenvolleyball. Doch mit der Schule ist jetzt Schluss. Sie hat dieser Tage ihr Abitur am Schickhardt-Gymnasium in Stuttgart gemacht - mit einem hervorragenden Notenschnitt von 1,5. "Ich freue mich natürlich, aber es fühlt sich auch etwas komisch an," sagt sie SWR Sport. "Irgendwie habe ich es noch nicht realisiert, dass ich keine Schule mehr habe und alles geschafft habe." Die Eins vor dem Komma war ihr Ziel im Abschlusszeugnis. Dass es geklappt hat, hat sie auch der Ausnahmesituation durch Corona zu verdanken. Die Sporthallen waren geschlossen, das Training verboten. Also blieb mehr Zeit für die Vorbereitung der Abitur-Prüfungen.

Straubing als nächster Karriereschritt

Marie Hänle gilt als großes Volleyballtalent. Bisher trainierte die 1,88 Meter große Diagonalangreiferin vormittags zwei Stunden in der Schule und am Nachmittag dann am Olympiastützpunkt Stuttgart oder beim MTV Stuttgart. Die 17-Jährige spielte dort in der zweiten Mannschaft in der zweiten Liga. Die gebürtige Ulmerin gilt als durchschlagkräftige Spielerin. "Mein Lieblingsschlag ist von der Position zwei hart diagonal," erzählt Marie, die mit 10 Jahren beim TSV Laupheim mit dem Volleyball begann. Block und Aufschlag gehören außerdem zu den Filetstücken in Marie Hänles Volleyball-Repertoire. Ausbaufähig findet sie dagegen noch ihr Abwehrverhalten.

"Was bringt's, wenn man sich den ganzen Tag ärgert?"

Wenn Schule und Leistungssport aufeinander prallen, dann ist für sonstige Freizeitaktivitäten kaum noch Zeit. Das weiß auch Marie Hänle. Traurig ist sie deshalb nur selten. "Was bringt's denn, wenn man sich den ganzen Tag ärgert, dass man nichts mit Freunden unternehmen kann? Im Endeffekt habe ich es mir ja selbst ausgesucht." Sie absolvierte in den vergangenen Jahren ein strammes Tagesprogramm: An Schultagen stand sie um 6.30 Uhr auf, dann zweitstündiges Volleyball-Training in der Schule, Unterricht bis 15.30 Uhr, kurz Essen, und wieder Volleyballtraining im Verein oder am Stützpunkt. Am Abend waren die Hausaufgaben dran, danach noch ein bisschen mit Freunden reden. Das war's.

Abifeier und Urlaub fallen aus

Normalerweise würde jetzt der wohl verdiente Urlaub anstehen. Mit zwei Freundinnen wollte sie verreisen. Doch stattdessen startet Marie Hänle ihr Abenteuer Bundesliga. Die junge Schwäbin wechselt nach Bayern, zu Erstligist NawaRo Straubing. Dieser Trip ist für Marie Hänle sogar noch einen Tick reizvoller. "Ich freue mich voll drauf," sagt die Abiturientin, die auf eine "mega-coole" Zeit in einem jungen Team hofft. Ihren Urlaub will Marie Hänle dann im nächsten Jahr nachholen.

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