Die Stuttgarter Kickers haben den Aufstieg verpasst (Foto: Imago, imago images / Patrick Scheiber)

Fußball | Oberliga Nehmen die Stuttgarter Kickers einen neuen Anlauf?

Die Stuttgarter Kickers sind in der Regionalliga-Relegation gescheitert. Die "Blauen" haben nach dem 1:1 in Alzenau den Aufstieg verpasst. Wie geht es jetzt weiter?

Die große Enttäuschung war bei Martin Braun auch am Tag danach noch allgegenwärtig. "Das ist doch ganz normal", bestätigt der Sportliche Leiter seine Gemütsverfassung nach der gescheiterten Rückkehr in die Regionalliga gegenüber SWR Sport. Fakt ist seit Mittwochabend und dem 1:1 bei Bayern Alzenau: Der Traditionsverein aus Degerloch hat die Relegation verpatzt, muss mindestens ein weiteres Jahr in den Niederungen der Oberliga ausharren.

Braun: "Zehn Prozent haben zum Aufstieg gefehlt"

Warum es nicht mit dem sofortigen Wiederaufstieg geklappt hat? "Dafür gibt es mehrere Mosaikstücke", sagt Ex-Bundesligaspieler Martin Braun, "wir hatten zunächst eine gute Saison, dann die Schwäche-Phase, es gab Verletzungen, mentale Probleme". Am Ende, so Martin Braun, "haben zehn Prozent zum Aufstieg gefehlt, darüber kann jeder mal nachdenken".

Die Relegation mit den beiden Unentschieden gegen Völklingen und Alzenau waren am Ende eine Art Spiegelbild einer ganzen Saison, die zwar mit der Vize-Meisterschaft, aber nicht mit dem angestrebten Aufstieg endete.

Die Trainerfrage bei den Kickers ist noch offen

Wie es jetzt sportlich weitergeht? Zunächst müssen wichtige Personalien geklärt werden. Ganz weit oben steht die Trainer-Frage. Die, so Martin Braun, sei "noch offen". Ob der bisherige Coach Tobias Flitsch auch in der nächsten Saison auf der Bank sitzen wird, oder ob sich ein neuer Trainer den Kickers annimmt, muss in den kommenden Tagen geklärt werden. Gerüchteweise wird auch der A-Junioren-Coach und NLZ-Leiter Marijan Kovacevic gehandelt. Ebenfalls noch ungeklärt ist auch die Zukunft des Sportlichen Leiters Martin Braun selbst. "Prinzipiell ist es so, dass ich mir gut vorstellen kann, zu bleiben", sagt der gebürtige Schwarzwälder, "aber nur dann, wenn erneut ein ernsthafter Versuch unternommen wird, dass die Kickers aufsteigen können". Will sagen: Die Voraussetzungen müssen stimmen.

Das Spieler-Gerüst steht

Wobei "ein gutes Grund-Gerüst" (Braun) bereits steht: Zwölf Spieler aus dem alten Kader haben noch Vertrag, dazu kommen fünf Spieler aus der U19. Die Kickers sind im Nachwuchsbereich immer noch sehr gut aufgestellt. In der vergangenen Saison spielte sowohl die U17 als auch die U19 jeweils in der Junioren-Bundesliga. Das bietet deutschlandweit kein anderer Oberligist. Für Martin Braun ist das "phänomenal, deshalb haben wir auch die fünf Jugendspieler übernommen."

Knapp 1.000 Kickers-Fans in Alzenau

Auch die treuen Kickers-Fans haben bis zum unschönen Schluss beispielhaft mitgezogen. Knapp 1.000 "Blaue" haben die Mannschaft am Mittwoch nach Alzenau begleitet: "Das ist eine Sensation", schwärmt Martin Braun, "diese Unterstützung ist ein großes Geschenk. Daran sieht man, dass der Verein lebt." Die vielen Fans haben aus der Tradition des ehemaligen Bundesligisten aber auch gewisse Erwartungen: "Das sorgt für großen Druck", weiß der Sportliche Leiter, "deshalb müssen wir Spieler finden, die mit diesem Druck auch umgehen können. Das ist eine schwierige Balance."

Die Stuttgarter Kickers sind also ein weiteres Jahr fünftklassig und damit ganz weit weg vom großen Fußball. Erinnerungen an das DFB-Pokalfinale 1987 gegen den Hamburger SV oder das legendäre 4:1 in der Bundesliga beim FC Bayern 1991 verblassen immer mehr. "Unser erstes Ziel muss weiter die Regionalliga sein", verweist Martin Braun auf die bittere Realität. "Und selbst das ist schon sehr anspruchsvoll. Da müssen wir demütig sein."

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