VC Neuwied steigt in die 1. Bundesliga auf (Foto: IMAGO / Eibner)

Volleyball | Bundesliga

Der VC Neuwied startet als Azubi in die Volleyball-Bundesliga

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Lange hat kein Team mehr den Aufstieg ins Oberhaus gewagt. Zum Start der 45. Bundesligasaison steigt der Volleyballclub Neuwied auf - als einziges Team aus Rheinland-Pfalz.

Sie führten die Tabelle der 2. Bundesliga Süd fast ungeschlagen an, hatten nur ein einziges Spiel und die wenigsten Sätze überhaupt verloren. Die Volleyballerinnen aus Neuwied beendeten die letzte Saison souverän als Meister und beantragten somit die Lizenz für das Oberhaus. Nun nennen sie sich "Deichstadtvolleys" - und haben so medienwirksam das Markenzeichen der Stadt in den Vereinsnamen integriert.

Volleyball-Historie in Neuwied

Die erste Liga ist kein Neuland für die Stadt, doch ihr Auftritt dort ist schon einige Jahre her. 1974, dem Gründungsjahr der Männer-Bundesliga, war der Gymnasial-Turn-Ruder-Verein Neuwied (GTRVN) mit dabei. Protagonisten von damals sind noch heute beim VC Neuwied aktiv. Wie damals bei den Männern starten jetzt auch die Frauen im Jahr 2021 als Underdog in die höchste Liga.

Neues Liga-Konzept: Kein Abstieg möglich

Ein neues Konzept der Volleyball-Bundesliga (VBL) sieht vor, dass Aufsteiger zwei Jahre in Ausbildung gehen. Das heißt, sie können nicht absteigen und müssen sich erst im dritten Jahr komplett beweisen. Dieses Modell hilft den Vereinen, um behutsam an die Anforderungen der Volleyball-Eliteliga in Deutschland herangeführt zu werden. In Neuwied überzeugt das Konzept auch Sponsoren, die Gelder deutlich erhöht oder Verträge verlängert haben. Ein Abstieg ist dank des Entwicklungsprogramms der VBL ausgeschlossen. Die Deichstadtvolleys sind also so etwas wie die Azubis in der Bundesliga.

Topvereine unterstützen Liga-Neulinge

Neben zwei Jahren Schonfrist bekommt der Aufsteiger auch einen Ausbildungsleiter an die Seite gestellt. Neben dem MTV Stuttgart, dies ist einer der Favoriten für die Meisterschale und ein erfahrener Erstligist, hilft auch der VC Wiesbaden dem Neuling, sich möglichst schnell an die Liga zu gewöhnen. "Wir sind dann halt die Neulinge, die sich mit den ganzen Gegebenheiten auseinander setzen müssen. Und das sind schon ganz banale Dinge, wie zum Beispiel zu wenig erstliga-taugliche Bälle in der Halle zu haben", erzählt Manohar Faupel, Geschäftsführer der Deichstadtvolleys. "Die Volleyballszene ist aber doch eine große Familie, da hilft sich jeder gern. Da ist kein Gegeneinander, man hilft sich, man trifft sich, man ist mit den Fanclubs unterwegs", schwärmt Faupel weiter.

Saisonziel ist ein schwieriges Thema

"Der Trainer kann der Mannschaft ja jetzt schlecht den vorletzten Platz als Ziel geben", erklärt der Geschäftsführer. Schon das zu erreichen wird anspruchsvoll, denn alle Mannschaften haben sich verstärkt und auch am Letzten muss man erstmal vorbeikommen. Trainerteam und Spieler haben sich zusammengesetzt und darauf geeinigt, die Saison zu beginnen und sich nach ein paar Matches ein geeignetes Saisonziel zu definieren.

Kaum Erfahrung in der Liga

Viele Abgänge, noch mehr Zugänge gibt es beim einzigen Erstligisten aus Rheinland-Pfalz. Das Team der Deichstadtvolleys ist jung und es fehlt ihnen an Erfahrung im Bundesliga-Oberhaus. "Was wir definitiv unterschreiben können ist, dass wir die jüngste Mannschaft sind, dass wir die wenigste Erfahrung in der ersten Liga haben", so der Geschäftsführer. Nur zwei Spielerinnen konnten bereits Luft in einer der stärksten Liga Europas schnuppern. Viele andere Spielerinnen kommen aus College-Mannschaften aus Amerika oder aus anderen europäischen Ligen.

Konzept ohne Abstieg nimmt Druck

Klar ist aber, dass sich die Mannschaft aufgrund des Konzepts der VBL um den Abstieg keine Sorgen machen muss. Sie kann sich finanziell und sportlich innerhalb von drei Jahren entwickeln. "Diese berühmten Fahrstuhlmannschaften, die dann eine Saison alles reinpumpen, dann den Klassenerhalt nicht schaffen und wieder absteigen müssen, das fällt weg und nimmt schon Druck", so Geschäftsführer Manohar Faupel.

Rheinland-Pfalz wieder vertreten

Lange ist es her, dass eine Mannschaft aus Rheinland-Pfalz in der Volleyball-Bundesliga mitgemischt hat. "Ich wüsste gar nicht, ob es bei den Frauen in den letzten Jahrzehnten überhaupt eine Mannschaft in der ersten Liga gab", überlegt Faupel. Bei den Männern wurde Rheinland-Pfalz nach den 70er Jahren und dem erwähnten GTRVN nur noch von Maoam Mendig, zuletzt in der Saison 2004/05 vertreten, bevor das Team wegen finanziellen Schwierigkeiten abmelden musste.

Jetzt startet die Volleyballsaison der Frauen mit elf Mannschaften und den Deichstadtvolleys als Neuling. Das Team aus Neuwied gibt sein Bundesliga-Debüt am Mittwoch (6.10.) gegen die Roten Raben aus Vilsbiburg in der heimischen Rhein-Wied-Halle.

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