Zerstörungen durch die Flutkatastrophe im Ahrtal beim TV Sinzig (Foto: Iris Göddel, TV Sinzig)

Flutkatastrophe im Ahrtal

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe: Der TV Sinzig und der Kampf um Normalität

STAND
REDAKTEUR/IN
Johann Schicklinski/ Lea Wagner
INTERVIEW
Anna Klär

Die Flutkatastrophe im Ahrtal ist jetzt genau ein Jahr her. Kaputte Plätze, zerstörte Vereinsheime, weggespülte Anlagen - viele Sportvereine wurden hart getroffen. Einer von ihnen ist der TV Sinzig. Eine Bestandsaufnahme 365 Tage später.

Die Flutkatastrophe im Ahrtal vor genau einem Jahr hat viele Sportvereine hart getroffen. Immense Schäden, zerstörte Anlagen, lange war es für viele Vereine unklar, ob und wie es genau weitergeht. Einer von ihnen ist der TV Sinzig. Iris Göddel, Mitgliederverwalterin des Vereins, hat im Interview mit SWR Sport über die Flutkatastrophe, deren Folgen und die Zukunft für den TV Sinzig gesprochen.

SWR Sport: Die Flutkatastrophe im Ahrtal ist genau ein Jahr her. Auch der TV Sinzig wurde hart getroffen. Wie sieht es ein Jahr später bei Ihnen aus?

Iris Göddel, Mitgliederverwalterin TV Sinzig: Auf dem Sportplatz der Stadt Sinzig, auf dem unsere Leichtathleten trainieren, wurde noch nichts gemacht. Außer, dass etwas sauber gemacht und der Rasenplatz gemäht wurde. Die Kugelstoßer können mittlerweile wieder trainieren, aber die Laufbahnen und die Weitsprunganlagen sind noch immer zerstört. Die Wurfwiese neben dem Sportplatz für Disziplinen wie Diskus, Hammerwurf oder Kugelstoßen konnte mithilfe von Spenden aufbereitet werden, dort wurde neuer Rollrasen verlegt. Aber die Laufdisziplinen müssen noch im Nachbarort Remagen trainieren und es wird auch noch lange dauern, bis die Läufer wieder in Sinzig trainieren können.

Wurfwiese vor der Verlegung des Rollrasens (Foto: SWR)
Wurfwiese vor der Verlegung des Rollrasens

Welche Schäden sind konkret durch die Flutkatastrophe entstanden?

Fast alles war zerstört. Wir hatten die beiden Stadionköpfe neu mit Kunststoffbelag ausgestattet, mit einer Weitsprunganlage und einer Hochsprunganlage, auch das ist alles kaputt. Auf dem übriggebliebenen Bodenbelag kann man niemanden mehr laufen lassen. Insgesamt ist ein Sachschaden von mehreren Millionen Euro entstanden, aber das ist städtischer Bereich. Wir hatten nur die Stadionköpfe gepachtet und ausgebaut. Dazu gab es einen Fußballplatz, auch dieser wurde komplett zerstört.

Seit wann können zumindest die Jugendlichen auf der Wiese wieder trainieren?

Seit etwa zwei Monaten. Zu Beginn wusste erst einmal niemand, wie es weitergeht - ob das Stadion überhaupt wieder aufgebaut werden soll und an welcher Stelle. Das ist immer noch nicht klar.

Wie wurden sie beim Wiederaufbau unterstützt?

Durch ehrenamtliche Helfer und Spenden. Der Rollrasen wurde komplett von einer Firma gespendet. Freiwillige Helfer aus und um den Verein haben dafür die Wiese von den Verschmutzungen freigeräumt und dann den Rasen verlegt. Ohne diese Hilfe hätten wir es nicht geschafft. Die Stadt Sinzig hat zudem geholfen, den Rasen zu pflegen.

Staatliche Hilfen hat der TV Sinzig also nicht erhalten. Haben sie sich als Verein da allein gelassen gefühlt?

Ehrlich gesagt: ja. Zumal wir auch ein Sport-Zelt aufgestellt haben, weil die beiden Turnhallen in der Nachbarschaft zerstört sind und erst in den nächsten Jahren wieder aufgebaut werden sollen. Mit der Unterstützung des Lions Clubs Düsseldorf-Oberkassel haben wir ein Sport-Zelt auf dem Schulhof des Rhein-Gymnasiums Sinzig mit Bodenbelag ausgebaut. Dort finden dann Sportarten wie Gymnastik oder Mutter-Kind-Turnen statt. Dieses Zelt ist allerdings nur bis Februar nächsten Jahres finanziert, dann müssen wir weitersehen. Der Sportbund Rheinland hat uns aber bereits seine Unterstützung zugesagt. Zudem hat ein Helfer-Shuttle unter anderem dafür gesorgt, dass wir in dem Zelt eine Heizung im Winter haben.

Sind denn Hilfen problemlos bei Ihnen angekommen?

Sehr viele Spenden sind angekommen, auch von anderen Vereinen aus ganz Deutschland. Es war nur etwas problematisch, die Genehmigungen für alles zu erhalten. Vom Land Rheinland-Pfalz kam kein Geld zur Unterstützung. Zuerst sind Privatpersonen und Infrastruktur an der Reihe, der Sport wurde hinten angestellt.

Wie blicken Sie jetzt auf das kommende Jahr?

Die Menschen sind erst einmal dankbar, dass überhaupt wieder Sport stattfinden kann - wenn auch in einem kleineren oder anderen Rahmen. Da beschwert sich niemand, dass es im Zelt mal etwas zieht oder im Sommer sehr warm ist. Wir sind dankbar für das, was wir haben und stolz auf das, was wir geleistet haben. Wir hoffen, dass alles in zwei bis drei Jahren wieder normal laufen kann und haben uns damit abgefunden, dass es nicht von heute auf morgen geht.

Was macht dieser Jahrestag mit Ihnen persönlich?

Ich war auch selbst privat betroffen. Das Jahr ist verflogen und hier in Sinzig ist viel gemacht worden. Ich hoffe, dass es weiterhin so gut läuft - oder auch bei manchen noch besser. Ich bin vorsichtig optimistisch.

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