Beim Sprung kommt sie zum Einsatz: Die neue Lasertechnik (Foto: Imago, Michael Weber)

Turnen | Lasertechnik Testlabor Stuttgart: Mehr Turn-Gerechtigkeit mit Lasertechnik

Mit Hightech zu mehr Gerechtigkeit: Bei den am Freitag in Stuttgart beginnenden Kunstturn-Weltmeisterschaften können die Kampfrichter erstmals ein dreidimensionales und lasergestütztes Videosystem zur Bewertung der Übungen nutzen.

Überforderte Kampfrichter, protestierende Trainer, wütende Athleten - dies alles soll bei den am Freitag in Stuttgart beginnenden Kunstturn-Weltmeisterschaften zur absoluten Ausnahme werden. Dafür kommt zumindest am Pauschenpferd, an den Ringen und beim Sprung modernste Technik zum Einsatz, die eigens für die besten Gerätartisten der Welt entwickelt wurde. "Die Turner widmen fast ihre komplette Jugend unserem Sport. Es ist nicht akzeptabel, dass ihre Träume und ihre harte Arbeit durch Fehler der Kampfrichter zerstört werden", sagt Morinari Watanabe, Präsident des Weltverbandes FIG.

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D-Note "von Hand" soll überflüssig werden

Der Japaner hat einen Elektronikkonzern aus seiner Heimat (Fujitsu) animiert, eine Menge Manpower in das Projekt zu stecken. Das Ergebnis ist beeindruckend: Das neue Verfahren zerlegt die Aufnahmen dreier Kameras mit Hilfe von 3D-Sensoren in Tausende von Einzelbildern. Daraus ergibt sich ein dreidimensionales Bild einer Übung, jeder Winkel wird genau berechnet, jede kleine Abweichung von den Vorgaben des Code de Pointage detailliert dargestellt. Die Ermittlung des Schwierigkeitsgrads einer Kür - die sogenannte D-Note - "von Hand" soll damit weitgehend überflüssig werden - und vor allem gerechter.

Erste Tests verliefen positiv

Was bei den Welttitelkämpfen 2005 in Melbourne mit der klassischen Videoüberprüfung begann, geht 14 Jahre später in eine neue Dimension über. Erste Tests in diesem Jahr beim Weltcup-Turnier in Tokio und bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Györ/Ungarn verliefen positiv und stimmen Watanabe zuversichtlich: "Es ist ein großer Schritt in die Zukunft auch für die Zuschauer, denn sie können die Entscheidungen besser verstehen."

Erste große Einsatz der Technik bei WM in Stuttgart

Auch WM-Botschafter Fabian Hambüchen hegt Vorfreude auf die technische Neuentwicklung. "Das könnte vieles erleichtern", sagte der Reck-Olympiasieger, der darauf hofft, dass Proteste gegen den sogenannten Ausgangswert, der sich aus den Bewertungen der Schwierigkeiten ableitet, zukünftig immer seltener eingereicht werden. Weitere Einschätzungen rund um die Turn-WM gab Botschafter Fabian Hambüchen bei seinem Auftritt in der "Landesschau":

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Eine Ausweitung auf andere kompositorische Sportarten erscheint durchaus realistisch. Denkbar wäre ein Einsatz beispielsweise im Wasserspringen. Doch davor steht noch die Welturaufführung auf der ganz großen Turnbühne in Stuttgart.

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