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Die Turn-WM 2019 in Stuttgart war ein voller Erfolg - dank hoher Zuschauerauslastung, begeisternder Stimmung, ehrlichem Sport und nahbarer Athleten. SWR Sport-Reporter Holger Kühner meint, dass das positive Fazit Mut machen sollte, künftige Groß-Events nach Deutschland zu holen.

Die deutschen Turnerinnen und Turner holten bei der Turn-WM 2019 in Stuttgart zwar keine Medaillen, das Publikum hatte indes Gold verdient. Mehr als 100.000 Zuschauer pilgerten an den zehn Wettkampftagen in die Hanns-Martin-Schleyer-Halle, obwohl diese nur 8.500 Zuschauer fasst. Der "Run" war so groß, dass die langen Tage der Qualifikationswettbewerbe von morgens früh bis abends spät geteilt wurden und trotzdem die Auslastung immer hoch war. Selbst am ersten WM-Sonntag kamen um 10 Uhr Morgens schon mehr als 6.000 Zuschauer in die Halle.

Gute Gründe für die Begeisterung

Diese Begeisterung hatte gute Gründe: Turnen, das ja offiziell "Artistic Gymnastics" heißt, hat immer etwas artistisches, spektakuläres und riskantes. Turnerinnen und Turner fliegen, schleudern sich durch die Luft, schwingen, rollen oder tanzen - und stürzen auch manchmal (in Stuttgart gingen alle Stürze glimpflich aus). Die Athleten bieten großartige Unterhaltung - und gerade das Publikum in Stuttgart, wo seit 1983 um den DTB-Pokal geturnt wird, weiß das zu honorieren. Auch wer sich nicht auskennt in dieser manchmal sehr komplizierten Sportart wird mitgerissen. Von der Begeisterung, die von den Sportlern ausgeht, aber auch von den Organisatoren.

Ehrlicher und fairer Sport

Die WM in Stuttgart verlief immer friedlich und sportlich fair. Es gab weder Hassplakate gegen andere Sportler noch Schmährufe oder Aggressionen gegen Kampfrichter und Athleten, die bei dieser WM die deutschen Turnerinnen und Turner besiegt hatten. Die Schwalbe kennt man im Turnen nur als Übungsteil an den Ringen.

Eine Stimmung wie bei Olympischen Spielen

Die Faszination des Turnens macht auch aus, dass die Sportler immer im Mittelpunkt stehen. Selbst Thomas Bach, IOC-Präsident und Chef der Olympischen Spiele, war begeistert. Turnerinnen und Turner kamen zu ihren Wettkämpfen über eine riesige Showtreppe in die Halle - und wurden dabei gefeiert und bejubelt, obwohl sie noch gar nicht geturnt hatten. In der Hanns-Martin-Schleyer- Halle herrschte eine Stimmung wie bei Olympischen Spielen.

Dauer

Warum also nicht endlich mal wieder Spiele in Deutschland und nicht daheim nur vor dem Fernseher? Im SWR-Interview motivierte Thomas Bach die deutschen Sportfunktionäre: "Jeder weiß, dass Deutschland Großveranstaltungen organisieren kann. Inzwischen haben die Leute international begriffen, dass man in Deutschland nicht nur Feste organisieren, sondern dass man sie auch wirklich feiern kann. Und das in so einer sportlich begeisternden Art und Weise wie hier in Stuttgart, das hilft auch in einer möglichen internationalen Präsentation."

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Also auf geht’s: Wir können das. Mutig sein wie die Turner, die Herausforderungen wagen und auch mal scheitern. Klingt veraltet, gilt aber auch für Nörgler: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und vielleicht, ihr lieben deutschen Kleingeister: Lass‘ doch mal machen. Lass' doch mal bewerben um die Spiele. Stuttgart hat vorgelegt. Nicht nur in der Schleyer-Halle.

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