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Seit dem 2. Juni 2020 darf in Baden-Württembergs Hallen wieder geturnt werden. SWR Sport hat das Turntraining beim TSV Schmiden besucht und einige Besonderheiten festgestellt.

Das Ticket in die Turnhalle ist ein unterschriebenes Infektionsschutzkonzept. Endlich darf auch wieder in Baden-Württembergs Hallen trainiert werden. Laut Landesverordnung müssen beim Indoor-Training für jeden Sportler mindestens zehn Quadratmeter einkalkuliert werden. Gekennzeichnete Bereiche sollen helfen, den Abstand von zwei Metern einzuhalten. Umkleiden bleiben geschlossen, geduscht wird zu Hause.

Dauer

"Jetzt ist jeder für sich"

Mit der Unterschrift akzeptieren die Eltern beim TSV Schmiden, dass es "bei Kindersportarten nicht immer möglich sein wird, den Mindestabstand zu gewährleisten". Trainer und Kinder geben aber ihr Bestes, um den nötigen Abstand einzuhalten, auch wenn das Training dadurch einen anderen Charakter annimmt. "Wir dürfen uns nicht zu nahe kommen, müssen immer in den aufgemalten Kästchen bleiben, das ist schon komisch", sagt der 13-Jährige Finn Koch.: "Früher waren wir einfach noch mehr zusammen, jetzt ist eher jeder für sich."

Für das Training wurden verschiedene Altersklassen vermischt. Vor Corona trainierten hier bis zu 40 Personen gleichzeitig. Jetzt dürfen es maximal 15 inklusive Trainer sein. Abhängig vom Alter und Leistungsklasse trainieren die Turnerinnen und Turner in Schmiden zwischen drei und sechs Mal pro Woche. Derzeit sind Pfingstferien, da ist vieles möglich. Wenn die Schule wieder losgeht, braucht es einen neuen Plan.

Turnen ohne Hilfestellung

Hilfestellung ist ein großer Sicherheitsfaktor und gehört zum Turnsport dazu. Durch die Abstandsregel muss darauf aber zunächst verzichtet werden. Trainer Michael Jackl weiß, was das für die Kinder und Jugendlichen bedeutet: "Die Kinder müssen jetzt selbstbewusster sein und mehr Vertrauen zu ihrem eigenen Körper aufbauen." Auf lange Sicht liebäugle man darauf, dass ein von den Eltern unterschriebenes Formular ausgewählten Trainern erlaubt, Hilfestellung zu leisten.

Der erfahrene Turntrainer erklärt: "Eine Hilfestellung ist natürlich sinnvoll, bevor die Kinder nachher am Reck kleben. Matten können einen Aufprall zwar abbremsen, aber nicht halten und fangen wie wir Trainer."

Desinfizieren der Kinder

Die allgemeinen Richtlinien des Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sind laut Michael Jackl eine gute Orientierung, wie Training wieder stattfinden kann. In Turnhallen sind die Geräte aber nicht so leicht zu desinfizieren, weil das Holz oder Leder dabei schneller kaputt geht. "Deswegen werden die Kinder an Armen, Händen, Beinen und Füßen desinfiziert."

Fit durch Online-Training

Die jungen Sportler vom TSV Schmiden müssen keinesfalls bei Leistungsstand Null wieder starten. Die letzten Monate gab es regelmäßig Online-Training. So konnte Trainer Jackl die Kinder und Jugendlichen sehen, bei den Übungen korrigieren und den sozialen Austausch pflegen. "Das lief überraschend gut! Wir haben die Grundlagen erhalten und sogar leichte Fortschritte erzielen können, wie man heute sehen kann", so Jackl.

Wettkämpfe stehen derzeit nicht in Aussicht. Ein Blick in die glücklichen Kindergesichter zeigt aber, dass sie einfach froh sind, wieder gemeinsam turnen zu dürfen. Wenn auch unter besonderen Umständen.

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