Kim Bui bei der Turn-Europameisterschaft in München (Foto: IMAGO, IMAGO / Schreyer)

Turnen | Karriereende

Kim Bui nach der Karriere: "Ich weiß jetzt, wie sich Rentner fühlen"

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Vor dreieinhalb Wochen gewann Kim Bui EM-Bronze im Teamwettbewerb. Danach verabschiedete sie sich in den Turn-Ruhestand. SWR Sport hat mit ihr über den emotionalen Abschied, die ersten Wochen in Turn-Rente und ihre Zukunftspläne gesprochen.

Die ersten drei Wochen nach den European Championships hat Kim Bui gut verbracht. Nicht etwa mit Nichtstun - auch wenn sie dem Olympiastützpunkt des Schwäbischen Turnerbunds (STB) in den Wochen nach ihrem Karriereende erst einmal ferngeblieben ist. "Ich habe alles gemacht, auf was ich Bock hatte", strahlt Bui im Gespräch mit SWR Sport. Freunde treffen, Neues ausprobieren - Wakeboarden war als Erstes an der Reihe - und zwischendurch den nächsten Urlaub planen. Ein geregelter Alltag wie zu ihren Turnzeiten? Fehlanzeige!

Freizeitstress statt Entspannung

"Ich stehe morgens auf wann es mir passt", so Bui. Klingt nach Entspannung pur, ganz trifft das aber nicht zu. "Tatsächlich ist es ein bisschen zum Freizeitstress geworden, weil ich sehr viele Sachen gemacht habe", lacht die 33-Jährige. "Jetzt weiß ich, wie sich Rentner fühlen, die trotzdem keine Zeit haben, obwohl sie mit ihrem Job aufhören." Für eine Sache hatte die Team-Bronzemedaillengewinnerin von München in den letzten Tagen aber dennoch Zeit: Ihren Rucksack packen und Flüge nach Südostasien buchen.

Singapur, Bali und Lombok sind die angepeilten Reiseziele. Dort will sich Kim Bui treiben lassen. Ihre lange Karriere Revue passieren lassen und vor allem ihr emotionales Karriereende in München verarbeiten. "Das was dort passiert ist, ist immer noch so unglaublich, unfassbar und manchmal auch surreal", blickt die Schwäbin zurück. Vor allem der Zuspruch der Zuschauer nach ihrer letzten Übung am Barren hat nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

"Schöner hätte es nicht sein können"

"Nachdem ich gelandet bin, ist emotional alles über mich eingebrochen", so Kim Bui. "Die Halle hat gebebt, alle sind aufgestanden, es gab Standing Ovations. Das waren Momente für die Ewigkeit für mich. Die werden immer in meinem Herzen bleiben." Genauso wie ihre Teamkolleginnen, mit denen sie den perfekten Ausstand aus dem Turnerleben feiern durfte: Bronze in ihrem letzten Team-Wettbewerb. "Ich glaube, so ein Gefühl habe ich noch nie in meiner Karriere erlebt, und ich bin so dankbar dafür, dass wir das gemeinsam erleben durften. Schöner hätte es nicht sein können."

Jetzt steht aber das Kontrastprogramm zu durchstrukturierten Trainings- und Wettkampftagen an. Ihre Reise mit dem Rucksack hat Kim Bui nur grob geplant. "Mal schauen, wo es mich hintreibt und auf was ich Bock habe", blickt sie entspannt in die Zukunft. Unterkünfte habe sie noch keine gebucht, dafür bliebe aber während des Fluges noch Zeit. "Und dann schaue ich vor Ort. Wo es mir gefällt, bleibe ich ein, zwei Tage länger und wenn es mir nicht gefällt, dann gehe ich einfach früher."

Wer ist Kim Bui ohne Turnen?

Bui möchte abschalten, Surfen gehen und sich selbst finden. "Ich möchte einfach mal schauen: Wer bin ich außerhalb des Turnsports? Sicherlich ist da Raum, um mich zu entwickeln und mich zu finden." Um diese Erkenntnisse festzuhalten, ist sogar eine Biographie in Planung, die im kommenden März veröffentlicht werden soll. "Da ist noch ein bisschen Arbeit zu tun, darauf freue ich mich."

Die Biographie kann aber bis nach dem Urlaub warten. Angst, sich nach ihrer Auszeit weiter im Freizeitstress zu verlieren, hat die Ex-Turnerin keine. "Nach der Reise wird alles klarer. Dann ist der neue Lebensabschnitt klarer geregelt." Und vielleicht findet Kim Bui dann auch wieder Zeit, als Hobbyturnerin bei ihren Ex-Kolleginnen im Olympiastützpunkt in Stuttgart vorbeizuschauen.

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