Elisabeth Seitz (l.), Kim Bui (Mitte) und Emma Malewski bei den Finals 2022 in Berlin (Foto: IMAGO, IMAGO / Jan Huebner)

Turnen | European Championships

Eli Seitz & Kim Bui vor der Heim-EM: Selbstbestimmung bei Turnanzügen steht ganz oben

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AUTOR/IN
Michael Bollenbacher

Sie sind die Dauerbrennerinnen des deutschen Frauenturnens: Elisabeth Seitz und Kim Bui. Die beiden Turnerinnen vom MTV Stuttgart fiebern auf die European Championships hin und erklären, warum Ganzkörperanzüge weiterhin ein ganz wichtiges Thema sind.

Topfit und mit guter Laune präsentiert sich Kim Bui im Kunst-Turn-Forum Stuttgart. Kein Wunder: "Ich fühle mich wie junge 23", sagt sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Kein Wunder: Schließlich sahnte Bui bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin im zarten Turneralter von 33 Jahren gleich zwei Titel ab: am Stufenbarren und am Boden. Nun steht die Heim-EM in München an, alles im Rahmen der European Championships (11.8.-21.8.), wo Bui ihren letzten Wettkampf turnen und ihre jahrzehntelange Karriere beenden wird. Neben Turnen werden bei den European Championships acht weitere Sportarten der Weltöffentlichkeit präsentiert.

"Das wird ein Mega-Event", sagt Kim Bui. Das sagt die 33-Jährige aus Erfahrung, schließlich durfte sie - wie auch ihre Teamkollegin Elisabeth Seitz - 2011 in Berlin bereits eine Heim-EM miterleben. Seitz, mit 23 Titeln deutsche Rekordmeisterin, pflichtet ihrer Teamkollegin bei. "Wunderschöne Sportarten können mal den Fokus auf sich lenken und können glänzen", sagt die 28-Jährige, die nach einer Auszeit für Kopf und Körper erst im April so richtig ins Training einstieg und in München nur am Sprung und ihrem Parade-Gerät, dem Stufenbarren, an den Start gehen wird.

Selbstbestimmtheit bei Turnanzügen: Das tragen, worauf man Lust hat

Eines, was spätestens kurz vor den Wettkämpfen wieder Thema sein wird, sind die Ganzkörperanzüge, die bei Olympia in Tokio weltweite Berühmtheit erlangt haben. Mit dem Ziel ein Zeichen gegen Sexualisierung von Sportlerinnen und für die Selbstbestimmung zu setzen, machten die deutschen Turnerinnen weltweit von sich reden. Auch ein Jahr nach den Spielen ist das Thema noch sehr präsent, wie Seitz und Bui im Gespräch mit SWR Sport deutlich machen.

"Hey, ich ziehe das an, worauf ich Bock hab", das sei von Anfang an die "Message" gewesen, erklärt Kim Bui. Ob das nun ein langbeiniger Anzug sei oder ein kurzbeiniger, soll die Turnerin selbst entscheiden können. Auch deswegen habe sie sich bei den Finals in Berlin an einem Tag für den Ganzkörperanzug und bei den Gerätefinals für einen Anzug ohne die langen Beine entschieden.

Inspiration für andere Turnerinnen: Ganzkörperanzug als Vorreiter

Sie wollen auch andere Turnerinnen motivieren, zu tragen was sie wollen. "Es ist auch Thema in unserem Team", sagt Eli Seitz. Auch intern gebe es im Turnteam immer wieder Gespräche darüber, da man auch bei der Kreation neuer Anzüge vor der Entscheidung steht: "Ist er kurzbeinig oder langbeinig? Wir wollen eben die Wahl haben, weil es uns wichtig ist, dass man nicht verpflichtet ist, einen bestimmten Anzug zu tragen, sondern das tragen kann, worauf man Lust hat", sagt Eli Seitz.

Inspiriert haben die DTB-Turnerinnen schon etliche andere Mannschaften. Kim Bui habe bereits einige Nachrichten von Bundesliga-Vereinen erhalten, die sich langbeinige Anzüge schneidern ließen. Die Turnerinnen aus Hoheneck etwa turnten als erste Vereinsmannschaft in langen Anzügen. "Ihr seid so eine Inspiration für uns gewesen", haben sie mir geschrieben. "Wenn ich sowas dann lese, geht mir das Herz auf", sagt Kim Bui. Der Welt gezeigt zu haben, dass auch langbeinige Anzüge ästhetisch sein können, sei "wahnsinnig toll".

"Bodyshaming" - auch die Kehrseite gibt es weiterhin

"Grundsätzlich merken wir eine extrem positive Veränderung", sagt Elisabeth Seitz in Hinsicht auf Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. Doch auch negative Erfahrungen seien weiterhin normal für die Stuttgarterin. So wurde sie im Netz auch beleidigt, ein User hatte sich abwertend über ihren Körper geäußert.

"Ich bin froh, dass ich gefestigt genug bin und mich das nicht kaputt macht."

Eli Seitz habe sich ein Schutzschild gegen solchen Äußerungen aufgebaut. Gleichzeitig betont sie: "Ich finde es trotzdem schade, dass es sowas noch gibt; denn viele Leute können daran kaputtgehen." Diejenigen, die so etwas schreiben, seien sich vermutlich über die Konsequenzen nicht bewusst. "Und sollte ihnen sogar bewusst sein, dass sie damit jemanden kaputt machen können, ist es umso schlimmer", meint die deutsche Rekordmeisterin.

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