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Die Turnerinnen und Turner saßen schon auf ihren gepackten Sporttaschen. Aber statt nach Düsseldorf zu den Deutschen Meisterschaften zu fahren, bleibt nach der Absage wieder nur Training, aber auch Verständnis.

Wir erwischen Eli Seitz kurz vor ihrer Trainingseinheit in der Turnhalle in Stuttgart. Dank der Ausnahmeregelung für Spitzensportler ist Training weiter erlaubt. Aber der Tag hat für die 22-fache deutsche Meisterin und WM-Dritte von 2018 mit der Absage der Deutschen Meisterschaften begonnen. Ihr markantes Lächeln lässt sie sich dadurch nicht nehmen: "In diesem Jahr schockiert mich nichts mehr", sagt sie und klingt eher ernüchtert und realistisch als überrascht. "Das krasseste war die Olympiaverlegung", sagt die zweimalige Olympiateilnehmerin. "Danach war klar, dass es nur darum geht, die Pandemie in den Griff zu bekommen."

Zuvor hatte der Deutsche Turner-Bund (DTB) das für diesen Donnerstag bis Sonntag in Düsseldorf geplante Multisport-Event mit nationalen Meisterschaften in den olympischen Sportarten Turnen, Rhythmische Sportgymnastik und Trampolin in Absprache mit den zuständigen Behörden in Nordrhein-Westfalen kurzfristig abgesagt. Auf "Basis der aktuellen Verordnungslage" sei die Ausrichtung nicht möglich. Der DTB bedauert die Absage, sah sich in der ersten Woche des bundesweiten Teil-Lockdowns wegen der steigenden Infektionszahlen aber zu dieser Maßnahme gezwungen.

Leistungssport 2020 als mentale Herausforderung

Die deutschen Meisterschaften wären nach der Olympiaverlegung der Saisonhöhepunkt gewesen. Was fehlt ist vor allem Wettkampfpraxis auf dem Weg nach Tokio 2021. "Es wäre schon wichtig gewesen, sich mal mit anderen messen zu können", erklärt Hannes Haßpacher, der Sprecher des Schwäbischen Turnerbunds (STB) die Problematik. Auch für den STB kam die Absage nicht überraschend. "Es ist halt sportlich schade", bringt Haßpacher es noch einmal auf den Punkt. Es ist bewundernswert, was auch Leistungssportler in diesem Jahr stemmen. Denn die größte Herausforderung scheint nicht die körperliche, sondern die mentale zu sein.

Als in Deutschland im Frühjahr das Leben erstmals eingeschränkt war, blieb auch das Kunstturnforum in Stuttgart geschlossen. Umso sorgfältiger achten Athleten und der Schwäbische Turner Bund jetzt darauf, die Chance zu nutzen, weiter trainieren zu dürfen. "Wir sind total froh und dankbar, dass wir trainieren dürfen", sagt Seitz. Der Ausnahme für Spitzensportler sei Dank. "Jede Woche, die wir nicht in die Halle gehen dürfen, fehlt uns dann im nächsten Jahr". Festhalten am großen Ziel, ihrer dritten Olympiateilnahme nach London 2012 und Rio 2016. Auch das gehört zum Realismus dieser Tage. Und zur mentalen Herausforderung im Spitzensport. Kein Wunder, dass die Absage der Deutschen Meisterschaften keinen mehr wirklich aus der Bahn zu werfen scheint.

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