Emelie Petz feiert beim DTB-Pokal in Stuttgart ihre Premiere bei den Senioren (Foto: picture-alliance / Reportdienste, SWR, Verwendung weltweit)

Turnen | DTB-Pokal DTB-Pokal: Für Emelie Petz die Premiere im Wohnzimmer

AUTOR/IN

Der DTB-Pokal ist für Emelie Petz der erste internationale Wettkampf bei den Senioren. Die 15-jährige Turnerin aus Backnang hat dieses Jahr aber noch viel mehr vor.

Emelie Petz hat eigentlich immer ein Lächeln im Gesicht - das liegt in ihrem Naturell. Aktuell hat sie jedoch noch mehr Grund zu strahlen: Bundestrainerin Ulla Koch hat die 15-jährige Schülerin für den Kader bei der Team-Challenge beim DTB-Pokal nominiert. "Ich habe mich riesig über die Nominierung gefreut. Als die Mail von der Bundestrainerin kam, musste ich sie sofort öffnen", erzählt Petz mit strahlenden Augen. Ende März wird sie 16 Jahre alt, der 2003er-Jahrgang darf dieses Jahr erstmals bei den Seniorinnen starten. Den ersten Wettkampf bei den Großen darf die mehrfache deutsche Juniorenmeisterin also beim DTB-Pokal am kommenden Wochenende turnen, nur wenige Meter von ihrer Trainingshalle, dem Kunst-Turn-Forum, entfernt. Es dürfte in der Arena besonders laut werden, wenn Petz ans Gerät geht. Neben ihrer Familie wird auch ihre gesamte Schulklasse in der Stuttgarter Arena sitzen.

Dauer

Keine Konkurrenz in der Jugend

Dass ihre Senioren-Premiere ausgerechnet in Stuttgart ist, passt zur Bilderbuch-Karriere der sprunggewaltigen Petz. National überragte sie in den vergangenen Jahren ihre gleichaltrigen Konkurrentinnen, gewann vier Mal in Serie den Mehrkampftitel bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften. Zuletzt gewann sie zwei Mal in Folge neben Gold im Mehrkampf auch alle vier Einzelgeräte.

Auch international war Petz schon im Einsatz. Bei den Europäischen Olympischen Jugendspielen gewann sie 2017 Silber am Boden, führte ihr Team zu Bronze in der Mannschaftswertung. Jetzt beginnt für sie bei den Seniorinnen ein neues Kapitel: "Ein bisschen trauere ich der erfolgreichen Juniorenzeit nach, aber ich habe mich schon so lange drauf gefreut Seniorin zu sein, jetzt freue ich mich auf alles was kommt." Trainiert wird Petz in Kunst-Turn-Forum von Marie-Luise Probst-Hindermann, Robert Mai und Elena Dolgopolova. Bereits seit 2008 ist sie in der Talentschmiede des Schwäbischen Turnerbundes.

Dauer

Verletzung bremst Petz aus

Eigentlich war Petz auch für die Olympischen Jugendspielen 2018 in Buenos Aires qualifiziert. Ihren Start musste sie aber Absagen, da ihr Sprunggelenk immer wieder Probleme machte. Der Verzicht auf die Spiele in Südamerika war letztendlich die richtige Entscheidung, wie sie heute weiß: "Mir wurde ein zusätzliches Knochenteil entfernt, was sich immer wieder entzündet hat." Teilweise waren die Schmerzen so schlimm, dass sie bei Wettkämpfen auf das Einturnen verzichten musste und nur wenn es um Punkte ging auf die Zähne biss. Mittlerweile muss die Turnerin aus Allmersbach im Tal (bei Backnang) keine Rücksicht mehr nehmen und kann den Fuß wieder komplett belasten. Neben ihrer Sprungstärke zeichnet die junge Schwäbin auch ihr Fleiß und ihre Motivation aus. "Emi war eigentlich immer die Jüngste in der Trainingsgruppe. Das fiel aber nie auf, weil sie schon immer gut mit den Großen mithielt", erklärt ihr Trainer Mai und ergänzt: "Man kann mit ihr arbeiten wie mit einer Erwachsenen." Das bestätigt auch Elena Dolgopolova, die ehemalige russische Olympionikin ist in Stuttgart hauptsächlich für die Choreografien und den Balken zuständig: "Sie ist sehr intelligent und kann Korrekturen gut umsetzen, außerdem turnt sie sehr elegant". Petz ist im Vergleich zu anderen Turnerinnen recht groß und physisch sehr stark. Dadurch wirken ihre Übungen einfach und elegant, was ihr viele Punkte von den Kampfrichtern bringt.

Dauer

Finale ist das Ziel

Bei ihrer Premiere wird sie in der Qualifikation am Freitagvormittag am Sprung, Stufenbarren und Schwebebalken auf Punktejagd für Deutschland gehen. Zusammen mit Pauline Schäfer, Leah Grießer, Lisa Zimmermann und Isabelle Stingl will sich Petz für das Finale am Samstag qualifizieren. An ihrem Lieblingsgerät Boden hat sie noch Trainingsrückstand, die alte Übung ist noch nicht sicher genug. Bis Oktober sollen vor allem am Boden und Stufenbarren noch Schwierigkeiten in die Übung kommen, am Sprung soll die Doppelschraube sicher sitzen.

Dauer

Kommt noch ein Heimspiel dazu?

Neben dem DTB-Pokal kann für die Zehntklässlerin in diesem Jahr noch ein weiteres Heimspiel dazukommen. Im Oktober kämpfen in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle die besten Turnerinnen und Turner um WM-Medaillen. Alles ist auf das Highlight ausgelegt, die neuen Schwierigkeiten sollen dann sicher in den Übungen stecken. Für ihre Trainer ist Petz bei der WM dabei, sofern sie gesund bleibt und der Trainingsplan aufgeht. Sie selbst gibt sich deutlich zurückhaltender: "Jetzt gerade fehlt in den Übungen noch was, aber ich werde Schritt für Schritt meine Übungen aufstocken und dann hoffentlich im Team sein." Bei einer WM-Nominierung dürfte ihr Lächeln noch viel größer sein, als es ohnehin schon ist.

AUTOR/IN
STAND