Turnen - Fabian Hambüchen Fabian Hambüchens letzter Abgang

Seine internationale Karriere hat Fabian Hambüchen schon nach der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rio beendet. Nach dem Bundesliga-Finale in Ludwigsburg hat der 30-Jährige seine Karriere komplett beendet.

Weltklasse-Turner Fabian Hambüchen nimmt Abschied (Foto: SWR, Schreyer)
Weltklasse-Turner Fabian Hambüchen nimmt Abschied Schreyer

Am Reck drehte Fabian Hambüchen nochmal eine fast perfekte Runde. Beim Bundesliga-Finale in Ludwigsburg den letzten Wettkampf seiner Karriere und sicherte er dem KTV Obere Lahn noch einmal wichtige Punkte. Auch am Boden machte Hambüchen eine gute Figur. Im Kampf um Platz drei gewann Hambüchens Team gegen den MTV Stuttgart. Im Finale, in dem der KTV Straubenhardt die TG Saar besiegt hat, durfte Hambüchen die Füße hochlegen und entspannt zuschauen. Denn seine Karriere hatte der 30-Jährige zu diesem Zeitpunkt bereits beendet.

Hambüchen hatte "Pippi in den Augen"

Seinen letzten Auftritt genoss er sichtlich. Die etwa 3.500 Zuschauer feierten Hambüchen und der zeigte sich gerührt. "Da war schon ein bisschen Pippi in den Augen, da war viel Wehmut dabei", räumte er ein. Von der internationalen Bühne ist Hambüchen vor mehr als einem Jahr abgetreten: Die Olympischen Spiele in Rio 2016 waren der goldene Abschluss einer großen Turner-Karriere, die in Hessen, genauer gesagt in Wetzlar begann.

Schon mit zwei Jahren turnte er auf den Matten und drehte sich wenig später am Reck. Immer trainiert von Vater Wolfgang Hambüchen. Mit 16 Jahren turnte sich Fabian Hambüchen bei seinen ersten Olympischen Spielen in Athen 2004 ins Bewusstsein und in die Herzen der Deutschen. Damals noch mit Harry-Potter-Brille. Danach turnte er in der Bundesliga. Unter anderem für den KTV Straubenhardt im Schwarzwald, später ging er auch für eine Saison für den MTV Stuttgart an die Geräte. Im Jahre 2007 folgte dann der erste große internationale Triumph: Vor heimischen Publikum in Stuttgart holte der 1,63 Meter große "Turnfloh", wie Hambüchen genannt wurde, den Weltmeister-Titel am Reck.

Fabian Hambüchen turnt bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 (Foto: Imago, imago)
Fabian Hambüchen turnt bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 Imago imago

Ein Jahr später reiste er als großer Favorit zu den Olympischen Spielen nach Peking. Doch der Traum vom Gold zerplatzte. Die Nerven spielten Hambüchen einen Streich – die Bronzemedaille war nur ein schwacher Trost.

Vier Jahre später verpasste Hambüchen wieder nur knapp Gold: In London 2012 sicherte er sich olympisches Silber. Für ihn war es ein großer Erfolg, den er in vollen Zügen genoss. Denn nach seinem Achillessehnen-Riss im Vorfeld der Spiele hatte mit Hambüchen kaum einer mehr gerechnet.

Vom Turn-Floh zum Turn-Riesen

Ähnlich die Situation vor Rio 2016. Wieder Pech mit einer Verletzung, diesmal war es die Schulter. Drei Monate konnte Hambüchen nicht trainieren. Den Riss in der Supraspinatus-Sehne hatte sich Deutschlands "Sportler des Jahres" bereits im Februar 2016 zugezogen und seine Olympia-Vorbereitung und die Wettkämpfe in Rio nur unter Schmerzen durchgezogen. Doch ihm gelang der perfekte Abgang an seiner Disziplin, dem Reck: Der Turn-Floh wurde zum Turn-Riesen, holte endlich Gold.

Fabian Hambüchen erturnt in Rio de Janeiro die Goldmedaille am Reck (Foto: Imago, Rene Schulz)
Fabian Hambüchen erturnt in Rio de Janeiro die Goldmedaille am Reck Imago Rene Schulz

Nach diesen Olympischen Spielen beendete Fabian Hambüchen seine internationale Karriere, lies sich sein "Sieger-Reck" von Brasilien nach Deutschland einfliegen und legte, nach einer erneuten Operation, national eine Pause ein. Doch ganz ohne Turnen ging es nicht: Im Oktober diesen Jahres feierte Hambüchen im Trikot des Bundesligisten Obere Lahn sein "kleines" Comeback in der Römerhalle von Heilbronn. Von seinen Fans wurde der Turn-Star gefeiert wie in alten Zeiten.

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