Sebastian Kienle bestreitet 2022 seinen letzten Ironman auf Hawaii. (Foto: IMAGO, IMAGO / Belga)

Ironman Hawaii

Kienles letzter Hawaii-Akt: "Kann das ziemlich befreit angehen"

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Sebastian Kienle wird am kommenden Wochenende seinen letzten Ironman auf Hawaii bestreiten. Der Triathlet aus Mühlacker gewann 2014 auf der Insel den WM-Titel. Ehe er 2023 seine Karriere beenden wird, erwartet er bei seiner neunten Teilnahme einen besonderen Ziel-Moment.

Für Kienle wird es am kommenden Wochenende ein ganz besonderes Rennen (Samstag, ab 18:25 Uhr MEZ). 2012 startete er auf Hawaii zum ersten Mal bei der Ironman-Weltmeisterschaft. Auf jedem der drei Podestplätze stand er schon mindestens einmal. 2014 gelang ihm sein Meisterstück. 2022 tritt er wieder an, mit 38 Jahren auf seiner langen Abschiedstournee. "Ich kann das jetzt ziemlich befreit angehen", sagt Kienle in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. So richtig schön findet er das aber gar nicht. 

Vor knapp einem Jahr haben Sie angekündigt, dass Ende 2023 ganz Schluss sein soll - wie fühlt sich so eine lange Abschiedstournee an? 

Sebastian Kienle: Das habe ich mit gewissen Hintergedanken gemacht. Man kann sich durch so eine relativ lange Abschiedstournee immer mehr damit abfinden und anfreunden, dass es danach vorbei ist. Ich hoffe, dass der Körper durchhält und ich noch ein paar gute Rennen nächstes Jahr machen kann. 

Sie gelten als Sportler mit klaren Gedanken, als charakterstark. Was hat Sie im Leben bisher am meisten geprägt? 

Kienle: Rückblickend muss man ganz klar sagen, dass mich meine Kindheit am stärksten geprägt hat. Ich hatte einfach unheimliches Glück mit meinen Eltern, mit meiner Familie und habe es jetzt mit meiner Frau. Es prägt einen am meisten das Umfeld, in dem man aufwächst und das einem die Freiheit und die Möglichkeit gibt, das zu tun, was man liebt. 

Ironman als Abbild für das Leben

Inwiefern ist ein Ironman-Rennen auch so etwas wie komprimierte Lebenserfahrung: Höhen, von denen man sich nicht zum Übermut verleiten lassen darf, und Tiefen, die einen nicht aufhalten dürfen? 

Kienle: Ich glaube, das ist schon zutreffend. Wenn man es mal mit einem 100-Meter-Lauf vergleicht, gibt es da eigentlich keine großen Höhen und Tiefen. Der ist schon vorbei, ehe man auch nur einen Gedanken fassen kann. Beim Ironman geht man tatsächlich durch viele Höhen und Tiefen. Manchmal hat man beide Extreme in einem einzigen Rennen. 2018 zum Beispiel bei der WM auf Hawaii kam ich aus dem Wasser und war nahezu ekstatisch. Keine 10, 15 Minuten später kam das Tief. Aus dem habe ich mich damals wieder rausgekämpft, letztlich musste ich aber aufgeben. Was man dennoch lernt: Es gibt immer eine neue Chance, das kann auch abseits des Sports sein. Und es bringt einfach nichts, in der Vergangenheit rum zu graben und zu hadern. Wobei mir das zugegebenermaßen unheimlich schwerfällt. Ich kann es daher auch sehr gut nachvollziehen, wenn jemand Schwierigkeiten hat, Niederlagen abzuhaken. Ich kann mich heute noch emotional in die Rennen versetzen, die nicht so liefen. Siege habe ich meist schnell abgehakt. 

Kienle vor letzter Hawaii-Teilnahme

Sie haben mal über Versagensängste gesprochen und dass diese Sie sowohl in ihrem Physik-Studium angetrieben hätten als auch in Triathlon-Rennen ein Motor seien. Können Sie ihre letzte Ironman-WM nun befreiter angehen? 

Ja, ich kann das jetzt ziemlich befreit angehen. Eigentlich ist das auch nicht schön, weil es bedeutet, dass ich hier sicher nicht in der Topfavoriten-Position bin. Aber ich glaube auch, dass es nicht so verkehrt ist. Die Erwartungen jetzt sind schon deutlich niedriger, wobei ich auch sagen würde, ich bin nicht komplett chancenlos. Es ist mein Ziel zu zeigen, dass ich noch vorn mitspielen kann. Es gab noch nie so viele Athleten, von denen man sagen konnte, sie haben die Chance, das Rennen zu gewinnen. Ich bin immer noch einer davon, auch wenn meine Chance irgendwo bei fünf Prozent angesiedelt ist. Unter die ersten Zehn zu kommen, wäre schon ein Erfolg. 

"Ich hatte oft schlechte Laune"

Welches wird der Moment am 8. Oktober 2022 sein, der Sie emotional am ehesten berühren wird? 

Sebastian Kienle: Die Frage ist schwierig zu beantworten. Das kann ich erst nach dem Rennen wirklich sagen. Ich tippe aber mal darauf, dass es der Moment des Zieleinlaufs sein wird, wenn meine Familie dort sein wird. Das hat das Potenzial zum emotionalen Höhepunkt. Es ist einfach schön, dass mein Sohn, der etwas älter als ein Jahr ist, das miterleben kann. Auch, wenn er sich später vermutlich nicht so dran erinnern wird.

Wer dankt es Ihnen denn am meisten, dass Sie nach diesem Jahr nur noch so etwas wie eine Schaulauf-Saison machen und dann ganz Schluss: Ihre Frau und ihr kleiner Sohn, ihr von Verletzungen immer wieder geplagter Körper oder Sie selbst?

Sebastian Kienle: Die nächste Saison wird zwar meine letzte Saison, aber ich kann schon noch mal probieren, möglichst viele und möglichst gute Rennen zu machen. Vor allem die, bei denen ich bisher noch nicht starten konnte. Beim Dank ist es am Ende von allem ein bisschen. Meine Frau dankt es mir vor allem deswegen, weil ich durch die Verletzungen oft auch schlechte Laune hatte. Es ist einfach eine schwierige Situation, wenn man die eigenen Erwartungen nicht mehr erfüllen kann. Andererseits hat der Lifestyle als Profisportler gerade auch im Triathlon sehr gute Seiten. Es ist genau das richtige Maß an Anerkennung und man sieht viel von der Welt. Das wird fehlen. 

Als Zimmermann gegen Fachkräftemangel

In einem Podcast für Ihren Sponsor haben Sie gesagt, dass man mit einem Physik-Studium alles machen könne, von Finanz-Programmierer bis Bundeskanzler. In welche Richtung kann es denn bei Ihnen nach der Karriere gehen, auch vor dem Hintergrund, dass Sie sich sehr für das Thema Nachhaltigkeit einsetzen?

Sebastian Kienle: Ich habe so viele Ideen, dass ich am Ende von allem ein bisschen machen werde. An erster Stelle wird aber erst einmal die Familie stehen. Es gibt ansonsten auch schon die eine oder andere Möglichkeit, wie ich dem Sport verbunden bleiben könnte.  Mir gefällt einfach das Umfeld im Triathlon. Dann würde ich aber auch gern etwas machen, das gar nichts mit dem Sport zu tun hat, nachdem er 20 Jahre lang praktisch 24 Stunden am Tag mein Leben bestimmt hat.  Ich kann mir durchaus vorstellen, okay, vielleicht nicht unbedingt Finanz-Programmierer zu werden, aber Zimmermann. Den Fachkräftemangel in Deutschland bekämpfen. Das wäre doch was. 

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