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Seit dem 15. Februar gilt in Baden-Württemberg eine neue Corona-Verordnung. Für den Amateur- und Breitensport gibt es allerdings weiterhin keine Lockerungen, unter anderem müssen auch die Tennishallen geschlossen bleiben. Die Tennisverbände prüfen juristische Schritte.

"Diese Maßnahmen sind unverhältnismäßig“, findet Stefan Hofherr. "Wir haben sämtliche Anregungen gemacht, wie wir auf eine stufenweise Öffnung zukommen könnten, alle wurden ignoriert. Allgemein wird über den Amateursport relativ wenig gesprochen", zeigt sich der Präsident des Württembergischen Tennis-Bundes (WTB) enttäuscht. Seit Monaten kämpfen die Verantwortlichen in Baden-Württemberg darum, dass sie ihre Hallen wieder öffnen dürfen. Bislang ohne Erfolg.

Samuel Kainhofer: "Kommen, spielen, gehen"

"Abstandsregeln, zwei Personen pro Platz, genaue Nachvollziehbarkeit, wer wann gespielt hat", nennt Hofherr nur einige Ideen. "Wir haben umfangreiche Konzepte dargelegt, die einen verantwortungsbewussten Umgang zulassen und im Tennissport relativ einfach umsetzbar sind", sagt er im Gespräch mit SWR Sport. Gemeinsam mit dem Badischen Tennisverband (BTV) hätte der WTB immer wieder Vorschläge aufgezeigt, wie Tennis in der Halle "unter der Einhaltung strenger Hygienevorschriften" funktionieren könne.

Erste Gespräche mit dem Sozialministerium im Dezember seien durchaus positiv verlaufen, berichtet Samuel Kainhofer, der BTV-Geschäftsführer. Seitdem liefe die Kommunikation eher schleppend. Kainhofer wünscht sich "eine differenzierte Betrachtung der einzelnen Sportarten". Da Tennis keine Kontaktsportart sei und die Spieler in der Halle rund 20 Meter auseinander stünden, könnten die Hygieneregeln sehr gut eingehalten werden. "Einzel spielen getreu dem Motto 'kommen, spielen, gehen'", schlägt Kainhofer als ersten Schritt einer Lockerung vor. Die Umkleiden und der Sanitärbereich würden weiterhin geschlossen bleiben.

Stefan Hofherr: "Paradoxer Sporttourismus"

Die wochenlangen Versuche der Tennisverbände, die Regierung von der Öffnung der Hallen zu überzeugen, waren bislang erfolglos. Die Konsequenz: Einige Sportler weichen weiterhin in angrenzende Bundesländer aus, in denen Tennis in der Halle gespielt werden darf, beispielsweise nach Hessen. "Die Hallenbetreiber dort sind ausgebucht von morgens bis abends", sagt Kainhofer. "Da stellt sich die Frage, was besser ist: 80 bis 90 Kilometer weit fahren, um Tennis zu spielen, oder in der Halle vor Ort zu spielen, da man aktuell sowieso auf unnötige Reisen verzichten soll."

Stefan Hofherr teilt seine Ansicht. "Das ist eigentlich paradox. Wir haben jetzt einen kleinen Sporttourismus. Das kann nicht Sinn und Zweck der Corona-Regelungen sein." Dass die Regelungen von Region zu Region stark abweichen, könne er nicht nachvollziehen. "Wir sprechen hier von einem globalen Virus. Dass es dann zu unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern kommt, macht das Ganze unverständlicher. Es gibt ja Landesregierungen, die das zulassen. Die werden sicher auch die Gefahren abgewogen haben", sagt der WTB-Präsident.

Rechtliche Schritte könnten bald folgen

Die Inzidenzwerte in Baden-Württemberg liegen aktuell bei etwa 50, Mitte Dezember waren sie vielerorts viermal so hoch. "Das ist eine drastische Veränderung zu dem Zeitpunkt, als die Maßnahmen getroffen worden sind. Wir haben aber immer noch die erheblichen Einschränkungen. Wir sehen die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gegeben", sagt Hofherr. Mittlerweile seien die Fallzahlen sogar teilweise unter dem Punkt, unter dem sie im Herbst waren, als die Tennishallen noch geöffnet waren, merkt sein Kollege Kainhofer an. Aus diesem Grund wollen der WTB und der BTV nun gemeinsam prüfen, ob eine Klage sinnvoll wäre.

Bis vor Kurzem hätte der juristische Weg noch wenig erfolgsversprechend ausgesehen, unter den neuen Voraussetzungen könnte das aber anders sein. Ein Jurist für Verwaltungsrecht prüft derzeit, ob rechtliche Schritte sinnvoll wären. "Wir wollen nicht mit der Brechstange vorgehen. Es muss vernünftig abgewogen werden und es muss natürlich eine gewisse Erfolgsaussicht bestehen", sagt der WTB-Präsident. Sollten die Erfolgsaussichten nach der Untersuchung weiterhin sehr gering sein, "würden die Verbände auf eine Klage verzichten", teilt der BTV-Geschäftsführer seine Meinung.

Was bleibt, ist der "große Wunsch, dass dem Amateursport eine Perspektive aufgezeigt wird", sagt Hofherr. "Wir sind im Tennissport bereit, sämtliche Hygienevorschriften mit höchster Sorgfalt umzusetzen. Wir haben im Sommer bereits bewiesen: Der Tennissport kann corona-konform betrieben werden, das geht im Winter in der Tennishalle genauso."

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