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Spiel, Satz, Sieg. In einigen deutschen Tennishallen darf unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften gespielt werden. In Rheinland-Pfalz bleibt das auch bis zum Jahresende verboten. Ein Sportlehrer aus Montabaur möchte sich damit nicht abfinden. Er hat eine Online-Petition gestartet.

"Kontrollieren, wer die Halle betritt, gestaffelte Trainingszeiten, Vorgaben für die sanitären Anlagen." Für Christian Klapthor, Sportlehrer und Trainer aus Montabaur, gibt es "100 Möglichkeiten", wie Tennis trotz Corona auch im Winter möglich wäre. Und zwar so, dass "keine Infektion stattfinden kann." Doch die Tennishallen in Rheinland-Pfalz bleiben vorerst geschlossen. So hat es die Landesregierung entschieden.

Tennis-Tourismus zwischen Pandemie und Regelchaos

"Für mich ist es komplett unverständlich, dass man uneinheitliche Regeln hat", sagt Klapthor im Gespräch mit SWR Sport. "Ich hätte den Mund nicht aufgemacht, wenn jemand gesagt hätte: wir verbieten das in ganz Deutschland, wir wollen keine Ausnahmen machen, das Risiko ist zu groß." Dass die Tennishallen in Rheinland-Pfalz dicht bleiben müssen, während in vielen anderen Bundesländern gespielt werden darf, kann der Sportlehrer jedoch nicht nachvollziehen.

In angrenzenden Bundesländern, wie zum Beispiel in Hessen und dem Saarland, ist Tennis in der Halle aktuell erlaubt. Die Folge: Immer mehr Sportler aus Rheinland-Pfalz zieht es in die Nachbarschaft, um Tennis unterm Dach spielen zu können. Der 36-jährige Tennisliebhaber sieht das kritisch: "Was passiert, ist genau das, was verhindert werden soll. Es kommt zu Kontakten und Fahrten, die es sonst nicht geben würde", kommentiert er die Situation. "Das kann nicht das Ziel dieser Verbote sein."

Kommunikation und Reichweite als Schlüssel zum Erfolg

Vor einiger Zeit hatte sich Klapthor bereits mit dem zuständigen Ministerium in Verbindung gesetzt. Seine Gründe, die für eine Wiederöffnung der Tennishallen sprechen würden, waren dabei zwar nicht widerlegt worden. Geändert hat sich bisher allerdings nichts. Vor knapp zwei Wochen hat der 36-Jährige dann die Online-Petition mit dem Titel "Tennis in Rheinland-Pfalz ermöglichen" ins Leben gerufen. Sie richtet sich laut Website an die "Landesregierung - Innenminister Roger Lewentz und Ministerpräsidentin Malu Dreyer". Bis Dienstagnachmittag haben 3.900 Bürger auf der privaten Plattform unterschrieben, knapp 95 Prozent aus Rheinland-Pfalz. Mit der Petition will Klapthor erreichen, dass seine "Botschaft bei den richtigen Leuten ankommt". Er wünscht sich, dass seine "Argumente gehört werden". Auch der Tennisverband RP unterstützt seine Initiative. Der Zuspruch ist groß, Gegenargumente gab es bisher keine.

Die Angelegenheit vor Gericht zu klären, wäre für Klapthor keine Option. Er ist "ein großer Fan der offenen Kommunikation". Was er sich jedoch wünscht ist, dass die Regierung die unterschiedlichen Sportarten differenzierter betrachtet. "Man kann nicht alle Sportarten über einen Kamm scheren." Einschränkungen seien für den jungen Sportlehrer nicht das Problem, solange sie "für alle nachvollziehbar sind". Speziell für den Tennissport hat er der Landesregierung seine Unterstützung angeboten: Mit seinem Fachwissen möchte er dazu beitragen, dass "die Tennishallen top aufgestellt werden können" - selbstverständlich Corona-konform.

Landesregierung orientiert sich nicht an Abweichungen anderer Bundesländer

Joachim Winkler, Sprecher des Innenministerums Rheinland-Pfalz, zeigt Verständnis für die Betroffenen. Auf Nachfrage von SWR Sport heißt es von Regierungsseite jedoch: "Ob andere Landesregierungen von der Vereinbarung abweichen, ist unter diesen Verhältnissen für Rheinland-Pfalz weniger maßgeblich, da es um den Schutz der Bevölkerung geht." Aufgrund der aktuellen Entwicklungen wolle man die Kontakte "auf das unbedingt notwendige Maß reduzieren, mit der Folge, dass auch der Trainingsbetrieb im Amateur- und Freizeitsport insbesondere im infektionsträchtigen Hallensportbetrieb generell geschlossen werden musste - trotz Hygienemaßnahmen." Die Regierung könne aktuell "nicht mehr das Ziel verfolgen, Lockerungen umzusetzen oder Differenzierungen zwischen verschiedenen Graden der Infektionsrisiken vornehmen", so Winkler.

Klapthor: "Die Rolle des Amateursports wird total unterschätzt"

Auf der anderen Seite macht sich Christian Klapthor vor allem um die Jugend große Sorgen: "Als Trainer und Sportlehrer sehe ich, wie wenig Bewegung die Jugend hat", erzählt er im Gespräch mit SWR Sport. Maskenpflicht in der Halle, so oft wie möglich Sport im Freien. Für Klapthor ist es "das A und O, Bewegungsangebote zu schaffen. Sonst macht von meinen Schülern keiner was." Auch schon vor der Pandemie sei zu beobachten gewesen, dass die Bewegungsbereitschaft der Kinder immer mehr zurückgehe. Corona habe diese Situation bei weitem nicht verbessert.

Christian Klapthor ist der Meinung, dass "die Rolle des Amateursports allgemein total unterschätzt" werde. "Die Rolle des Sports für die Gesundheit ist total aus dem Fokus geraten. Die Leute brauchen das." Die komplette Schließung der Sporteinrichtungen gehe ihm nicht in den Kopf. Für ihn selbst ist Tennis der Sport, den er "bewusst in den Vordergrund gezogen" habe. Sein Ziel sei es, den Sport sein lebenslang zu betreiben. "Tennis fordert und fördert mich. Die Leistung wird jetzt aber natürlich erst mal runtergehen", fügt Klapthor lachend hinzu. Doch er ist sich sicher: "Für die Gesundheit ist der Sport auf Dauer psychisch und physisch extrem wichtig."

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