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Die neue Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg geht auch am Tennis nicht spurlos vorbei. Zwar darf in den Hallen Baden-Württembergs weiterhin gespielt werden, die dafür erforderlichen Auflagen sorgen bei den Vereinen jedoch für Unverständnis.

Thomas Bürkle ist Geschäftsführer beim TEC Waldau Stuttgart. Der Stolz auf die 2017 neu eröffnete Halle ist ihm auf Anhieb anzumerken. Auf drei Hartplätzen bietet die moderne und geräumige Tennishalle den Clubmitgliedern Platz, ihrem Hobby nachzugehen. Aktuell darf jedoch nur einer der Plätze bespielt werden.

An diesem Nachmittag sind es die Jugendspielerin Mariella Thamm und ihr Trainer Marcel Stiehl, die die Bälle fast fehlerlos über das Netz schlagen. Es erscheint wie ein gewöhnliches Einzeltraining, doch die Umstände, unter denen es stattfindet, sind alles andere als normal.

Durch die neue Corona-Verordnung des Landes ist es pro Sportstätte nur noch zwei Personen gestattet, den Tennissport weiterhin auszuüben. Dass dabei allerdings die komplette Tennishalle als Sportstätte angesehen wird und nicht der einzelne Tennisplatz, irritiert nicht nur Thomas Bürkle sehr.

"Wir sind davon ausgegangen, dass das Thema pro Tennisplatz behandelt wird"

Beim Blick in die geräumige Halle wird schnell klar, warum der Leiter der TEC-Geschäftsstelle die Regelung der Landesregierung in Frage stellt. "Ich finde, dass das ein riesengroßes Areal ist", sagt Bürkle im Interview mit SWR Sport. Man könne schlecht sagen, dass über die ganze Halle hinweg ein Infektionsrisiko bestehe, merkt er an. Alleine ist er mit dieser Meinung nicht.

Einige Tennisclubs des Landes wollen gemeinsam an die Regierung herantreten und "versuchen, diesen Beschluss zu ändern", so Bürkle. Beim TEC werden dafür schon alle Hebel in Bewegung gesetzt. Über viele Wege wird versucht, die Landesregierung zu erreichen, um den Umfang des Wortes "Sportstätte" doch noch auf den einzelnen Tennisplatz zu reduzieren.

"Wir müssen kreativ sein"

Die neue Regelung der Landesregierung wirkt sich auch direkt auf den Alltag der Tennistrainer im Land aus. So muss TEC-Coach Marcel Stiehl einen Teil seiner Einheiten auf dem Sandplatz vor der Halle abhalten, um auch anderen Mitgliedern des Vereins die Benutzung der Halle zu ermöglichen.

"Ich stand sicherlich noch nie im November draußen auf dem Tennisplatz" sagt er lachend. "Da muss man Teamplayer genug sein und die Halle dann aufteilen." Das Training selbst kann trotz der äußeren Umstände aber ohne größere Einschränkungen stattfinden, solange es sich dabei um Einzeltraining handelt.

Bei der Frage, wie eine Sportstätte definiert sein sollte, Platz oder Halle, hat auch Stiehl eine klare Meinung: "Für mich ist ein Platz eine Sportstätte", positioniert sich der Trainer. "Ich bin aber froh, dass meine Meinung nicht die ist, die für alle gelten muss", merkt er an.

"Wir halten die Maßnahmen alle gut ein"

Auch für Nachwuchstalent Mariella Thamm hat sich durch die neue Verordnung einiges an ihrem Trainingsalltag verändert, wie die Elfjährige bestätigt: "Eigentlich hatte ich hier immer noch Mädchentraining, aber das geht ja jetzt nicht mehr, weil ja nur noch Einzeltraining erlaubt ist".

Mariella hat Ambitionen auf den Spitzenplatz in der Rangliste der deutschen Jugend-Tennisspielerinnen. Um diese Ziel zu erreichen, trainiert sie auch zur Corona-Zeit drei- bis viermal die Woche. Während des Trainings fühlt sich die Nachwuchsspielerin sicher: "Ich finde die Maßnahmen gut, und wir halten sie auch alle gut ein".

Bürkle: "Sport ist gesund, Sport sollte man eigentlich möglichst nicht verbieten"

Für Geschäftsführer Thomas Bürkle steht außer Frage, dass der Tennissport auch in Zeiten der Corona-Pandemie seine Daseinsberechtigung hat. "Sport sollte man eigentlich möglichst nicht verbieten", betont Bürkle. Dass Tennis als Individualsport noch gespielt werden darf, schätzt er daher sehr.

Allerdings ist er mit den strengen Auflagen, denen Tennis zur Zeit unterliegt, noch unzufrieden. Durch die Personenbeschränkung auf zwei Personen pro Halle würden zu viele Spieler "in ihren Trainingsmöglichkeiten eingeschränkt." Tennis ist laut Bürkle "auch in der Halle ein Individualsport". Sein Appell: Man sollte "das Thema noch einmal überdenken".

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