Tennisspielerin Tatjana Maria aus Bad Saulgau (Foto: IMAGO, Paul Zimmer)

Tennis | Wimbledon

Wimbledon-Überfliegerin Tatjana Maria: Mutter, Mensch, Slice-Monster

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Noch nie war Tennisspielerin Tatjana Maria so gut wie aktuell in Wimbledon. Mit 34 Jahren schafft die zweifache Mutter den größten Erfolg ihrer Karriere. Sie überzeugt auf dem "heiligen Rasen" als Slice-Monster, Mensch und Mutter.

Tatjana Maria ist kein Showgirl, sie ist eine bodenständige Tennisspielerin. Vor allem aber ist sie authentisch. Einfach ein guter Mensch. Das sagt Norman Bingeser, Trainer beim TC Radolfzell. Er feierte mit Tatjana Maria und Angelique Kerber 2010 und 2011 die deutschen Mannschaftsmeisterschaft.

"Ich würde Tatjana als geerdeten, gutherzigen Menschen beschreiben, einfach ein toller Mensch ohne Makel."

Bingeser: "Tatjana ist das perfekte Role Model"

Der Tennis-Coach gerät richtig ins Schwärmen, wenn er über Maria spricht. "Sie ist das perfekte Role Model für eine Mannschaftstennisspielerin. Sie war und ist super authentisch. Man kann sich kein besseres Teammitglied vorstellen", so Bingeser. "Sie war immer ein motivierte und kompetitive Teamspielerin. Ich glaube, das hängt auch damit zusammen, dass sie früher Handball gespielt hat."

Größter Karriereerfolg für Tatjana Maria

Maria sei deshalb in Radolfzell allen noch in guter Erinnerung. Natürlich blicken sie in dem Städtchen am Bodensee auch nach Wimbledon, denn dort ist sie gerade in aller Munde. Die zweifache Mutter rockt das Rasenturnier. Dort steht die 34-Jährige im Viertelfinale - der größte Erfolg ihrer Karriere. Maria war dort bislang nie über die dritte Runde hinausgekommen.

Ihren Siegeszug auf dem "heiligen Rasen" hat sie vor allem ihren Slice-Bällen zu verdanken. Das heißt, Maria spielt mit ganz viel Unterschnitt - und stellt ihre Gegnerinnen so vor große Probleme, weil die Bälle flach wegspringen. "Sie hat einen sehr individuellen Spielstil durch das Einsetzen des Slice-Balls. Das entspricht nicht unbedingt dem Mainstream im Damentennis, ist aber erfolgreich", sagt Bingeser über die Spielweise von Maria.

Früh aufstehen für Tochter Charlotte

Und bei allen Erfolgen pflegt sie auch in London ihre Routinen. Maria steht immer früh auf. So ist das mit zwei Kindern - irgendwer muss Tochter Charlotte zur Tennisstunde begleiten. Die tägliche Tennisstunde der Achtjährigen um 8.30 Uhr in der Trainingshalle von Wimbledon gehört dazu. Ihre andere Tochter Cecilia war im April 2021 zur Welt gekommen.

Die Bodenhaftung hat Maria also nicht verloren. Warum auch? Sie ist in Bad Saulgau geboren , hat mit vier Jahren mit dem Tennis angefangen. Ihr Weg führte sie unter anderem über Biberach zum TEC Waldau Stuttgart wo sie 2008 das erste Mal Bundesliga spielte. Auch dort hinterließ sie Eindruck. Damen-Mannschaftsführer Thomas Bürkle erinnert sich: "Tatjana war immer sehr nett und bodenständig. Sie war auch immer sehr talentiert. Auch wenn der große Durchbruch erst jetzt kommt." Mittlerweile lebt Maria in Florida und spielt gut wie nie.

Jetzt steht sie vor dem (bislang) wichtigsten Match ihres Lebens. "Für mich wird sich nichts ändern", sagte Maria, nachdem sie gegen die Lettin Jelena Ostapenko zwei Matchbälle abgewehrt und das nächste Kapitel ihres märchenhaften Abenteuers in Wimbledon geschrieben hatte. Sie könne den erstaunlichen Triumphzug jetzt "vielleicht sogar mehr wertschätzen, weil ich wichtigere Dinge in meinem Leben habe als Tennis".

Deutsches Duell im Viertelfinale

Im Viertelfinale trifft sie auf Jule Niemeier aus Dortmund. Die 34-jährige Maria gegen die 22-jährige Newcomerin. "Wir spielen oft gegen Leute, die wir mögen", blickt Maria auf das Match gegen ihre zwölf Jahre jüngere Kontrahentin voraus. "Ich glaube, wir kriegen das beide gut hin, dass wir rausgehen, unser bestes Tennis spielen, und danach ist alles wieder in Ordnung." Und auch ihre Gegnerin hat großen Respekt. "Ich ziehe wirklich meinen Hut davor, wie sie das machen als Familie", schwärmte Niemeier. "Ich finde es unglaublich, mit zwei Kindern zu reisen".

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Wahrscheinlich wird Maria das Match erneut sehr gelassen angehen. Mit dem nötigen Ehrgeiz, aber gleichzeitig auch mit aller Gelassenheit. Und sicher wird sie wieder ihren Slice einsetzen. Und wer weiß - vielleicht geht die tolle Reise von Tatjana Maria ja noch weiter.

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