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Es ist in dieser Woche das einzige Profitennis-Turnier in ganz Europa: die AK Ladies Open in Altenkirchen. Ansonsten: Pandemie-Pause. Entsprechend groß war der Ansturm im Westerwald. Und entsprechend mühsam der Behörden-Marathon für die Veranstalter.

"Ja, ich habe auch mal dran gedacht, das Turnier abzusagen", gesteht Razvan Mihai ein. Doch der Turnierdirektor der AK Ladies Open ist keiner, der sich so schnell unterkriegen lässt. Am Ende eines monatelangen Ringens mit den zuständigen Behörden konnte der gebürtige Rumäne die Genehmigung für sein mit 25.000 Dollar dotiertes Frauen-Turnier vermelden: "Zehn Tage vor dem Turnier hab ich grünes Licht bekommen!" Auf die Frage von SWR Sport, ob es denn wirklich wacklig war bis zum Schluss, meint der ehemalige Profi-Spieler nur kurz und knapp: "Bis zum Schluss!"

Zehn Mal mehr Meldungen als Startplätze

Auf die Frage von SWR Sport, ob es denn wirklich wacklig war bis zum Schluss, meint der ehemalige Profi-Spieler nur kurz und knapp: "Bis zum Schluss!" Mihai und sein 80-köpfiges Team bieten somit einem halben Hundert Berufsspielerinnen die Möglichkeit, ihrem Job nachzugehen. Jeden der 50 Startplätze in der Einzelkonkurrenz hätte der ehemalige Daviscup-Spieler zehnmal vergeben können: über 500 Meldungen flatterten bei Razwan Mihai auf den Tisch. "Kein Wunder: die AK Ladies Open sind das einzige Turnier Europas in dieser Woche", erzählt er, nicht ohne ein wenig stolz zu sein.

Hotel als Blase für eine Woche

Der Kampf um wertvolle Weltranglistenpunkte war für die Macher im SRS Sportpark zu Altenkirchen vor allem erstmal ein Kampf mit Auflagen und Beschränkungen. Die nötigen Maßnahmen – festgehalten in einem 40-seitigen Hygienekonzept – sind enorm: Corona-Schnelltests bei allen Spielerinnen und Mitarbeitern, Verbot von Zuschauern, zusätzliche Lüftungssysteme in der Halle, ein Hotel als Dauer-Blase für die Profis, maximal ein Begleiter pro Sportlerin, Einbahnstraßenregelung in sämtlichen Gebäuden. Mehrkosten insgesamt: 11.000 Euro – bei einem Etat von 80.000 Euro kein Pappenstiel. "Gewinn mache ich jedenfalls keinen", gesteht Mihai lachend.

Größtmögliche Sicherheit auf und neben den Courts

Um alle Corona-Maßnahmen zu koordinieren und zu überwachen, wurde eigens ein sogenannter Covid-19-Officer installiert. "Ich habe mit den Behörden so intensiv gearbeitet, um die größtmögliche Sicherheit zu garantieren", sagt Mihai. Zum einen denkt er dabei natürlich an die Spielerinnen selbst: "Sie brauchen Arbeitsmöglichkeiten!" Und zum anderen denkt er an seine Helfer und Helferinnen: "80 ehrenamtliche Mitarbeiter arbeiten rund um die Uhr. Ich bin froh, dass ich dieses Team habe." Und zur Halbzeit des Turniers kann er vermelden: alle Tests bislang negativ.

Bundestrainerin dankbar für Wettkampf-Möglichkeit

Die AK Ladies Open bieten somit eine derzeit seltene Bühne – auch für die deutschen Talente. Nastasja Schunk vom BASF TC Ludwigshafen gehört zu den größten Nachwuchshoffnungen hierzulande. "Ich bin froh, dass ich hier überhaupt Matches spielen kann", sagt die 17-Jährige, obwohl sie kurz zuvor nach großem Kampf und zweieinhalb Stunden Spielzeit gegen Clara Tauson verloren hatte. Die Dänin ist in der Weltrangliste rund 800 Plätze höher eingestuft als die gebürtige Mainzerin Schunk, die dank einer Wildcard im Hauptfeld antreten konnte.

Wie wichtig das Turnier im Westerwald für die Nachwuchsarbeit ist, zeigt die Tatsache, dass Bundestrainerin Jasmin Wöhr die komplette Turnier-Woche vor Ort ist. "Dass der Turnierdirektor das hier möglich gemacht hat, ist wirklich klasse", sagt die Chefin des Porsche Junior Teams. Und ergänzt mit Blick auf ihre Schützlinge: "Gerade für unsere jungen Spielerinnen ist es so so wichtig, wieder in den Wettkampf-Modus rein zu kommen!"

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