Nastasia Schunk im Finale von Wimbledon (Foto: imago images, Imago / Paul Zimmer)

Tennis | Porträt nah dran

Tennis-Talent Nastasja Schunk: Wimbledon war erst der Anfang

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Sie ist gerade erst 18 Jahre alt geworden und spielt schon regelmäßig auf dem Center-Court: Nastasja Schunk aus Altrip (Rhein-Pfalz-Kreis). Dass sie sowohl in der 2. Tennis-Bundesliga als auch beim Juniorinnen-Turnier in Wimbledon auf dem Hauptplatz spielen darf, zeigt eindeutig: Die gebürtige Mainzerin ist auf dem Weg nach oben. Ihr Ziel: "Ich will in die Weltspitze kommen."

Der Terminkalender von Nastasja Schunk kennt wenig Lücken: Bis zu zehn Trainingseinheiten pro Woche, Turnier-Einsätze, Zweitliga-Spiele für ihren Klub TC BASF Ludwigshafen, dazu das Fernabitur und immer öfter auch Sponsoren-Termine. "Ja, das gehört zum Job", sagt die 18-Jährige und lacht. Denn sie weiß: Gestiegenes Interesse an ihr bedeutet Wertschätzung ihrer Leistung. "Das ist jetzt ein bisschen mehr geworden. Ich freue ich mich immer, wenn ich sowas hab."

Nastasja Schunk steht im Rampenlicht

"Sowas" - damit meint sie das Video- und Fotoshooting auf der Anlage des TC BASF Ludwigshafen, bei dem zeitweise vier Kameras um sie herumschwirren. Ein Sportschuh-Hersteller lässt einen Werbespot mit der aufstrebenden jungen Frau produzieren. Für die Social-Media-erfahrene Tennisspielerin kein Problem. "Das macht mir schon Spaß", erzählt sie in einer Drehpause und bestätigt, dass sie sich anschließend gerne anschaut auf den entstandenen Fotos und Videos: "Ich bin immer gespannt, was dabei herauskommt und bin eigentlich immer zufrieden."

Finale in Wimbledon

Schunk ist sichtlich gereift. Nicht nur im Umgang mit Kameras und Fotografen. Vor allem auf dem Tennisplatz präsentiert sie sich immer stärker. Ihr Spiel: athletisch, variabel, intelligent. Auf dem mythischen Rasen von Wimbledon wurde sie beim diesjährigen Juniorinnen-Turnier erst im Finale gestoppt. "Das war einfach eine mega Woche für mich, weil ich gut gespielt und so viel gesehen und gelernt habe", schwärmt die junge Profi-Spielerin von ihrem Wimbledon-Erfolg. Im Halbfinale spielte sie dabei vor mehr als 2.000 Zuschauern. "Das war ein richtig cooles Gefühl. Ich hoffe, dass ich wieder dahin komme." Aber dann natürlich bei den Erwachsenen.

Berufung ins Talent-Team

Dass sie das Talent für eine Profi-Karriere besitzt, davon ist nicht nur der DTB überzeugt, der sie mittlerweile in das angesehene "Porsche-Talent-Team" berufen hat. "Ihre Stärke? Dass sie inzwischen ein Spiel gut lesen kann", bringt es Vater Peter Schunk auf den Punkt. "Sie bringt mittlerweile eine durchgängig gute Spielweise auf den Platz und das auf eine sehr ruhige Art."

Peter Schunk, der als Hobbyspieler in Altrip offenbar die Spur für seine Tochter gelegt hat, steht auf der Tribüne und hat soeben den klaren Sieg von Nastasja im Zweitliga-Spiel gegen Elena Malygina vom TC SG Heidelberg gesehen. Ein eminent wichtiger Erfolg, denn am Ende gewinnt ihr Team vom TC BASF Ludwigshafen knapp mit 5:4 und kann damit weiter vom Aufstieg in die erste Bundesliga träumen.

Team-Playerin und Familienmensch

"Natürlich bin ich glücklich, dass ich gut gespielt und gewonnen habe", strahlt Nastasja Schunk, während sie sich mit dem Handtuch noch einmal den Schweiß von der Stirn wischt. "Trotzdem ist das Wichtigste hier, dass das Team gewinnt." Und sie lacht. "Ich hab Glück, so eine Mannschaft zu haben."

Eine absolute Teamplayerin ist sie an diesem Tag und genießt es. Denn ansonsten sind die Besten in dieser Sportart oft als Solisten unterwegs, Ranglistenpunkte sammelnd auf internationalen Turnieren, Preisgelder gewinnend, um ihren aufwändigen Sport finanzieren zu können. Der große Rückhalt bei Nastasja: ihre Familie. Großeltern, Eltern, Bruder - alle fiebern mit, stets dezent und bescheiden im Hintergrund, und doch alles mitplanend und mittragend.

Mutter Claudia ist Turn-Trainerin

Vor allem Mama Claudia managt viel in diesem ganz besonderen Tennis-Kosmos. Und sie weiß bestens, was Leistungssport bedeutet - denn Claudia Schunk ist in ihrem "normalen Berufsleben" Turn-Trainerin - seit vier Jahren sogar Bundestrainerin des deutschen Nachwuchses. "Natürlich hilft das", sagt die Mama. "Denn das haben ja alle Sportarten gemeinsam: Wenn man Top sein will, muss man eine besondere Leistungsbereitschaft zeigen und dafür leben."

Auch wenn es oft einer Kraftanstrengung bedarf, Turn- und Tennis-Engagement unter einen Hut zu bringen: Claudia Schunk ist so oft es geht an der Seite ihrer Tochter - so auch beim Werbeshooting. Auch die Mama weiß: Es ist eine Form der Belohnung. "Sie hat jahrelang trainiert und war ja auch erfolgreich. Das freut mich dann für sie." Positiver Nebeneffekt: Die Sponsorengelder entlasten die Familienkasse. Denn im Leistungstennis müssen viele Kosten erst einmal privat getragen werden. Claudia Schunk: "Der Eigenbeitrag ist sehr hoch, nicht vergleichbar mit anderen Sportarten. Wenn wir alles aus eigener Tasche bezahlen müssten, könnten wir das nicht leisten."

"Noch ein langer Weg" bis zur Weltspitze

Nastasja Schunk wird mit aller Kraft unterstützt von der Familie. "Man lebt das natürlich mit", erzählt Papa Peter. "Aber wir setzen nicht nur auf die Karte Profi-Karriere. Sie macht ja parallel Abitur, soll zwei, drei Jahre probieren, den Traum zu verwirklichen. Wenn nicht, kann sie immer noch ein Studium oder eine Ausbildung machen."

Das Vertrauen auf der einen, die Bodenständigkeit auf der anderen Seite: Dies alles prägt die 18-Jährige erkennbar. Sie genießt nicht nur die Werbe-Aufnahmen und den "Team-Spirit" in Ludwigshafen, wie sie betont. Sie weiß auch sehr gut, dass ihr selbstgestecktes Ziel, "in die Weltspitze“ zu kommen, viel Arbeit bedeutet: "Das ist noch ein langer Weg." Nastasja Schunk scheint genügend Talent und Willenskraft mitzubringen, diesen Weg erfolgreich zu gehen.

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