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Normalerweise hat im Januar die Tenniswelt Melbourne fest im Griff. Jetzt sind Quarantäne, Ausgangssperre und feste Ausgangsregelungen bei den Australian Open auch für Laura Siegemund Pflicht.

Die Australier sind sportverrückt. Im Januar gibt es kaum einen Melbournian, der in Sachen Tennis nicht mitreden kann. Ins Bett wird erst gegangen, wenn der letzte Punkt auf den Tennisplätzen im Melbourne Park gespielt ist. Dank der Flutlicht-Anlage kann das auch mal bis in die frühen Morgenstunden gehen. Aber es gehört in Melbourne zum Sommer wie die immer wieder erlebten vier Jahreszeiten an einem Tag. Aber von der Leichtigkeit des "Happy Slam" ist dieser Tage wenig zu spüren.

No entry - kein Zutritt: keiner rein, keiner raus

Die Ansage war klar. Wer bei den Australian Open dabei sein will, der muss 14 Tage in Quarantäne. Drei Hotels wurden von den Veranstaltern dafür eigens hergerichtet, mit Charterfliegern wurden die Profis eingeflogen. Der Qurantäne-Tag einer Laura Siegemund hat im Vergleich zu dem "normal-Einreisender" ein Highlight:

"Wir haben diese schöne Freiheit, wenigstens fünf Stunden am Tag raus zu dürfen".

Laura Siegemund exklusiv für SWRSport

Aber selbst diese "schöne Freiheit" klingt eher nach Freigang. "Wir werden schon vom Zimmer eskortiert zum Auto" berichtet die Schwäbin SWRSport aus Melbourne. Überall wird desifinziert, nichts darf angefasst werden. Nach genau zwei Stunden Training auf dem Tennisplatz muss man eineinhalb Stunden in das Parkhaus unterm Tennisplatz, wo der Fitnessbereich eingerichtet wurde. Nach genau eineinhalb Stunden darf man dort erst raus, rüber zum Essenszelt. Auch dort ist die Verweildauer festgelegt, eine Stunde. Egal ob man isst, ob man Gewichte stemmt, oder den Schläger schwingt. Zeiten sind strikt einzuhalten.

"Die Melbourner haben lange, lange Einschränkungen machen müssen, um wieder Covid-frei zu sein", erklärt Siegemund, die die Sorge und Skepsis der Menschen in Melbourne nach drei Monaten komplett Lockdown, nach Ausgangssperre und Mini-Bewegungsradius, versteht.

Glückskind Siegemund, Pechvogel Kerber

Heiße Diskussionen gibt es seit der Ankunft um mögliche Wettbewerbsverzerrung und gebrochene Verabredungen. Über 70 Spielerinnen und Spieler sitzen in ihren Zimmern fest. Darunter auch die deutsche Nummer eins, Angelique Kerber. Keine fünf Stunden Sonder-Ausgang, kein Training, nichts. "Die tun mir echt leid, das ist echt heftig", sagt Siegemund nachdenklich. Sie weiss, dass ein fairer Wettbewerb nach 14 Tagen Zimmeraufenthalt nicht möglich ist: "Wenn man nur mit Minimalequipment im Zimmer ein paar Übungen machen kann, dann ist eine Normalform danach utopisch", sagt der Lockenschopf.

Angelique Kerber hatte einfach Pech. In ihrem Flugzeug saßen zwei später positiv Getestete. Dass dann alle anderen auch in die harte Quarantäne müssen, hatten viele so nicht erwartet. "Wir wussten von einem Risiko, aber das war nicht ideal kommuniziert", merkt auch Siegemund an. Es ist müßig darüber zu diskutieren.

Laura Siegemund hatte Glück. Das weiß das Energiebündel aus Metzingen. Ihre fünf Stunden Trainingsfreiheit sind "ok-Bedingungen", sagt sie entspannt. Weiß aber eben auch: "Es ist nicht gut, weil man es nicht für alle gleich machen kann." Gleich ist bei diesen Australian Open 2021 nichts. Nicht auf dem Platz und nicht daneben. Sogar die so heiß begehrten Turnierhandtücher der Australian Open sind im Fanshop in diesem Jahr auffallend günstig.

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