Boris Becker mit Frau Lilian vor seiner Verurteilung in London. (Foto: imago images, IMAGO/ZUMA Wire)

Tennis | Reaktionen nach Becker Urteil

Richterin zu Boris Becker: "Sie haben keine Demut gezeigt"

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Ein Gericht in London verurteilte Boris Becker zu zweieinhalb Jahren Haft - ohne Bewährung. Der einstige Tennisstar kann in Berufung gehen, wurde aber direkt vom Gerichtssal in die Haftanstalt gebracht.

Am 8. April war Becker von der Jury des Gerichts in vier von 24 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Nachdem er 2017 für insolvent erklärt worden war, soll Becker unter anderem Besitztümer nicht offengelegt und Schulden verschleiert haben. Der 54-Jährige hatte bis zuletzt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen und darum gekämpft, den Southwark Crown Court dennoch als freier Mann verlassen zu können. Wie zuvor im Prozessverlauf wurde er von Lebensgefährtin Lilian De Carvalho Monteiro begleitet, auch Sohn Noah kam in den Gerichtsaal 1 - sie alle hofften auf Milde. Vergeblich. Absitzen muss Becker bei guter Führung mindestens 15 Monate.

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Richterin Taylor lehnt Bitte nach Bewährung ab

Konkret geht es um Überweisungen in sechsstelliger Höhe, um den Besitz einer Immobilie in seiner Geburtsstadt Leimen sowie deren Belastung mit einer Hypothek, und um Aktienbesitze, die Becker offenbar nicht angezeigt hatte. In weiteren Punkten, die unter anderem die teils verschwundenen Trophäen des dreimaligen Wimbledonsiegers betrafen, war er freigesprochen worden.

Richterin Deborah Taylor sagte, der frühere Profi habe keine Reue gezeigt, die Schuld nicht anerkannt und versucht, seine Taten und den Bankrott von sich zu weisen: "Ich erkenne an, dass das Verfahren demütigend für Sie war. Sie aber haben keine Demut gezeigt." Während die Staatsanwältin Rebecca Chalkley nun am Tag der Entscheidung den Angeklagten erneut scharf anklagte, kämpfte Jonathan Laidlaw in den letzten Worten darum, dass es für Becker noch einmal vergleichsweise glimpflich ausgeht. Ohne Erfolg. Der Prozess habe seine Karriere und sein Leben zerstört, sagte der Verteidiger und bat die Richterin, die fällige Strafe zur Bewährung auszusetzen: "Er hat buchstäblich nichts." Der Anwalt hatte zuvor in dem Verfahren das "besondere Leben" seines Mandanten seit seinem Triumph als Teenager in Wimbledon beschrieben. Becker sei ein "hoffnungsloser Fall" im Umgang mit Geld, er habe keinen Überblick über seine Besitztümer gehabt, sich auf seine Berater verlassen. Dafür muss Becker nun teuer bezahlen.

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DTB Präsident ist geschockt

Dietloff von Arnim, Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), äußerte sich am Rande des ATP-Turniers in München mitgenommen. "Wenn wir etwas für ihn tun können, werden wir das machen. Er hat viel geleistet für den DTB", sagte von Arnim bei Sky: "Was er auf dem Tennisplatz geleistet hat, wird für immer einmalig sein. Das Urteil ist zu akzeptieren, aber ich bin geschockt." Vor 20 Jahren in München, verurteilt wegen Steuerhinterziehung, war Becker mit einem blauen Auge davongekommen und hatte eine zweijährige Bewährungsstrafe sowie eine Geldstrafe erhalten.

Gemischte Reaktionen aus seiner Heimatstadt Leimen

In seiner Heimatstadt Leimen ist Becker nach der Urteilsverkündung natürlich Thema Nummer eins. Die Menschen dort reagieren ganz unterschiedlich auf seine Haftstrafe. "Mir tut's leid, dass er so tief gefallen ist, schade drum", sagt eine Passantin in der Innenstadt. Ein anderer findet: "Offensichtlich hat er besser Tennisspielen können, als mit seinen Finanzen umzugehen." Und sein Image als Vorzeigesohn der Stadt und Ehrenbürger ist für einige offenbar dahin. "Nur weil er eine Tennislegende war, muss er sich trotzdem an die Regeln halten. Von daher finde ich das schon gerechtfertigt."

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Becker wohl im Gefängnis nahe Wimbledon

In englischen Medien wird darüber spekuliert, dass Becker ins Gefängnis im Londoner Vorort Wandsworth gebracht wurde. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt, nur drei Kilometer entfernt im Stadtteil Wimbledon, das Gelände des All England Lawn Tennis & Crocket Club. Dort hatte im Sommer 1985 mit dem Gewinn des ersten Grand-Slam-Titels der rasante Aufstieg von "Bumm Bumm Boris" begonnen. Mit einem Paukenschlag endete ein langes Gerichtsverfahren gegen Becker, dem seine Lebensgefährtin im Gerichtssaal nur noch einen Handkuss zuwerfen konnte.

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