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Der Präsident des Deutschen Tennis-Bundes, Ulrich Klaus, glaubt fest daran, dass in den unteren Tennis-Klassen auch dieses Jahr noch eine komplette Meden-Saison möglich ist. "Wir werden Mitte Mai eine Entscheidung treffen“, bestätigt Klaus im Interview mit SWR Sport.

In welchem Modus dann gespielt werde, sei ungewiss. Aber der oberste Tennis-Funktionär Deutschlands geht davon aus, dass zumindest mit Einzeln von der Regionalliga abwärts eine Meisterschafts-Runde möglich ist. Dass derzeit nur in drei Bundesländern – darunter Rheinland-Pfalz – auf Tennis-Anlagen gespielt werden darf, bedauert Ulrich Klaus. Doch er sieht Signale, dass möglicherweise ab kommender Woche weitere Bundesländer folgen werden.

Ulrich Klaus, Präsident des Deutschen Tennis-Bundes: In Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern darf auf Tennis-Anlagen gespielt werden – also nur in drei Bundesländern. Das bedeutet zum Beispiel auch: in Ludwigshafen darf gespielt werden, auf der anderen Rheinseite in Mannheim nicht. Finden Sie das in Ordnung?

Klaus: Nein, das finde ich nicht in Ordnung. Aber das ist eben die Konsequenz aus dem Föderalismus. Der DTB hat sowohl die Bundesregierung, die Kanzlerin,das Innenministerium angeschrieben als auch alle für den Sport zuständigen Ministerien in den Bundesländern und um Freigabe der Tennisplätze gebeten. Das hat leider nur in den drei Bundesländern geklappt. Alle Ministerien haben uns geantwortet, dass man diese Frage prüft und sobald als möglich an eine Freigabe der Tennisplätze denkt. Und das könnte nach meiner Einschätzung am kommenden Montag in einigen Bundesländern passieren, in manchen vielleicht auch erst eine Woche später.

Viele Hobbyspieler wollen einfach nach draußen gehen. Was fordern Sie im Namen derer?

Klaus: Ich fordere einfach das, was man sonst in der Freizeit auch tun kann: mit strengen Vorsichtsmaßnahmen, dass zwei Personen auf einem Tennisplatz durchaus spielen können, wenn man sich nicht vor und nach dem Spiel die Hände gibt, wenn man beim Duschen nachher die Abstandsregeln bedenkt und wenn man auch die Bänke entsprechend weit voneinander entfernt hält. Ich glaube, da ist dann auch keine größere Gefahr als wenn ich mich in die Rheinanlagen begebe oder in irgendeinem Park sitze.

Aber es scheint nicht allen Klubs klar zu sein, selbst hier in Rheinland-Pfalz, was erlaubt ist. Ich glaube, Sie selbst haben schon beobachtet, dass es auch Doppel gab auf einigen Plätzen. Das ist nicht in Ihrem Sinne, oder?

Klaus: Nein, das war nicht in unsrem Sinne. Wir haben nur von Einzel gesprochen. Aber es gibt Städte – wahrscheinlich liegt das an den Ordnungsämtern – die auch Doppel erlauben. Es gibt Städte, wo man Gruppentraining abhalten kann mit bis zu vier Personen mit Trainer. Und es gibt Städte, wie zum Beispiel hier in Koblenz, wo ein Trainer nur mit einem Tennisschüler auf dem Platz sein kann. Die Handhabung ist da sehr unterschiedlich.

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Die Bundesligen sind abgesagt. Was können Sie denjenigen in den unteren Ligen sagen? Werden die eine Chance haben, dieses Jahr um Meisterschaften zu spielen?

Klaus: Die Chance ist sicherlich gegeben. Da gehen wir von aus. Der DTB ist für die regionalen Ligen zuständig. Da werden wir Mitte Mai eine Entscheidung treffen. Ab dem 8. Juni - das glauben wir immer noch fest - denken wir, dass wir wenigstens in den unteren Klassen inklusive Regionalliga spielen können. In welchem Modus, das ist uns sicher noch nicht ganz klar. Ob man dann auch Doppel spielen kann, das wissen wir auch noch nicht. Aber davon gehen wir aus, dass wir ab diesem Zeitpunkt Einzel spielen können. Und ich glaube auch, dass man dann noch eine komplette Meden-Saison hinbekommt.

8. Juni – das ist das magische Datum auch für viele Profis. Der DTB will da eine nationale Serie anfangen. Aber sehr viel früher gibt es, unter privater Führung, schon ab 1. Mai in Höhr-Grenzhausen eine Exhibition Series - das aber ohne Beteiligung des DTB. Konnte da nicht ein gemeinsamer Weg gefunden  werden?

Klaus: Da wurde vielleicht auch der gemeinsame Weg vielleicht gar nicht gesucht. Ich habe das auch nur aus der Presse erfahren. Ich finde aber die Idee insgesamt sehr gut. Es ist ja nichts anderes, als das, was der DTB auch organisiert, nämlich Trainingsmöglichkeiten unter Spielbedingungen für unsere Profis zu schaffen. Wir spielen dann ab dem 8. Juni eine Serie mit 32 Herren und 24 Damen in Vierer-Gruppen an verschiedenen Standorten. Und ich glaube, das ist etwas, was man durchaus unterstützen muss.

Mit Preisgeld?

Klaus: Bei uns gibt es Preisgeld, und zwar erhebliches Preisgeld. Wir haben einige Kosten ja eingespart dadurch, dass einige Tuniere nicht stattgefunden haben beim DTB. Und wir haben Sponsoren dafür gewonnen. Insofern gibt es einiges Preisgeld zu gewinnen.

Viele Turniere sind abgesagt. Erwarten Sie überhaupt noch Matches dieses Jahr mit Zuschauern?

Klaus: Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube nicht vor September – also bis zum 31. August hat ja schon die Bundesregierung hier bei uns alles gestoppt. Aber ich glaube, auch im Ausland wird es nicht passieren. Vielleicht geht es Ende des Jahres wieder los, erst in Asien und vor allem in Australien. Es hängt halt auch sehr mit der Reise-Möglichkeit zusammen. Tennis ist halt sehr auf freie Reise-Möglichkeit angewiesen. Und wenn das nicht gegeben ist, dann wird sich die Turnier-Szene nicht wieder beleben.

Sie sind in Waldesch zuhause in Rheinland-Pfalz. Wann haben Sie denn das letzte Mal gespielt?

Klaus: Ich habe in den letzten acht Tagen dreimal gespielt, im Leistungszentrum hier auf der Karthause. Ich habe es genossen. Ich kann es nur jedem empfehlen, wenn der Platz auf ist: am besten rausgehen und den Schläger in die Hand nehmen.

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