Steffi Graf hält die Trophäe hoch, nach ihrem Erfolg bei den French Open. (Foto: Imago, imago)

Tennis | French Open Vor 20 Jahren: Steffi Grafs legendärer Sieg bei den French Open

Vor 20 Jahren, am 5. Juni 1999, gewann Steffi Graf zum sechsten Mal die French Open, das wichtigste Sandplatz-Tennisturnier der Welt. Kurz danach beendete die Brühlerin ihre fulminante Karriere.

Es ist der 5. Juni 1999. Steffi Graf hatte am Nachmittag zum sechsten Mal die French Open in Paris gewonnen. Unter dem Eindruck ihres emotionalen Finalsieges gegen die Schweizerin Martina Hingis hatte die 29-jährige Brühlerin erklärt, dass sie nie wieder bei diesem bedeutenden Grand Slam Turnier spielen würde.

Dauer

Triumphfahrt rund um den Arc de Triomphe

Wenige Stunden nach ihrem Triumph saß Steffi Graf gemeinsam mit ihrem damaligen Trainer Heinz Günthardt im Auto und fuhr Richtung Hotel. Plötzlich sagte ein Mitfahrer: "Wenn du hier nicht mehr spielen wirst, dann müssen wir jetzt für jeden deiner sechs Siege bei diesem Turnier um den Place Charles-de-Gaulle fahren." Pariskenner wissen, was das bedeutet: Auf dem kreisrunden, knapp 250 Meter durchmessenden Platz ist es die Hölle, mit dem Auto unterwegs zu sein. Auf sechs Spuren umrunden die Autos den Arc de Triomphe, der das Zentrum des Platzes bildet. Aber Steffi Graf und ihr Team genossen jeden Meter in der Blechlawine. Sechs Mal umrundete das Auto der Siegerin den Platz. Es war Steffi Grafs Art, ihre Triumphe von Roland Garros zu feiern.

Graf: "Schwerstes Match meiner Karriere"

"Es war das härteste, das schwerste Match meiner Karriere. Ein unglaublicher Moment, und den will ich so mitnehmen. Deshalb werde ich nie mehr in Paris spielen." Diese Sätze flossen aus Steffi Grafs Mund nach ihrem denkwürdigen Sieg im Finale gegen die Schweizerin Martina Hingis. Es war ein rasantes Aufeinandertreffen zweier Generationen. Hier die erfahrene 29-jährige Steffi Graf, die alles gewonnen hatte, was es im Tennis zu gewinnen gab. Auf der anderen Seite die 18-jährige Martina Hingis aus der Schweiz, die keck aufsprechende Weltranglistenerste.

Wettkampf der Generationen

Das Finale zwischen der lange verletzten Deutschen und ihrer Schweizer Konkurrentin war von Hingis’ negativen Äußerungen über Grafs Spielvermögen begleitet. Am Vortag des Finalspiels hatte Hingis angekündigt, ihr Sieg am morgigen Tag werde zeigen, dass der Generationenwechsel endgültig vollzogen sei.

Tatsächlich sah die Schweizerin im Finale gegen Ende des zweiten Satzes schon wie die sichere Siegerin aus. Sie war nur drei Punkte vom Sieg entfernt, ehe Graf das Spiel drehte und den dritten Durchgang klar mit 6:2 gewann. Graf bezeichnete diesen Sieg später als "den schönsten ihrer Karriere".

Hingis muss sich verbeugen

Martina Hingis dagegen lief weinend vom Platz und wollte nicht mehr zurückkehren. "Ich habe meinen Stolz", sagte sie, "und der ist verletzt worden." Ihre Mutter schickte sie zurück. Daraufhin verbeugte sich die 18-Jährige vor ihrer Bezwingerin: "Es ist unglaublich, wie sie sich motivieren kann. 15 Jahre dabei, 22 Grand Slams - es ist einfach unglaublich. Hut ab. Mit dieser Sammlung wäre ich sicher längst im Altersheim."

Der Beifall der Zuschauer, am Anfang auf beide Spielerinnen gleichmäßig verteilt, galt am Ende nur noch Steffi Graf. Er steigerte sich einseitig, weil Martina Hingis nach dem verlorenen zweiten Satz eine Auszeit nahm, um sich in der Kabine frisch zu kämmen. In dieser Pause tanzen die 16 000 "la Ola" - und Steffi Graf machte mit.

"Steffiii" - ein Tennisstadion tobt

Neun Tage vor ihrem 30. Geburtstag hatte die Brühlerin zum sechsten Mal die French Open gewonnen, das wichtigste Tennisturnier der Welt auf rotem Sand. Mit 4:6, 7:5, 6:2 nach zwei Stunden und 25 Minuten gegen eine aufmüpfige Schweizerin. Die 16 000 Zuschauer sprangen von ihren Sitzen, ließen "la Ola" (die Welle) durch das Stadion Roland Garros toben und schrien nur einen Namen: "Steffiiii". Eine große Genugtuung für die Grande Dame des Tennis.

Gut zwei Monate später, am 13. August 1999, erklärte Steffi Graf ihren sofortigen Rücktritt vom Profitennis.

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